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Crowdfunding: Wo es Geld im Netz gibt

Crowdfunding-Pionier Slava Rubin "Der Zugang zu Kapital ist kaputt"

Als erste internationale Crowdfunding-Plattform hat Indiegogo die Art, wie sich Startups finanzieren, revolutioniert. Mittlerweile existieren weltweit Hunderte solcher Portale. Gründer Slava Rubin über den deutschen Markt und die Folgen für die internationale Finanzindustrie.

mm: Herr Rubin, Sie haben 2008 Indiegogo gegründet, als damals erstes weltweites Crowdfundingportal. Hunderte Unternehmen haben Ihre Idee seitdem kopiert, ähnliche Plattformen aufgemacht. Anders als bei Indiegogo, wo Geldgeber nur sogenannte "perks", also zum Beispiel Events oder Produkte für ihr Geld bekommen, kann man bei einigen sogar Unternehmensanteile erwerben. Hat die Konkurrenz Sie mittlerweile überholt?

Rubin: Wir haben 2008 die ganze Industrie gestartet. Und einige unserer mittlerweile mehr als tausend Wettbewerber sind sogar über eine Finanzierung über Indiegogo entstanden. Was das Geschäft mit Anteilen angeht, wird daran in den USA noch gearbeitet. Wenn es da legal wird, werden wir es sicher in Erwägung ziehen. Bislang wachsen wir aber auch mit unserem klassischen Geschäft beträchtlich. Wir verteilen jede Woche Millionen in der ganzen Welt. Jeder kann Geld bei uns aufnehmen - für einen gemeinnützigen Zweck oder auch Unternehmen.

mm: Mittlerweile auch in Euro.

Rubin: Ja. 30 Prozent unseres Geschäftes findet mittlerweile außerhalb der USA statt. Und Europa spielt eine wichtige Rolle.

mm: Wieviel Geld haben deutsche Kunden bei Ihnen bislang aufgenommen?

Rubin: Dazu kann ich nichts sagen. nur soviel: Wir sind im letzten Jahr 300 Prozent gewachsen - und Deutschland war eines der Herzstücke dieses Wachstums.

mm: Verraten Sie denn was zum Umsatz.

Rubin: Nein. Aber unser Geschäftsmodell hat sich nicht geändert. Wir nehmen 4 Prozent von jedem Dollar, der bei uns aufgenommen wird.

mm: Sie haben mit kreativen Projekten angefangen. Geld für Theater, Film- Musikproduktionen und wohltätige Zwecke eingesammelt. Mittlerweile greifen aber auch immer mehr Unternehmen auf die Möglichkeiten des Crowdfunding zurück. Glauben Sie, dass sich da weiter etwas verschieben wird - auf Kosten der Banken?

Rubin: Ja, davon bin ich überzeugt: Das traditionelle Bankgeschäft wird künftig nur noch eine von vielen Finanzierungsvarianten werden.

"Banken müssen umdenken"

mm: Das heißt, Banken werden umdenken müssen.

Rubin: Ja. Die Finanzindustrie wird sich ändern. Der Zugang zu Kapital ist wirklich kaputt, Innovation dringend nötig. Aber Innovation wird kommen. Vor 70 Jahren gab es keine Kreditkarten - jetzt hat die so ziemlich jede Bank im Angebot. Bald wird jedes Geldinstitut der Welt Crowdfunding anbieten.

mm: Wieso das?

Rubin: Wenn die Banken die kleinen Unternehmen wegschicken, werden sie diese Kunden für immer verlieren. Wenn sie aber Crowdfunding anbieten, können sie sagen: Wir geben Dir keinen Kredit. Aber vielleicht gibt Dir die Crowd ja was. Dann behalten sie den Kunden. Die Kunden werden es nutzen, weil sich die Bank vielleicht an der Distribution beteiligt. Das ist ein win-win-Situation: Die Banken bekommen mehr Daten und die Kunden vielleicht bessere Kreditkonditionen.

mm: Bislang ist davon aber hierzulande noch nicht viel zu merken.

Rubin: Ich bin überzeugt: Am Ende dieser Dekade wird es soweit sein. In den 80ern dreht sich alles um Desktopcomputer, in den 90ern um E-commerce , die 2000er waren die großen Jahre von Social. Dieses Jahrzehnt wird das Funding-Jahrzehnt sein. Vom traditionellen Crowdfunding über Anteils-Crowdfunding bis hin zu sozialen Creditscores. Gerade findet eine Revolution statt, wie Leute Zugang zu Kapital haben. Dass man dafür den richtigen Gatekeeper kennen muss. ist eine Mentalität von vor 100 Jahren.

mm: Was heißt das für die Banken?.

Rubin: Sie müssen sich bewegen, innovativ sein, um nicht abgeschlagen zu werden. Und das werden sie, da bin ich sicher. Youtube hat auch nicht die gesamte Medienindustrie ausgelöscht. Manche sind auf der Strecke geblieben. Aber andere haben herausgefunden, wie man die neue Technik integrieren und mit ihr arbeiten kann.

mihec

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