Montag, 27. Januar 2020

Investmentstrategie Vermögensverwalter setzen stärker auf ETFs

Exklusive Umfrage: Das denken Vermögensverwalter über ETFs
AP

Vermögensverwalter hierzulande setzen immer mehr börsennotierte Indexfonds ein. Das ergab eine Umfrage für manager magazin online: Die Profis bevorzugen die Vehikel vor allem für das Investment in etablierten Märkten. Exotische ETFs dagegen stoßen auf Skepsis.

Hamburg - Börsennotierte Indexfonds, so genannte ETFs (Exchange Traded Funds), haben inzwischen offenbar einen festen Platz im Portfoliomanagement deutscher Vermögensverwalter. Die Bedeutung dieser Fonds dürfte für die Finanzprofis zudem künftig noch steigen.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Münchener V-Bank exklusiv für manager magazin online durchgeführt hat. Demnach setzen bereits beinahe 90 Prozent aller Vermögensverwalter hierzulande bei ihren Investitionen neben anderen Anlagevehikeln auch ETFs ein. Bei etwa 40 Prozent der Finanzprofis haben ETFs sogar einen Anteil von 20 Prozent oder mehr an den Investments. Fast 70 Prozent setzen ETFs zu mindestens 10 Prozent ihrer Investitionen ein.

Darüber hinaus geben fast 40 Prozent der Vermögensverwalter an, den Anteil der ETFs künftig erhöhen zu wollen. Als beliebteste Anbieter gelten dabei die großen Player am Markt, also vor allem die Blackrock-Tochter iShares, die Deutsche-Bank-Tochter DB-X-Trackers sowie Lyxor International, eine Tochter der französischen Großbank Société Générale Börsen-Chart zeigen. Eine Reduzierung des ETF-Anteils im Portfolio plant dagegen kein einziger der befragten Vermögensverwalter.

Das Ergebnis erscheint ein wenig bemerkenswert. Denn Vermögensverwalter dürften berufsbedingt grundsätzlich eher mit dem aktiven Portfoliomanagement als mit dem passiven sympathisieren. Schließlich ist es ihre ureigene Aufgabe, das Vermögen ihrer Kunden aktiv zu managen. Einige der Unternehmen haben zudem eigene gemanagte Fonds im Angebot.

Hauptzweck: Deutscher Aktienmarkt

Wenig überraschend erscheinen dagegen die Antworten auf die Fragen, zu welchem Zweck und in welchen Märkten die Vermögensverwalter ETFs am ehesten einsetzen. Demnach werden die Indexfonds vor allem genutzt, um günstig in Indizes zu investieren. Themenfonds zu bestimmten Strategien oder Ländern dagegen werden eher selten eingesetzt.

Hauptzweck für die Investmentprofis ist die Nachbildung des deutschen Aktienmarktes, also beispielsweise des Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen. Etwa 16 Prozent der Antworten entfielen auf diesen Markt. Daneben werden als Einsatzgebiete favorisiert: Gold Börsen-Chart zeigen mit 13,8 Prozent, US-Aktien (etwa anhand des Dow Jones Börsen-Chart zeigen oder des S&P 500) mit 13,5 Prozent sowie europäische Aktien (EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen) mit 13,1 Prozent. Mit kleinem Abstand liegen die Schwellenländer dahinter (9,1 Prozent).

Das Ergebnis verwundert kaum, denn als Faustregel gilt unter Fachleuten, dass in etablierte Märkte am effizientesten per Indexfonds investiert werden kann, weil durch besonderes Wissen oder spezielle Kompetenz dort kaum zusätzliche Erträge erzielt werden könnten. Dazu passend erhielt gerade der Ökonom Eugene Fama den Wirtschaftsnobelpreis. Fama gilt als wichtiger Entwickler der Theorie der effizienten Märkte, in denen jede verfügbare Information zu jeder Zeit bereits in die Preise eingeflossen ist.

Profis bevorzugen physische Replikation

Wer dagegen mit seinem Geld auf spezielle Regionen oder Themen setzen will, sollte nach allgemeiner Auffassung eher aktiv gemanagte Fonds wählen, bei denen ein Manager seine Expertise einsetzen kann.

Eine kontroverse Diskussion zum Thema ETFs spiegelt sich indes ebenfalls in den Umfrageergebnissen wider: Mehr als zwei Drittel der befragten Vermögensverwalter sprechen sich klar für jene Indexfonds aus, die ihre Benchmark "physisch", also originalgetreu abbilden. Weniger als 10 Prozent bevorzugen "synthetische" ETFs.

Die Frage nach dem Für und Wider der physischen beziehungsweise der synthetischen Replikation bei Indexfonds wird seit langem in der Fachwelt diskutiert. Während die synthetische Variante, bei der Swap-Derivate eingesetzt werden, als kostengünstiger und weniger aufwendig gilt, bringt der physische Weg geringere Risiken mit sich. Das Umfrageergebnis zeigt, dass die Vermögensverwalter hierzulande offenbar mehr Wert auf Sicherheit legen.

An der Umfrage, die die Münchener V-Bank exklusiv für manager magazin online durchgeführt hat, haben sich insgesamt 88 über das gesamte Bundesgebiet verteilte Vermögensverwalter beteiligt, darunter namhafte Adressen wie Flossbach von Storch, Huber, Reuss & Kollegen, Neue Vermögen oder PSM. Insgesamt repräsentieren die Umfrageteilnehmer nach Berechnung der V-Bank ein verwaltetes Kundenvermögen von mehr als 25 Milliarden Euro.

Fotostrecke: Die Umfrageergebnisse im Detail

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