Samstag, 21. September 2019

Hedgefonds-Guru John Paulson warnt Unabhängigkeit Schottlands könnte Beispiel für Südeuropa werden

Investmentguru John Paulson: "Sollte Schottland für die Unabhängigkeit votieren, könnten da nicht südeuropäische Länder auf die Idee kommen, die Eurozone zu verlassen? Die Eurokrise würde damit wieder aufflammen"

John Paulson ist einer der bekanntesten Investoren der Welt. Und ein Investor mit klarer Meinung. Ein Gespräch von manager magazin online mit Paulson über deutsche Unternehmen, über Gold, über das schottische Unabhängigkeitsreferendum und ein mögliches Comeback der Euro-Krise.

Hamburg - Es knackt in der Konferenzleitung. Der Sprecher erklärt, er würde in wenigen Minuten dazu stoßen. Er, das ist John Paulson. Einer der reichsten Männer der Welt, ein Hedgefondsmanager. Und einer der wenigen Finanzexperten, der die Finanzkrise 2007 vorhergesehen hat. Ob er derzeit wohl ähnliche Wolken wie 2007 am Horizont beobachtet? Es knackt einmal mehr, Paulson meldet sich. Ruhige Stimme, Ostküsten-Amerikanisch.

mm: Mr. Paulson, wenn man auf die Märkte schaut - sind Anleger angesichts des aktuellen Umfelds zu nervös - oder zu entspannt?

Paulson: Sie sind zu selbstgefällig. Die Anleihenrenditen sind rekordniedrig und Aktien sind nicht mehr billig. Das ist kein Umfeld für Selbstgefälligkeit.

mm: Sehen Sie dunkle Wolken am Börsenhorizont, so wie 2007?

Paulson: Nein. Die Bewertungen der Aktien sind im historischen Schnitt angemessen, noch nicht überteuert. Das ist von "bubble-land" noch entfernt. Bei Anleihen ist das allerdings anders. Zum einen wegen der dort investierten Geldmengen, zum anderen wegen der damit verbundenen Risiken.

mm: Wie schätzen Sie die Risiken für Europa ein?

Paulson: Sollte Schottland zum Beispiel für die eigene Unabhängigkeit votieren, könnten da nicht südeuropäische Länder auf die Idee kommen, die Eurozone zu verlassen? Die Eurokrise würde damit wieder aufflammen - und genau so etwas ist derzeit nicht in den Kursen eingepreist.

mm: Lassen Sie uns noch etwas über die Stimmung sprechen - die M&A-Aktivität steigt immer weiter. Was sagt das über die Betriebstemperatur des Marktes aus?

Paulson: Ja, die M&A-Aktivität ist so hoch wie seit sieben Jahren nicht.

mm: Und so mancher Experte warnt bereits, dass Ganze sei heiß gelaufen.

Paulson: Nein. Heißgelaufen wäre der Markt, wenn die Deals nur gemacht würden, um die Liquidität loszuwerden. Aber noch ist es so, dass die Transaktionen einen Wert schaffen, ein strategisches Ziel verfolgen.

mm: Trotz der Milliardenbeträge?

Paulson: Ja. Denn das Ganze folgt ja einer Logik. Ein Unternehmen agiert zuerst national und dann international. Um diese Ziele zu erreichen, muss es wachsen, in aller Regel über Zukäufe.

mm: Die Bedingungen für Zukäufe sind derzeit ja auch verlockend …

Paulson: Stimmt. Entweder, der Kauf wird über eigene Aktien finanziert -die notieren derzeit hoch. Oder die Unternehmen nutzen Kredite. Und die sind dank der Politik der Fed rekordgünstig.

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