Anlegen in Gold, Silber, Platin und Co. Was Anleger über Edelmetall-Investments wissen sollten

Goldmünze mit Känguruh: Die Preise vieler Edelmetalle sind zuletzt gestiegen - wie können Anleger davon profitieren?

Goldmünze mit Känguruh: Die Preise vieler Edelmetalle sind zuletzt gestiegen - wie können Anleger davon profitieren?

Foto: Sven Hoppe / DPA

Wer sich als Anleger die Edelmetalle anschaut, kann schon ins Schwärmen kommen: Gold und Silber haben auf Jahressicht um 10 bis 20 Prozent zugelegt, Platin  ebenfalls. Mit exotischeren Metallen, die nicht in erster Linie als Investment oder Schmuck genutzt werden, sondern auch in der Industrie, ging es zum Teil noch deutlich rasanter nach oben.

Beispiel Palladium : Das Weißmetall wird in der Autoindustrie verwendet. Immer schärfere Emissionsstandards weltweit haben die Nachfrage offenbar angekurbelt. Zudem sind Spekulanten auf den Markt aufmerksam geworden. Die Folge: Der Preis stieg allein in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 60 Prozent. Noch extremer war die Entwicklung bei Rhodium. Dessen Preis hat seit Anfang vergangenen Jahres um mehr als 300 Prozent zugelegt und notiert inzwischen in der Nähe seines Allzeithochs.

Anleger können da große Augen bekommen - und nach Möglichkeiten suchen, von solchen Preisentwicklungen zu profitieren. "Gold ist die ultimative Krisenwährung, wohingegen Platin und Palladium unter anderem in der Produktion für Autokatalysatoren benutzt werden und Silber in vielen Bereichen der Industrie zum Einsatz kommt", so Constantin Bolz vom Vermögensverwalter Portfolio Concept in Köln. "Sprich: Es gibt Edelmetalle, die hoch gehen, wenn es in der Wirtschaft bergab geht, und welche, die hoch gehen, wenn die Wirtschaft floriert."

Grundsätzlich gilt der Rückblick auf eine ansehnliche Wertentwicklung in der Geldanlage allerdings kaum als guter Hinweis auf einen idealen Einstiegszeitpunkt. Schließlich steigt kaum ein Wert endlos, irgendwann kommt es meist zu einer Korrektur oder gar einer Trendumkehr.

Bei vielen Edelmetallen dürfte gegenwärtig also Vorsicht geboten sein. Andererseits lassen sich auch Argumente für weiter steigende Preise finden. Unsicherheiten in der Weltpolitik wie der nach wie vor schwelende Handelskonflikt der USA mit China und der Europäischen Union etwa könnten die Nachfrage nach Gold  und Silber  auch in den kommenden Monaten stützen. Die treibenden Kräfte, die die Preise der Industriemetalle in den vergangenen Monaten haben steigen lassen, lösen sich vermutlich ebenfalls nicht von heute auf morgen auf. Führende Edelmetallunternehmen wie Degussa oder Heraeus haben nicht zuletzt vor dem Hintergrund in diesen Tagen ziemlich optimistische Prognosen für die Preisentwicklung im Jahr 2020 abgegeben.

"Das Niedrigzinsniveau sorgt dafür, dass Edelmetalle wegen fehlender Anlagealternativen für Anleger spannend bleiben", sagt auch Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH. Und Carsten Garbers, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Böker & Paul in Montabaur, sagt: "Gold besitzt ganz andere Werttreiber-Potenziale als die klassischen Anlageformen Aktien und Renten und genau dieser Fakt macht Gold so attraktiv."

Aber wie bekommen Anleger Edelmetalle, noch dazu zusätzliche zum üblichen Gold oder Silber, am besten in ihre Depots? Ein genauer Blick zeigt: Möglichkeiten gibt es einige - doch sie alle haben nicht zu übersehende Nachteile.

