Tricks bei der Geldanlage Was Privatanleger von Milliardären lernen können

Händler an der Wall Street: Namen wie "XYZ-Variozins", "Best Buy", "Bestbonus" usw. sollten sie nicht im Depot haben - und ihr Bankberater sollte außerdem wissen, dass ein "Ausgabeaufschlag" für Sie nicht akzeptabel ist

Händler an der Wall Street: Namen wie "XYZ-Variozins", "Best Buy", "Bestbonus" usw. sollten sie nicht im Depot haben - und ihr Bankberater sollte außerdem wissen, dass ein "Ausgabeaufschlag" für Sie nicht akzeptabel ist

Foto: DPA

Peter Hollmann und Ivo Schwartzkopff betreuen einige der reichsten deutschen Familien bei der Geldanlage. Zusammen haben die ehemaligen Goldman-Sachs-Kollegen in Frankfurt das Unternehmen PatriCon  gegründet, das sich auf die unabhängige Beratung von großen privaten und institutionellen Anlegern konzentriert. Traditionelle Vermögensverwaltung oder Produkte bietet PatriCon nicht an, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Kurz nach dem Start im März 2015 ist das Unternehmen bereits von mehreren Familien für ein Volumen von mehreren hundert Millionen Euro beauftragt.

mm: Herr Hollmann, was machen Milliardäre oft besser als gewöhnliche Privatanleger?

Hollmann: Sie nutzen den Zinseszins-Effekt, den schon Albert Einstein als "achtes Weltwunder" bezeichnet hat: "Der, der es versteht, verdient ihn, wer nicht, bezahlt ihn."

mm: Große Vermögen profitieren also vom exponentiellen Vermögenswachstum, da Kapital und Zinsen weiter verzinst werden. Allerdings gibt es bei Banken und Bundesanleihen keine Zinsen mehr.

Hollmann: Der deutsche Aktienindex Dax dagegen verspricht mehr als drei Prozent Dividendenrendite. Machen Sie es wie der Dax: Achten sie diszipliniert auf die Wiederanlage von Kapitalerträgen. Der Dax ist der einzige gängige Index, der gezahlte Dividenden - auf die er übrigens auch keine Steuern zahlt - wieder anlegt. Zwischen dem Dax und dem nur auf Kurssteigerungen basierten KursDax (der auch von der Deutschen Börse berechnet wird) liegen seit Bestehen rund 6000 Indexpunkte. Langfristig machen Dividenden ungefähr 50 Prozent des Ertrags aus Aktien aus. Das wird oft übersehen.

mm: Haben Milliardäre nicht vor allem den Vorteil, als begehrte Kunden die Gebühren ihrer Bank drücken zu können?

Hollmann: Das heutige Nullzinsumfeld macht den Kostenaspekt wichtiger denn je. Auch normale Privatanleger können hier viel herausholen. Sagen Sie Ihrem Bankberater, dass Sie gar nicht wissen, wie man das Wort "Ausgabeaufschlag" buchstabiert. Überlegen Sie, Teile Ihres Depots zu einer Direktbank zu verlegen. Kosten lassen sich hierdurch zwischen 80 und 90 Prozent senken.

mm: Trotzdem zahlen Privatanleger für ihren Aktienfondsmanager laufende Kosten, die oft bei 1,5 Prozent pro Jahr oder mehr liegen.

Hollmann: Fokussieren Sie sich auf Indexfonds (ETFs). Oft werden Indexinvestments als "passives Investieren" bezeichnet, was unserer Meinung nach falsch ist. Ein Beispiel: Seit 1980 sind aus dem S&P 500 Index ca. 350 der Unternehmen ersetzt worden. Schwache Unternehmen werden entfernt, gute und erfolgreiche hinzugefügt. Man könnte sagen: "Der Index denkt mit!"

mm: Welche anderen Finanzprodukte meiden die Vermögenden aus gutem Grund?

