Nicolai Tangen Chef des weltgrößten Staatsfonds warnt vor Dauerinflation

Ist die Inflation gekommen, um zu bleiben? Der Chef des weltgrößten Vermögensfonds glaubt genau das – und warnt vor langfristig niedrigeren Renditen am Kapitalmarkt.
Nicolai Tangen: Der Chef des weltgrößten Staatsfonds erwartet, dass die Inflation hoch bleiben wird

Nicolai Tangen: Der Chef des weltgrößten Staatsfonds erwartet, dass die Inflation hoch bleiben wird

Foto: Fredrik Solstad / Bloomberg via Getty Images

Nicolai Tangen (55) ist der Herr über mehr als 1,3 Billionen Dollar – Geld, das er als Chef des weltgrößten Staatsfonds für Norwegens Bürger möglichst gewinnbringend anlegt. Im vergangenen Jahr ist das dem ehemaligen Hedgefondsmanager bestens gelungen: Umgerechnet 160 Milliarden Euro Gewinn spielte der stark aktienlastige Fonds ein, was einer Rendite von stattlichen 14,5 Prozent entspricht. Ob Tangen das auch in diesem Jahr gelingen wird, stellt er indirekt selbst infrage. Denn der Profi warnt davor, dass Anleger sich auf niedrigere Renditen einstellen müssen, sollte sich die Inflation verstetigen.

Bereits im Februar vergangenen Jahres hatte Tangen die Inflation als eines der größten Risiken für die Märkte benannt. "Die muss man im Auge behalten", sagte er im Interview mit dem manager magazin . Im Gespräch mit der "Financial Times" , warnte der Anlageprofi nun, dass die Inflation "stärker sein könnte als allgemein erwartet", da die weltweite Nachfrage nach Gütern nicht nachlasse und zugleich die Lieferketten nach wie vor brüchig seien.

Die Verbraucherpreise in den großen Industrieländern der Welt sind so hoch wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, insbesondere in den USA, wo die Inflationsrate im vergangenen Dezember auf 7 Prozent kletterte. Von steigenden Preisen "auf breiter Front" spricht auch Tangen. Ob es sich nun um Konsumgüter, Lebensmittel, Energie oder Rohstoffe handelte – die Inflation sei allgegenwärtig. Nicht zuletzt bei Frachtraten und auch bei den Löhnen gebe es Anzeichen dafür, sagt Tangen.

"Wie wird sich das auswirken?", stellt er die Frage mit Blick auf die Kapitalmärkte und liefert die Antwort gleich mit: "Es trifft Anleihen und Aktien zur gleichen Zeit."

US-Notenbank kündigt straffere Geldpolitik an

Experten diskutieren heftig und kontrovers darüber, ob es sich beim Inflationsanstieg um ein vorübergehendes Phänomen handelt – ausgelöst durch den Pandemie-Schock, unterbrochene Lieferketten und eine starke Nachfrage im Zuge der wirtschaftlichen Erholung – oder ob die Inflation gekommen ist, um zu bleiben.

Die US-Notenbank Fed neigt zusehends zu letzter Interpretation und bereitet die Anleger auf mindestens drei Zinserhöhungen ab März vor. Die Europäische Zentralbank hingegen zaudert noch. Volkswirte warnen bereits vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden, sollte die EZB zu spät gegensteuern und die Inflation hoch bleiben.

Die Inflationserwartungen am Markt deuteten laut "FT" darauf hin, dass sich die Anleger derzeit nicht übermäßig um eine davon galoppierende Preissteigerung sorgten. Eine Messgröße, die sogenannte Zehnjahres-Breakeven-Rate, habe zuletzt gezeigt, dass die Inflation gegenüber dem aktuellen Stand auf etwa 2,5 Prozent zurückfallen könnte. Und die Zweijahresmessung deute darauf hin, dass die Preissteigerung kurzfristig knapp über 3 Prozent liegen würde.

Käme es so, wäre das in der Tat kein Grund zur Sorge. Tangen aber denkt nicht so. Er sieht andere Einflussfaktoren. So gehen in den Industriestaaten beispielsweise immer mehr Menschen in den Ruhestand, sie wollen ihr Geld genießen und ausgeben. Das könnte laut Tangen dafür sorgen, dass der Inflationsanstieg von Dauer ist. Derzeit seien die Zinsen niedrig und die Bewertungen hoch am Aktienmarkt. "Wir werden aber viel härtere Zeiten erleben. Die Inflation wird sich beschleunigen und darum könnten wir lange Zeit niedrigere Renditen sehen."

rei