Donnerstag, 14. November 2019

Crowdfunding-Pionier Slava Rubin "Der Zugang zu Kapital ist kaputt"

Crowdfunding: Wo es Geld im Netz gibt
DPA

Als erste internationale Crowdfunding-Plattform hat Indiegogo die Art, wie sich Startups finanzieren, revolutioniert. Mittlerweile existieren weltweit Hunderte solcher Portale. Gründer Slava Rubin über den deutschen Markt und die Folgen für die internationale Finanzindustrie.

mm: Herr Rubin, Sie haben 2008 Indiegogo gegründet, als damals erstes weltweites Crowdfundingportal. Hunderte Unternehmen haben Ihre Idee seitdem kopiert, ähnliche Plattformen aufgemacht. Anders als bei Indiegogo, wo Geldgeber nur sogenannte "perks", also zum Beispiel Events oder Produkte für ihr Geld bekommen, kann man bei einigen sogar Unternehmensanteile erwerben. Hat die Konkurrenz Sie mittlerweile überholt?

Rubin: Wir haben 2008 die ganze Industrie gestartet. Und einige unserer mittlerweile mehr als tausend Wettbewerber sind sogar über eine Finanzierung über Indiegogo entstanden. Was das Geschäft mit Anteilen angeht, wird daran in den USA noch gearbeitet. Wenn es da legal wird, werden wir es sicher in Erwägung ziehen. Bislang wachsen wir aber auch mit unserem klassischen Geschäft beträchtlich. Wir verteilen jede Woche Millionen in der ganzen Welt. Jeder kann Geld bei uns aufnehmen - für einen gemeinnützigen Zweck oder auch Unternehmen.

mm: Mittlerweile auch in Euro.

Rubin: Ja. 30 Prozent unseres Geschäftes findet mittlerweile außerhalb der USA statt. Und Europa spielt eine wichtige Rolle.

mm: Wieviel Geld haben deutsche Kunden bei Ihnen bislang aufgenommen?

Rubin: Dazu kann ich nichts sagen. nur soviel: Wir sind im letzten Jahr 300 Prozent gewachsen - und Deutschland war eines der Herzstücke dieses Wachstums.

mm: Verraten Sie denn was zum Umsatz.

Rubin: Nein. Aber unser Geschäftsmodell hat sich nicht geändert. Wir nehmen 4 Prozent von jedem Dollar, der bei uns aufgenommen wird.

mm: Sie haben mit kreativen Projekten angefangen. Geld für Theater, Film- Musikproduktionen und wohltätige Zwecke eingesammelt. Mittlerweile greifen aber auch immer mehr Unternehmen auf die Möglichkeiten des Crowdfunding zurück. Glauben Sie, dass sich da weiter etwas verschieben wird - auf Kosten der Banken?

Rubin: Ja, davon bin ich überzeugt: Das traditionelle Bankgeschäft wird künftig nur noch eine von vielen Finanzierungsvarianten werden.

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