Hollmann: Durchforsten Sie Ihr Depot nach komplexen Zertifikaten mit klangvollen Phantasienamen. Bonus- und Diskontzertifikate sind meist in Ordnung. Anders sieht es mit oft kapitalgarantierten Produkten aus. Namen wie "XYZ-Variozins", "Regenbogen", "Best Buy", "Bestbonus" usw. sollten sie nicht im Depot haben. Selbst große Vermögen bekommen mitunter Produkte gezeigt, die nur von versierten Kapitalmarktexperten durchschaut werden können. Was wir hier in den letzten Monaten gesehen haben, kann man - vorsichtig formuliert - nur als "abenteuerlich" bezeichnen.

Neue Ansätze in der Vermögensanlage sind nötig

mm: Viele Anleger meiden Aktien, weil Sie zwischenzeitliche Verluste von 50 Prozent wie beim Crash 2008 abschrecken. Wohlhabende halten dagegen oft einen beträchtlichen Teil ihres Kapitals in Aktien. Wie überwinden die Reichen verständliche Ängste vor dem Vermögensverlust beim nächsten Crash?

Hollmann: Reflexartig wird heute zu einer höheren Aktienquote geraten, was im Grundsatz ja auch richtig ist. Aber viele Anleger können die Schwankungen psychologisch nicht verkraften. Ein guter Rat ist "Schauen Sie nicht sooft hin!" Andere Vermögensteile, wie z.B. Immobilien werden ja auch nicht börsensekündlich gehandelt. Anlagen in moderne liquide Alternative Anlagen (Absolute Return Fonds im regulierten UCITS-Mantel) können ein stabilisierendes Element in modernen Depots sein. Dazu braucht man aber die Hilfe versierter Spezialisten.

mm: Milliardäre können es sich leisten, eigene Vermögensverwalter zu beschäftigen. Privatanleger greifen immer häufiger zu Mischfonds, der Vermögensverwaltung für kleines Geld. Ist eine sinnvolle Wahl?

Hollmann: Traditionelle Mischfonds "defensiver Ausprägung" mit einer typischen Ausrichtung von z.B. 30% Aktien und 70% Renten, sind derzeit der Verkaufsschlager der Branche und die Ergebnisse der letzten Jahre sehr gut. Dies ist jedoch meist nicht der Fähigkeit der Manager, sondern einer historischen Hausse, vor allem den Rentenmärkten geschuldet. 2 Billionen Euro an Rentenpapieren haben mittlerweile eine negative Rendite. Auch Spitzenunternehmen zahlen weniger als 1% Rendite für langlaufende Papiere. Vielleicht fallen die Zinsen ja noch weiter - wer dies nicht glaubt, sollte verstehen, dass zukünftige Ergebnisse weit unter den vergangenen liegen werden. Dies braucht neue Ansätze in der Vermögensanlage.

mm: Woher sollen Privatanleger ohne die Hilfe teurer Berater wissen, wie es in den kommenden Jahren am Finanzmarkt weitergeht?

Hollmann: Eine Voraussetzung für den Anlageerfolg ist die Einsicht, dass niemand wissen kann, wie die Zukunft aussieht. Ein Hauptunterschied zwischen den Depots von Milliardären und normalen Privatanlegern ist, dass der liquide Teil großer Vermögen viel breiter gestreut ist, um auf viele Entwicklungen vorbereitet zu sein.

mm: Wie könnte heute eine sinnvolle Vermögensaufteilung für Privatanleger aussehen?

Hollmann: Dafür gibt es keine allgemeingültige Antwort, da Portfolios zu der individuellen Anlegersituation passen müssen. Klar ist aber, dass die klassische Anleihe angesichts der Nullzinsen für die meisten Anleger künftig nicht mehr sinnvoll ist. Im Wertpapierbereich können wir uns einen Aktienanteil von 40 bis 60 Prozent vorstellen - mittels weltweit investierender Indexfonds. Das ergänzen wir mit liquiden Absolute-Return-Fonds und Fonds, die in Hochzins- und Schwellenländeranleihen investieren. Schließlich raten wir zu 10 bis 15 Prozent Bargeld, um später Investmentchancen nutzen zu können, die sich nach Kursrückgängen ergeben.

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