Inflationsgebundene Anleihen "Linker" - diese Wertpapiere schützen vor Inflation

Steigende Inflationsraten, die heute auch Hauptthema beim EZB-Treffen sein dürften, treiben Investoren seit Monaten in sogenannte Linker. Diese Staatsanleihen versprechen Anlegern Inflationsschutz - wenn Investoren beim Kauf alles richtig machen.
Die Inflationsraten im Blick: Anleger sorgen sich um Preissteigerungen - und hoffen auf die richtige Antwort durch EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Kollegen

Die Inflationsraten im Blick: Anleger sorgen sich um Preissteigerungen - und hoffen auf die richtige Antwort durch EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Kollegen

Foto: Jonathan Rebboah / imago images/PanoramiC

Der heutige Donnerstag ist der "I-Tag" dieser Woche: Sowohl in Europa als auch in den USA werden frische Inflationsdaten veröffentlicht. Zudem trifft sich der EZB-Rat um Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde (65), um über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu befinden. Die Inflationsentwicklung dürfte dabei das Hauptthema sein. Denn angesichts des Comebacks der Wirtschaft nach der Corona-Krise steigen seit Monaten die Inflationsraten - und das bereitet auch Konsumenten und Investoren an den Finanzmärkten Sorgen. Insbesondere in Deutschland, wo zuletzt der höchste Wert seit fast zehn Jahren gemessen wurde, löst eine anziehende Preissteigerung oft Nervosität aus. Als vor rund 100 Jahren in der Weimarer Republik die Inflation außer Kontrolle geriet, half am Ende bekanntlich nur noch eine Währungsreform, um die Spirale zu stoppen. Die Erinnerung daran lebt bis heute fort.

Für Geldanleger stellt die Inflation zudem ein besonderes Problem dar: Sie schmälert die reale Rendite, die mit einem Investment erzielt werden kann. Bei Banken und Sparkassen beispielsweise sind derzeit ohnehin kaum Zinsen zu bekommen - abzüglich der Inflationsrate dürften viele Sparer mit entsprechenden Einlagen gegenwärtig ein Minusgeschäft machen.

Was also tun? Eine Option sind inflationsindexierte oder -geschützte Anleihen, die im Englischen "inflation-linked bonds" heißen und daher im Jargon auch "Linker" genannt werden. Diese Papiere, die in der Regel von Staaten ausgegeben werden, sind eigens dafür geschaffen, Anlegern einen Inflationsausgleich zu bieten. Das funktioniert so: Bei "Linkern" erhalten Investoren eine vergleichsweise niedrige Nominalverzinsung plus einen Inflationsaufschlag. Herkömmliche Anleihen ohne Inflationsschutz dagegen verfügen über eine nominal höhere Verzinsung. Bei ihnen müssen Anleger jedoch damit leben, dass die Inflation einen Teil dieser Nominalverzinsung real zunichtemacht.

Die Folge dieser Konstruktion ist, dass sich an der Differenz zwischen der (niedrigeren) Rendite einer inflationsgebundenen Anleihe und der (höheren) Rendite einer vergleichbaren Anleihe ohne Inflationsschutz ziemlich genau die gegenwärtige Inflationserwartung des Marktes ablesen lässt. Deckt sich diese Erwartung mit der Realität, so ist es rein theoretisch gleichgültig, in welche der Papiere investiert wird - beide werfen - vorausgesetzt sie weisen ansonsten die gleichen Parameter auf - unter dem Strich den gleichen Ertrag ab.

Drei Tipps vom Fachmann - so finden Sie den richtigen "Linker" für Ihr Depot:

Das ist aber nur die Theorie. In der Praxis spielen viele Faktoren eine Rolle, Erwartungen ändern sich, Risikoprämien und anderes müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Daher kann die Performance von inflationsgebundenen Papieren durchaus von jener ihrer herkömmlichen Pendants abweichen.

Für einen Investor kommt es dabei vor allem darauf an, die Inflationserwartung des Marktes mit der eigenen Prognose abzugleichen und zu entscheiden: Hält er die Steigerungen der Verbraucherpreise, die der Markt erwartet, für zu hoch, ist also die Differenz zwischen den Renditen aus seiner Sicht zu groß, so lohnt zum jeweiligen Zeitpunkt womöglich ein Investment in eine herkömmliche Anleihe ohne Inflationsschutz. Denn die übertriebene Inflationserwartung kann auch als Unterbewertung dieser Papiere gelesen werden.

