Montag, 21. Oktober 2019

Aktiv gemanagte Fonds fallen zurück Zeitenwende an der Wall Street - ETFs überholen Konkurrenz

Händler an der New Yorker Börse: Indexfonds sind an der Wall Street auf dem Vormarsch - wie überall auf der Welt.
DPA/Richard Drew
Händler an der New Yorker Börse: Indexfonds sind an der Wall Street auf dem Vormarsch - wie überall auf der Welt.

Historischer Augenblick an der Wall Street - wenn auch eher für Feinschmecker des Finanzgeschäfts: Erstmals in der Geschichte war im August dieses Jahres das Volumen von Indexfonds und Exchange Traded Funds (ETFs), die Indizes auf den US-Aktienmarkt nachbilden, größer als das Volumen von aktiv gemanagten Investmentfonds mit dieser Ausrichtung. Wie das "Wall Street Journal" mit Verweis auf Zahlen der Fondsrating-Agentur Morningstar berichtet, kamen die Index-Verfolger auf ein Gesamtvolumen von 4,27 Billionen Dollar. Die aktiv verwaltete Konkurrenz brachten in jenem Monat lediglich 4,25 Billionen Dollar auf die Waage.

Der Wachwechsel kommt alles andere als überraschend. Seit geraumer Zeit stecken Investoren deutlich mehr Geld in die kostengünstigen Indexfonds als in herkömmliche Produkte. Ein Grund ist, dass Fondsmanager nur allzu häufig den Beweis schuldig bleiben, dass sie ihr Geld wert sind. Studien zufolge gelingt es regelmäßig lediglich einer Minderheit der Portfolioverwalter, besser abzuschneiden als der Markt, in dem sie agieren.

Anbieter passiver Produkte wie die weltweit führenden Firmen Blackrock, Vanguard oder State Street dagegen haben dieses Problem nicht. Sie liefern zwar keine Outperformance. Das erwartet aber auch niemand von ihnen. Stattdessen können sich Investoren bei Indexfonds darauf verlassen, recht exakt die Wertentwicklung des Marktes zu erhalten - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das zu deutlich geringeren Kosten.

In Deutschland sind Indexfonds trotz ihrer Vorteile bislang noch nicht so weit verbreitet wie in den USA. Zahlen des Fondsverbandes BVI zufolge kamen allein die offenen Publikumsfonds - also Aktien, Renten, Misch- und andere Fonds - hierzulande zuletzt auf ein Gesamtvolumen von mehr als einer Billion Euro. Etwa 385 Milliarden Euro davon steckten allein in Aktien-Investmentfonds.

Das Volumen der ETFs nimmt sich dagegen geradezu bescheiden aus. Lediglich 140 Milliarden Euro betrug deren Nettovermögen zum Ende des ersten Halbjahres 2019. Dabei macht der BVI darauf aufmerksam, dass auch institutionelle Investoren ETFs in ihre Vermögensverwaltung mit einbeziehen - deren Gelder sind in dem genannten Volumen sogar noch mit enthalten.

Die Zeitreihe zeigt allerdings, dass Indexfonds auch hierzulande auf dem Vormarsch sind. So betrug deren Volumen laut BVI 2016 noch 103 Milliarden Euro.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Indexfonds rund um den Globus wird allerdings auch Kritik an der passiven Anlagevariante laut. Skeptikern zufolge kann sich das blinde Nachbilden von Indizes unvorteilhaft auf den Aktienmarkt auswirken. Es bestehe die Gefahr eines starken Herdentriebs, weil mehrere Fonds gezwungen seien, zur gleichen Zeit ähnliche Anlageentscheidungen zu treffen. Dadurch, so die Vorbehalte, könnten Schwankungen am Aktienmarkt gesteigert werden.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bislang gibt es aber kaum einen Beleg dafür, dass solche Befürchtungen berechtigt sind. Die Indexfonds-Branche reagiert zudem gelassen auf die Anwürfe. Man müsse sich zunächst darüber klar werden, dass Indexfonds derzeit noch gar keine so große Marktmacht hätten, zitiert das "Wall Street Journal" beispielsweise Tim Buckley, den Chef der auf diese Nische spezialisierten Fondsgesellschaft Vanguard. Es gebe immer noch viel zu viele Leute, die durch die hohen Kosten der aktiven Fondsmanager abgezockt würden.

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