Goldman Sachs und Blackrock warnen "Die meisten Aktien meiden"

Die Profianleger halten Aktien in den kommenden Monaten für zu riskant. Sie warnen vor weiteren Turbulenzen an den Börsen und höheren Rezessionsrisiken.
Harte Tage: Händler an der New York Stock Exchange in diesem September

Harte Tage: Händler an der New York Stock Exchange in diesem September

Foto: Julia Nikhinson / AP

Dieser Artikel gehört zum Angebot von manager-magazin+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Die führende Investmentbank der Welt und der weltgrößte Vermögensverwalter warnen vor der Anlage in Aktien. Goldman Sachs und Blackrock wiesen am Montag unabhängig voneinander auf die kurzfristig hohen Risiken an den Börsen hin, weil die Märkte das Risiko einer globalen Rezession noch nicht eingepreist hätten.

Die Wall-Street-Firma Blackrock, die über ihre Fonds und Indexfonds insgesamt Vermögen im Wert von zehn Billionen US-Dollar verwaltet, riet der Kundschaft  "die meisten Aktien zu meiden". Die eigenen Anlagestrategen würden Aktien aus Industriestaaten untergewichten und kurzfristig Kredite bevorzugen.

Ähnlich sehen es die Profis der US-Investmentbank Goldman Sachs. Das Jahresziel für die Aktienmärkte in den USA und Europa hatten die eigenen Analysten erst in der vergangenen Woche deutlich gesenkt. Für die kommenden drei Monate senkten die Strategen das Ziel für Global Equities nun auf "underweight". Stattdessen würde man Barmittel bevorzugen und den Anteil der Cashreserven erhöhen. Das derzeitige Niveau der Aktienbewertungen spiegele die Risiken möglicherweise noch nicht vollständig wider, schrieben die Analysten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg  in einer Notiz. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession schätzen sie nach dem jüngsten Ausverkauf von Anleihen auf mehr als 40 Prozent gestiegen, "was historisch gesehen auf ein erhöhtes Aktienrisiko" hinweise.

Die Aktienmärkte stehen seit Wochen unter Druck. Der deutsche Leitindex Dax hat in diesem Jahr rund 23 Prozent seines Werts verloren und startete abermals mit Verlusten in die Woche. Ähnlich die US-Aktienmärkte. Der Dow Jones fiel auf ein neues Jahrestief, insgesamt hat er in diesem Jahr ein Fünftel seines Werts verloren. Parallel beobachten Investoren historische Verwerfungen an den Anleihemärkten. Und die Notenbanken, die seit Monaten mit rapiden Zinserhöhungen versuchen, die hohen Inflationsraten zu bremsen, haben bereits weitere Zinsschritte angekündigt.

Man erwarte kein "soft landing", keine weiche Landung, analysieren die Strategen des Blackrock Investment Institute. Ein Szenario, nachdem die Inflation sich rasch auf einem Normalniveau einpendelt, ohne die Wirtschaft in die Krise zu stürzen, erscheint demnach unwahrscheinlich. Die Folge für die Aktienmärkte: "mehr Volatilität und Druck auf Risikoanlagen".

Die Goldman-Analysten beschreiben in ihrem Report sogar das Ende einer Ära. Die Tage des sogenannten TINA-Mantras – die Kurzform für "There Is No Alternative" – seien vorbei; aufgrund der globalen Null-Zins-Politik und niedriger Anleiherenditen seien Aktieninvestments über Jahre alternativlos gewesen. Nun aber stünden die Anlegerinnen und Anleger am Beginn einer TARA-Epoche ("There Are Reasonable Alternatives"): Anleihen würden inzwischen wieder attraktiv erscheinen.

lhy mit Agenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.