Neuer Anlageskandal Infinus soll mit Gold-Investments getrickst haben

Es ist ein Anlageskandal, der viele andere in den Schatten stellt: Die Dresdener Infinus-Gruppe soll bis zu 25.000 Anleger um möglicherweise bis zu 400 Millionen Euro betrogen haben. Jetzt kommt heraus, welchen Trick die Finanzjongleure dabei angewandt haben sollen.
Goldbarren: Investments in das Edelmetall wurden Infinus womöglich zum Verhängnis

Goldbarren: Investments in das Edelmetall wurden Infinus womöglich zum Verhängnis

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Dresden - Einmal mehr sorgt ein Anlageskandal am grauen Kapitalmarkt für Aufruhr. Büros und Privaträume der Dresdener Infinus-Gruppe sowie von Partnerfirmen in Deutschland und Österreich wurden am Dienstag durchsucht. Laut Dresdener Staatsanwaltschaft wird gegen acht Personen wegen Betrugsverdachts ermittelt, sechs von ihnen wurden im Zuge der Razzia festgenommen.

Worum es bei den Vorwürfen genau geht, ist bislang unklar. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Beschuldigten bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht haben. Davon sollen rund 25.000 Anleger mit einem Investmentvermögen von insgesamt rund 400 Millionen Euro betroffen sein, so die Behörde in einer Mitteilung.

Infinus hat ebenfalls bereits eine Mitteilung verschickt, in der die Vorwürfe rundherum zurückgewiesen werden. Man sei "überrascht", und wolle mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Sache aufzuklären, heißt es darin weiter.

Doch die Sache, worum handelt es sich dabei im Detail? Darüber berichtet jetzt detailliert die Zeitschrift "Fonds Professionell" auf ihrer Internetseite. Demnach stößt der Staatsanwaltschaft vor allem ein in den Jahren 2011 und 2012 abgewickeltes Sparplangeschäft auf, mit dessen Hilfe die Infinus-Gruppe sowie deren Mutterunternehmen, die ebenfalls durchsuchte Future Business KG (Fubus), ihren Umsatz, ihren Gewinn und den operativen Cashflow gewaltig aufgebläht haben sollen.

Gold-Sparpläne im Fokus

"Das Geschäft taugt als Musterbeispiel für kreative Buchführung", schreibt "Fonds Professionell". Basis seien die Gold-Sparpläne eines Partnerunternehmens in Österreich, bei denen für Anleger Kosten von 12 Prozent der Sparplansumme anfallen. Infinus hat diese Sparpläne nicht nur Anlegern verkauft, sondern auch dem eigenen Mutterkonzern Fubus, so der Bericht.

Dabei soll es schematisch zu folgender Rechnung gekommen sein: Für jede 100 Millionen Euro Sparplansumme zahlte Fubus zwölf Millionen Euro Anschaffungsnebenkosten an den Partner in Österreich - wo das Geld jedoch nicht blieb. Die Österreicher überwiesen laut "Fonds Professionell" vielmehr 11,9 Millionen davon direkt zurück nach Dresden, nämlich als Provision an Infinus.

So erhöhen die Millionen nicht nur Umsatz und Gewinn von Infinus. Aufgrund eines Gewinnabführungsvertrages landeten sie vielmehr letztlich wieder in der Kasse des Mutterkonzerns Fubus.

"Im Ergebnis werden aus 100.000 Euro Einsatz auf dem Papier 11,9 Millionen Euro Gewinn", bringt es "Fonds Professionell" auf den Punkt. Gleichzeitig konnte die Unternehmensgruppe auf diese Weise ihr Zahlenwerk künstlich aufpumpen, was auf Anleihegläubiger einen guten Eindruck gemacht haben dürfte.

Ohne das beschriebene Geschäft und bei sonst unveränderter Bilanzierung hätte der Fubus-Konzern laut "Fonds Professionell" 2012 keine 196 Millionen Euro Umsatz ausweisen können, sondern nur rund 114 Millionen Euro. Statt eines Gewinns wäre demnach ein hoher Verlust gestanden. Und der operative Cashflow wäre nicht im Plus gewesen, sondern deutlich im Minus.

Nach Angaben der Zeitschrift hat einer der Infinus-Vorstände die Vorgehensweise bereits früher prinzipiell eingeräumt und zugesagt, die Anleger darüber künftig besser aufklären zu wollen. Aktuell war dazu von Infinus auf Anfrage keine Stellungnahme zu bekommen. Ein Sprecher der Dresdener Staatsanwaltschaft bestätigte allerdings gegenüber manager magazin online, dass der Bericht von "Fonds Professionell" "in die richtige Richtung" gehe.

cr
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