"Banken lassen sich teuer bezahlen"

"Der wichtigste Punkt bei der Anlage in Edelmetalle ist das Verständnis dafür, dass diese nicht wie andere Geldanlagen einen echten Mehrwert erwirtschaften", stellt Dominik Noizet vom Vermögensverwalter Global Finanz in Stuttgart klar. "Bei Rentenpapieren zahlt der Emittent einen Zinskupon, bei Aktien wird in der Regel eine Dividende ausgeschüttet." Bei Edelmetallen dagegen bestehe eine mögliche Rendite ausschließlich aus einem steigenden Handelspreis, so Noizet; "Vereinfacht gesagt, Gold bekommt keine Jungen."

Und das ist längst nicht der einzige Haken, dessen sich Investoren bewusst sein sollten. Beispiel Direktkauf: Vermögensverwalter raten grundsätzlich dazu, dem Edelmetallbereich nicht mehr als 10 oder 20 Prozent im Portfolio einzuräumen. Wer dabei allerdings auch exotische Werte wie Rhodium berücksichtigen will, kann beim Kauf von Münzen und Barren schnell an Grenzen stoßen. Zur Orientierung: Die kleinste Einheit, in der beispielsweise das Handelshaus Degussa zurzeit Rhodium verkauft, ist in Form von 1-Unzen-Barren, und zwar zu einem Preis von rund 9500 Euro das Stück. Wohlgemerkt: Ein Anleger müsste, um einen geeigneten Mix zu erhalten, zudem noch entsprechende Mengen an Gold, Silber, Platin, Palladium und gegebenenfalls weiterer Metalle erwerben. Von den zudem anfallenden Kosten für die Lagerung und Versicherung ganz zu schweigen.

Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf, sieht den Direktkauf nicht zuletzt deshalb eher kritisch. "Beim Kauf von Goldmünzen oder Goldbarren fallen teilweise hohe Gebühren an und man muss das Gold auch irgendwo lagern", sagt er. "Für die physische Hinterlegung kommen nur ganz wenig Banken in Betracht, die sich das teuer bezahlen lassen."

Der bessere Weg scheint daher in vielen Fällen das indirekte Investment zu sein, also die Anlage in Edelmetalle via Investmentfonds, Exchange Trades Fonds (ETFs) beziehungsweise Commodities (ETCs), Zertifikaten oder sogenannte Edelmetalldepots.

Wie ist es also etwa mit Investmentfonds? Anlageprodukte wie der "Stabilitas Silber + Weißmetalle", der vom Stabilitas-Experten Siegel gemanagt wird, haben sich in den vergangenen Monaten mitunter gut entwickelt. Auch sie profitieren vom Preisaufschwung bei Palladium, Rhodium und anderen Metallen. Anleger sollten sich allerdings darüber im klaren sein, dass diese Fonds nicht direkt in die Rohstoffe investieren, sondern in die Aktien der Minengesellschaften, die sie aus dem Boden holen. Diese Aktien weisen erfahrungsgemäß einen Hebel auf die Metallpreise auf, der nach oben ebenso wie nach unten wirken kann.

Vor allem aber unterliegen die Aktienkurse der Minengesellschaften weiteren Einflussfaktoren, wie sie stets an der Börse wirken. Dazu zählt die Leistung des Unternehmensmanagements ebenso wie die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, geopolitische Spannungen sowie die Psychologie der Anleger (Stichwort beispielsweise: Sorgen wegen des Coronavirus). Die Minenaktien können sich daher im Gleichschritt mit den Edelmetallpreisen entwickeln - sie können im Einzelfall aber auch eine völlig andere Richtung einschlagen.

Hinzu kommt: Selbstverständlich ist es ein Vorteil für jeden Laien, einen Experten an seiner Seite zu haben, in diesem Fall idealerweise in Gestalt eines guten Fondsmanagers. Denn Investments in einen Sektor wie Edelmetalle oder Edelmetallaktien erfordern viel Fachwissen erfordert. Die Leistung des Fondsmanagers hat allerdings auch ihren Preis. Der lässt sich an den oft nicht eben bescheidenen Kostensätzen ablesen, die Investmentfonds auch im Edelmetallbereich gerne berechnen.

