Mittwoch, 20. November 2019

Vorwurf Goldpreis-Manipulation Klage gegen Deutsche Bank und vier weitere Institute

Begehrte Barren: Wurde am Goldpreis jahrelang gedreht?

In New York wurde Klage gegen die Deutsche Bank und vier weitere Institute eingereicht. Sie sollen beim täglichen Goldpreis-Fixing in London gekungelt haben.

Hamburg - Die Diskussion um die mögliche Manipulation des Goldpreises spitzt sich weiter zu. In New York liegt nun soweit bekannt erstmals eine Klage gegen die fünf Banken vor, die den Preis für das Edelmetall zweimal täglich in London festlegen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, richtet sich die Klage gegen die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen sowie gegen Barclays, HSBC Börsen-Chart zeigen, Société Générale Börsen-Chart zeigen und die Bank of Nova Scotia Börsen-Chart zeigen. Eingereicht wurde sie von dem New Yorker Goldhändler Kevin Maher beim Gericht in Manhattan. Maher strebe eine Sammelklage für mehrere Investoren an, die mit Gold Börsen-Chart zeigen oder Gold-Derivaten handelten oder solche hielten, so Bloomberg.

Dem Bericht zufolge wirft Maher den Banken vor, den Goldpreis gemeinschaftlich manipuliert zu haben. Damit stößt er in das gleiche Horn wie manch anderer vor ihm. Rohstoffanalyst und Autor Dimitri Speck etwa schreibt in seinem Buch "Geheime Goldpolitik" bereits seit längerem über markante Bewegungen im täglichen Verkauf des Goldpreis-Charts. Regelmäßig zum Zeitpunkt des Nachmittags-Fixings in London zeige sich ein signifikanter Einbruch beim Goldpreis, so Speck. Als Beleg führt er ausführliche Kalkulationen an sowie den Vergleich der kumulierten Intraday-Charts des Goldpreises.

Seine Erklärung: Immer zum weltweit beachteten Nachmittags-Fixing werde am Goldmarkt interveniert, und zwar "durch die US-Notenbank oder ein nahestehendes privates Bankhaus", wie Speck vor einiger Zeit gegenüber manager magazin online erläuterte.

Und damit nicht genug, Speck glaubt auch den genauen Zeitpunkt sowie den Anlass für diese Eingriffe zu kennen. Im Sommer 1993 beschloss die US-Notenbank Fed, den Goldpreis gezielt zu deckeln, so seine These. "Es gab zu der Zeit eine große Inflationsgefahr", sagt er. "Der seinerzeitige Fed-Chef Alan Greenspan gab die Devise aus: Wenn der Goldpreis weiter steigt, wandelt er sich vom Inflationsindikator zum Inflationsantreiber, weil die Leute dann aus Sorge um den Geldwert ihr Verhalten ändern würden." Diese Ansicht Greenspans, so Speck, sei in Fed-Protokollen dokumentiert.

Finanzaufsicht untersucht Vorwürfe

Sollte Speck richtig liegen, wären zumindest die fünf jetzt verklagten Banken aus dem Schneider - ihnen wäre der Schwindel kaum anzulasten. Ein Sprecher der Deutschen Bank maß der Klage gegenüber Bloomberg keine große Bedeutung bei und kündigte energische Verteidigung an. Die anderen vier Institute verweigerten entweder den Kommentar oder reagierten auf Anfragen gar nicht erst.

Dabei ist die Klage in New York nicht das einzige Problem der Banken in Sachen Goldpreis. Sowohl die Finanzaufsicht in London als auch die Bafin hierzulande gehen dem Verdacht unerlaubter Markteingriffe gegen die fünf Banken bereits nach. Nicht zuletzt aus dem Grund hatte die Deutsche Bank jüngst bereits bekannt gegeben, sich aus dem Londoner Gold-Fixing zurückziehen zu wollen.

Zudem gibt es weitere Hinweise aus jüngerer Zeit auf Unregelmäßigkeiten. Die Londoner Analysefirma Fideres etwa hatte bei der Untersuchung der Gold-Charts der Jahre 2010 bis 2013 ebenfalls auffällige Bewegungen zum Zeitpunkt des Londoner Fixings bemerkt.

Die New Yorker Professorin Rosa Abrantes-Metz kam zudem zum gleichen Ergebnis: Eine noch unveröffentlichte Untersuchung der Expertin von der renommierten Stern School of Business der Uni New York legt ebenfalls den Schluss nahe, dass der Goldpreis vom traditionellen Londoner Fixing über mehr als ein Jahrzehnt manipuliert wurde.

Dabei hat gerade das Urteil der US-Wissenschaftlerin Abrantes-Merz in Fachkreisen großes Gewicht. Denn sie hatte vor einigen Jahren bereits maßgeblichen Anteil daran, dass die Manipulation des Geldmarktzinses Libor durch Banken aufgedeckt werden konnte.

cr

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung