Sonntag, 22. September 2019

Aktivistische Investoren Mitverdienen, wenn andere Ärger machen - die besten Aktien für Trittbrettfahrer

Bill Ackman und Co: Welche Unternehmen die Aktivisten angreifen
REUTERS

Aktivisten wie Bill Ackman treiben Topmanager mit nie gekannter Aggressivität vor sich her, auch in Deutschland. Welche Unternehmen sie angreifen und wie Anleger mitverdienen können.

Knapp zehn Monate dauert es, bis der Deal des Jahres 2014 steht von der ersten Idee bis zum Abschluss. Mitte Januar trifft Michael Pearson (55), Chef des kanadischen Pharmakonzerns Valeant, am Rande einer Branchenkonferenz in San Francisco auf seinen ehemaligen McKinsey-Kollegen Bill Doyle (70). Es dauert nicht lange, bis die beiden vom höflichen Neujahrs-Small-Talk abdriften, die Branche nach möglichen Übernahmekandidaten abklopfen und beim Botox-Hersteller Allergan landen.

Doyle, für den Hedgefonds Pershing Square unterwegs, trägt die Idee zu Bill Ackman (49), Gründer und Nummer eins des wohl aggressivsten Investmentfonds, der sich gegenwärtig finden lässt.

Danach geht alles sehr schnell. Im März und April kauft Ackman 10 Prozent der Allergan-Aktien auf. Am 22. April bieten Pershing Square und Valeant öffentlich rund 46 Milliarden Dollar für Allergan. Es ist der Beginn einer in epischem Cinemascope-Format inszenierten Übernahmeschlacht.

Allergan-Chef David Pyott (61) tut alles, um den für seine harten Sparprogramme berüchtigten Valeant-Boss Pearson abzuschrecken. Und mit Ackman, dem Spekulanten, will er schon gar nichts zu tun haben. Sieben Monate lang attackiert und blockiert Pyott seine Gegner, am Ende verkauft er Allergan für 66 Milliarden Dollar an den irischen Rivalen Actavis. Alles nur, um den Angreifern zu entkommen.

Gewinne von 30 Prozent - auch für die Trittbrettfahrer der Aktivisten

Aktien, die Aktivisten jetzt kaufen
Mitverdienen, wenn andere Ärger machen: die besten Titel für Trittbrettfahrer.
Valeant
Das kanadische Pharmaunternehmen kauft Firmen in Serie, senkt anschließend die Forschungsausgaben und stärkt das Marketing. Bill Ackman setzt darauf, dass Valeant wie angekündigt den Gewinn (Ebitda) bis 2016 fast ver doppelt.
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Zoetis
Das Pfizer-Spin-off ist der größte Tiermedizinhersteller der Welt. Ackman schätzt die stabilen Cashflows und die Tatsache, dass es kaum Preisdruck durch Nachahmermittel gibt.
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Chesapeake Energy
Wegen des Preiscrashs hat der Öl- und Gasförderer die Investitionen fast halbiert. Der Cashbestand von vier Milliarden Dollar ist eine solide Krisenreserve. Carl Icahn erhöhte seinen Anteil 2015 auf 11 Prozent.
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Apple
Investor Icahn interessiert sich nicht für die Apple Watch, sondern für die Nettobarreserve von 120 Milliarden Dollar. Er will Cash sehen.
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Juniper Networks
Elliott Management hat im März zwei Kontrolleursposten bei dem Internetrouter- Hersteller besetzt. Das spricht für mehr Aktienrückkäufe und schürt die Fusionsfantasie.
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Medtronic
Der Weltmarktführer für Herzschrittmacher ist Hedgefonds’ Darling. Verlegte seinen Firmensitz bereits ins steuergünstige Dublin.
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Die Niederlage lässt sich für Ackman verschmerzen, er verdient trotzdem prächtig an dem von ihm initiierten Deal. Schließlich muss ihm Actavis seine Allergan-Papiere für 242 Dollar in Cash und Aktien pro Stück abkaufen, um das Unternehmen vollständig unter Kontrolle zu bringen. Ein Aufschlag von mehr als 100 Prozent auf den Durchschnittskurs, zu dem der Hedgefondsmanager ursprünglich gekauft hatte. Für Anleger, die sich rechtzeitig Ackmans Feldzug angeschlossen und seine Strategie kopiert hatten, war der Deal ähnlich lukrativ: Wer am Tag nach seinem Übernahmeangebot eingestiegen war, konnte mit dem Gegengebot von Actavis am 17. November Kursgewinne von 30 Prozent einstreichen.

Mit seiner Aggressivität setzt Ackman neue Maßstäbe im Stellungskrieg zwischen Hedgefondsstrategen und Konzernchefs. Er ist das Gesicht eines neuen Typs kampfkräftiger Aktionäre, der Unternehmensführer in den USA und zunehmend auch in Europa in Angst und Schrecken versetzt. "Wir erleben einen Aufschwung des Anlegeraktivismus", sagt Ackman, "und deshalb müssen sich Manager stärker als früher vor ihren Aktionären rechtfertigen".

Zwischen 300 und 400 solch aktivistischer Attacken werden derzeit weltweit vorangetrieben. Ziel der Angreifer ist es, Unternehmen massiv unter Druck zu setzen: damit sie Aktien zurückkaufen, Kostensenkungsprogramme aufsetzen, Margen erhöhen, Geschäftsfelder abstoßen oder gleich das komplette Management auswechseln. Denn all das zieht in der Regel einen kräftigen Kursanstieg nach sich.

Von den Feldzügen der Aktivisten profitieren kann im Grunde jeder. Dazu ist es gar nicht nötig, direkt in die Hedgefonds zu investieren, was oftmals horrende Gebühren kostet, insbesondere wenn sie von den Stars der Szene geführt werden. Es genügt, sich einfach dranzuhängen, wenn die Aktivisten ihre Attacken reiten.

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