Mittwoch, 13. November 2019

Edelmetall gefragt Gold - die Gründe für den Preisanstieg

Aussicht auf weiteren Preisanstieg: Gold erlebt derzeit einen Aufschwung.
Armin Weigel / DPA
Aussicht auf weiteren Preisanstieg: Gold erlebt derzeit einen Aufschwung.

Geopolitische Spannungen, Notenbanken, die ihre Geldpolitik lockern, dazu noch einige weitere Preistreiber - für Goldinvestoren könnte die Welt derzeit kaum besser aussehen. Jüngster Beleg dafür: Zuletzt stieg der Goldpreis auf mehr als 1555 US-Dollar je Unze, den höchsten Stand seit April 2013. In Euro stieg der Goldpreis sogar auf ein Rekordhoch . Die Unze kostete zum Wochenbeginn zeitweise mehr als 1393 Euro, so viel wie noch nie.

Und einiges spricht dafür, dass der Preis auch in nächster Zeit weiter steigen kann. Hier die aktuell wichtigsten Treiber für den Goldpreis im Detail:

Als Ursache für den Preisschub gelten Aussagen der US-Notenbank Fed. Demnach belässt die Fed ihren Leitzins zwar derzeit noch bei 2,25 bis 2,5 Prozent. Die Aussichten für die Konjunktur hätten sich jedoch verschlechtert, so die Währungshüter. Sie öffneten damit die Tür für eine Zinssenkung in nächster Zeit. Am Finanzmarkt wird ein solcher Schritt ohnehin längst erwartet, dennoch dürfte dieses deutliche Zeichen den Goldpreis in Bewegung versetzt haben.

Lockere Geldpolitik, niedrige Zinsen

Denn: Sinkt in den USA das Zinsniveau, so gerät in der Regel auch der Dollar unter Druck, weil der Dollarraum insgesamt weniger Geld von Investoren aus aller Welt anlockt. Gold allerdings gewinnt durch die Schwäche des Dollars an Attraktivität für Investoren außerhalb des US-Währungsraums. Für sie wird das Edelmetall automatisch günstiger, was die Nachfrage ankurbelt und den Goldpreis in die Höhe treiben kann.

So stieg der Goldpreis um beinahe 20 Prozent, als 2007 und 2008 die US-Zinsen auf Talfahrt gingen, wie Bloomberg vorrechnet. Bis 2011 verdoppelte sich der Preis sogar auf ein Rekordhoch jenseits von 1920 Dollar je Unze, während die Fed Anleihen kaufte und die Zinsen weiter niedrig hielt, um nach der Wirtschaftskrise die US-Konjunktur zu stützen.

Der Haken an der Sache ist nur: Ein aufgrund des schwachen Dollars gestiegener Goldpreis sorgt im Depot von Investoren außerhalb des Dollarraums keineswegs im gleichen Maße für Gewinne wie in den USA. Denn zumindest ein Teil der Preisgewinne beim Edelmetall werden durch die Verluste des Dollar wieder aufgefressen.

Dass die lockere Geldpolitik der Fed dennoch eine gute Nachricht für Goldanleger ist, hat noch einen weiteren Grund: Gold Börsen-Chart zeigen, das keine Zinsen abwirft, befindet sich am Kapitalmarkt in Konkurrenz zu Anleihen und anderen Zinspapieren. Je geringer deren Rendite, desto besser steht das Edelmetall im Vergleich da. So rutschte die Rendite US-amerikanischer Staatsanleihen am Mittwoch parallel zum Goldpreisanstieg deutlich ab.

Erfreulich also für Goldfans, dass angesichts unsicherer Konjunkturaussichten nicht nur die Fed ihre Geldpolitik lockert. Auch die Europäische Zentralbank gab jüngst zu erkennen, dass der Geldhahn vorläufig weit geöffnet bleibt. In Australien und Neuseeland sind Zinssenkungen bereits erfolgt. Und auch in Japan wird Bloomberg zufolge erwartet, dass die Notenbank ihren Willen zur Unterstützung der Wirtschaft bald bekräftigt.

Gold wird traditionell den "sicheren Häfen" am Kapitalmarkt zugerechnet, die Investoren ansteuern, sobald es an den Finanzmärkten oder in der Weltpolitik unruhig wird. Auch von dieser Seite gibt es derzeit Unterstützung für den Preis.

Auf der einen Seite verunsichert nach wie vor der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Finanzmarktakteure. Gerade in den vergangenen Tagen ist der Konflikt mit neuen Zollankündigungen von beiden Seiten auf Waren im Milliardenwert neu entflammt. Die Streitigkeiten laufen inzwischen seit mehr als einem Jahr, und ein Großteil des Anstiegs, den der Goldpreis in den vergangenen Monaten bereits erlebt hat, dürfte darauf zurückzuführen sein. Seit Herbst vergangenen Jahres hat sich das Edelmetall um beinahe 20 Prozent verteuert.

Zusätzliche Unruhe geht inzwischen von den Spannungen zwischen den USA und Iran aus. Der Konflikt erreichte am Mittwoch einen neuen Höhepunkt, als der Iran bekanntgab, eine US-amerikanische Drohne abgeschossen zu haben. Möglich, dass auch dies zum Goldpreissprung des Tages beigetragen hat.

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