Was hilft gegen den "Systemcrash"?

Beim Thema Kosten rücken unmittelbar ETFs sowie ETCs in den Fokus. Diese passiv, also ohne regelmäßige individuelle Managemententscheidungen investierenden Produkte werden auch mit dem Schwerpunkt Edelmetalle angeboten - und das zu deutlich geringeren Kosten als bei den aktiv gemanagten Investmentfonds. Der Vorteil zudem: Solche passiv verwalteten Fonds folgen den Edelmetallpreisen nicht unbedingt auf dem Umweg über Aktienkurse von Minenfirmen. Es gibt sie vielmehr auch mit direktem Bezug zu den Rohstoffpreisen, wie beispielsweise das von der Deutschen Börse emittierte Xetra Gold (das allerdings, wie der Name schon sagt, ausschließlich den Goldpreis abbildet).

Auch bei diesen Anlagevehikeln müssen Investoren allerdings die Augen offen halten. Zum einen kaufen nur die "physisch replizierenden" Fonds auch wirklich, was dem Anleger dem Produktnamen nach suggeriert wird. "Synthetisch replizierende" Produkte dagegen investieren nicht in Edelmetalle, sie bilden deren Preisentwicklung vielmehr lediglich ab. Zugrunde liegen solchen Fonds häufig Swap-Geschäfte der Anbieter mit anderen Finanzunternehmen. Das heißt: Letztere bieten eine geringere Transparenz und bergen - wie übrigens auch Zertifikate auf Edelmetallpreise - stets das Risiko eines Ausfalls des jeweiligen Emittenten.

Und auch bei physisch replizierenden Fonds wie Xetra Gold, die den Gegenwert der Anlegergelder in Form von Rohstoffbeständen in Safes liegen haben, bleibt immer noch ein kleines Fragezeichen: Investoren, die in Gold und andere Edelmetalle investieren, tun dies nicht selten auch als Absicherung gegen einen möglichen "Systemcrash" oder ein ähnliches Untergangsszenario. Aber sollte es tatsächlich zu so etwas kommen: Werden die Goldbestände dann wirklich geordnet und gerecht auf alle Beteiligten verteilt?

"Meiner Meinung nach ist vielen Anlegern nicht bewusst, welche Risiken neben der reinen Preisschwankung in solchen Produkten stecken", sagt Vermögensverwalter Noizet. "Oft entscheidet nur der Preis oder der scheinbar einfache Handel, böse Überraschungen in schweren Zeiten sind dann vorprogrammiert."

Eine etwas unmittelbarere Form des Edelmetallinvestments erscheint also möglicherweise wünschenswert, und da kommt das sogenannte Edelmetalldepot ins Spiel: Investmentunternehmen wie Solit in Wiesbaden offerieren Anlegern den Kauf individueller Mengen verschiedener Edelmetalle sowie zudem deren Einlagerung an zentraler Stelle, etwa in der Schweiz. Dabei können dem Konzept zufolge steuerliche Vorteile entstehen. Zudem wirbt beispielsweise Solit damit, zu besonders günstigen Konditionen einkaufen zu können.

Auch bei diesem Konzept gibt es allerdings eine Kehrseite: So kommen echte Spezialisten nicht unbedingt auf ihre Kosten. Im Angebot von Solit etwa befinden sich zwar Gold, Silber, Platin und Palladium, einen Rhodium-Erwerb ermöglicht das Unternehmen seiner Werbung zufolge aber nicht.

Vor allem aber sollten Interessenten bei diesen Offerten unbedingt einen Blick auf die umfangreiche Darstellung der Kosten werfen, die mit einem solchen Investment verbunden sind. Angesichts dessen dürften die Hoffnungen auf einen künftigen Wertanstieg und die damit erzielbare Rendite aus Investorensicht in vielen Fällen gleich in einem völlig anderen Licht erscheinen.

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