Glaubt ein Investor dagegen, dass die Inflation künftig stärker ausfallen wird, als es der Markt - gemessen an besagter Renditedifferenz - erwartet, so kann er zu inflationsgeschützten Anleihen greifen. Denn die sind in dem Moment womöglich unterbewertet.

"Der Anstieg der Inflationsraten geht oft mit steigenden Nominalrenditen einher, wodurch Anleger in klassischen Anleihen Kursverluste erleiden", erläutert Dennis Ehlert, Senior Portfolio Manager beim Investmenthaus Bantleon, mit Blick auf die aktuelle Situation an den Finanzmärkten. "Linker, wie inflationsindexierte Anleihen auch heißen, können in diesen Zeiten aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Inflationsschutz sogar absolute Erträge generieren."

Laut Ehlert haben beispielsweise in diesem Jahr deutsche inflationsgeschützte Anleihen einen Ertrag von 1,3 Prozent erwirtschaftet. Die nominalen Pendants dagegen verzeichneten aufgrund des Zinsanstiegs einen Verlust von minus 2,79 Prozent, so der Experte.

Inflationsgeschützte Anleihen performen besser

Der Hintergrund: Die steigenden Inflationssorgen ließen Investoren in den vergangenen Monaten herkömmliche Staatsanleihen abstoßen und inflationsgeschützte Papiere tendenziell kaufen. Auf diese Weise wurden die höheren Inflationserwartungen in der steigenden Renditedifferenz zwischen herkömmlichen Bonds und "Linkern" sichtbar. Wer dabei rechtzeitig in inflationsgebundene Papiere investierte, konnte einen guten Schnitt machen, wie beispielsweise auch das Investmenthaus Nomura Asset Management beobachtet hat.

Einer Analyse des Unternehmens zufolge gehören inflationsgeschützte Anleihen im bisherigen Jahresverlauf zu den am besten abschneidenden Segmenten am Anleihemarkt. Demnach haben die "Linker" mit einer positiven Wertentwicklung von 0,8 Prozent beispielsweise Bundesanleihen (minus 3,2 Prozent) und US-Staatsanleihen (minus 3,5 Prozent) deutlich hinter sich gelassen.

Noch klarer ist nach Angaben von Nomura der Abstand über einen Betrachtungszeitraum von drei Jahren: Da erzielten "Linker" weltweit ein Plus von 14,2 Prozent, während die globalen Rentenmärkte lediglich um 8,5 Prozent zulegten. "Man hätte schon die Risiken von High Yield-Anleihen eingehen müssen, um an den Rentenmärkten über den letzten Dreijahreszeitraum mehr Ertrag als mit Inflation-Linkern zu machen", sagt Sönke Siemßen, Head of Client Portfoliomanagement bei Nomura Asset Management.

Investoren, die angesichts der nach wie vor vorherrschenden Inflationssorgen mit dem Kauf von inflationsgebundenen Anleihen liebäugeln, sollten sich nach dem Run der vergangenen Monate auf diese Papiere vor allem eins Fragen: Sind die Inflationserwartungen, die der Markt inzwischen eingepreist hat, noch realistisch, oder handelt es sich womöglich bereits um Übertreibungen?

Potenzial bei europäischen "Linkern"

Zur Orientierung: Für die USA liegt die Inflationserwartung der Marktakteure gemessen an der Renditedifferenz zwischen "Linkern" und herkömmlichen Anleihen gegenwärtig bei etwa 2,5 Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit 2013. Damit bewegt sich der Markt nach Ansicht von Guneet Dhingra, einem Zinsstrategen der US-Bank Morgan Stanley, bereits in der Nähe der Hysterie . Laut Nomura-Fachmann Siemßen dagegen ist das ziemlich genau auch das Ausmaß an Preissteigerungen, welches sein Unternehmen für die USA im Schnitt der kommenden fünf Jahre erwartet.

In Europa sind die Inflationserwartungen zuletzt ebenfalls angestiegen. Während Siemßen dabei bei britischen Bonds bereits leichte Übertreibungen erkennt, sieht er für den Rest des Kontinents noch Potenzial. "Der Anleihemarkt erwartet in Europa momentan eine Inflation von 1,3 Prozent im Schnitt der kommenden fünf Jahre", so Siemßen. "Wir halten das für zu gering und würden uns eher am Inflationsziel der EZB von 2 Prozent orientieren." Sprich: Europäische inflationsgebundene Anleihen könnten aufgrund dieser Sichtweise noch Einstiegschancen bieten.

cr