Durchsuchung bei Union Investment Star-Fondsmanager soll Insiderhandel betrieben haben

Fondsmanager bekommen oft Informationen vor der breiten Öffentlichkeit. Ein Star der Szene soll sie genutzt haben, um sich persönlich zu bereichern. Sein Arbeitgeber: der genossenschaftliche Finanzverbund, zu dem auch die Volks- und Raiffeisenbanken gehören.
Von Tim Bartz, DER SPIEGEL
Milliarden-Umschlagplatz: Zentrale von Union Investment in Frankfurt am Main.

Milliarden-Umschlagplatz: Zentrale von Union Investment in Frankfurt am Main.

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Arne Dedert/ dpa

Skandal bei Union Investment: Die Tochter der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken hat einen ihrer Top-Fondsmanager mit sofortiger Wirkung freigestellt, weil er sich über einen längeren Zeitraum in hohem Umfang mit Aktientransaktionen bereichert haben soll. Der Manager, der dem mm-Schwestermedium SPIEGEL namentlich bekannt ist, galt unter Deutschlands Profianlegern als einer der größten Fans des mittlerweile insolventen Finanzdienstleisters Wirecard. Ob er sich auch mit Wirecard-Aktien bereichert hat, ist unklar.

Sein Arbeitsplatz in der Union-Investment-Zentrale sei von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft und ein Anwalt des freigestellten Mitarbeiters waren zunächst nicht zu erreichen. 

Wie Union Investment dem SPIEGEL weiter mitteilte, soll der Mitarbeiter "über einige Monate hinweg auf privaten Depots außerhalb der Systeme des Unternehmens verbotene Insidergeschäfte abgewickelt und sich so in erheblichem Maße unrechtmäßig bereichert" haben. Er habe "dienstlich erworbene Kenntnisse missbraucht, um auf privaten Depots jenseits der Systeme von Union Investment Insidergeschäfte zu betreiben".

Der Staatsanwaltschaft seien die erforderlichen Unterlagen und Daten zur Verfügung gestellt worden. Weder Kunden noch die Sondervermögen von Union Investment seien geschädigt worden. Die Ermittlungen, so Union Investment, belegten, "dass die Sicherungssysteme im Viereck Depotbanken, Finanzaufsicht Bafin, Ermittlungsbehörden, Investmentgesellschaften funktionieren und gegriffen haben".  

Zu gut für den Job in der Geschäftsführung

Nach SPIEGEL-Informationen galt der gut situierte Familienvater intern als Star. Die Wertentwicklung seiner Fonds sei so herausragend gewesen, dass dem Mann der Sprung in die Geschäftsführung verwehrt geblieben sei - dafür sei er für die Union-Fonds zu wichtig gewesen. Nun ist die Karriere abrupt gestoppt. 

Union Investment hatte im vergangenen Jahr, wie viele deutsche Fondsgesellschaften, und auch auf Drängen des nun freigestellten Mitarbeiters, in gewaltigem Umfang in Wirecard-Aktien investiert. Einer Übersicht des Newsletters finanz-szene.de  zufolge hatte Union Investment zwischen März und September 2019 in 14 Publikumsfonds die Zahl der Wirecard-Aktien von knapp 500.000 auf 2,7 Millionen aufgestockt. Im Januar 2020 war Union mit mehr als drei Prozent einer der größten Wirecard-Aktionäre.

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