Montag, 21. Oktober 2019

Riesige Mittelzuflüsse Verunsicherte Investoren bescheren Goldfonds Rekorde

Begehrte Ware: Anleger stecken seit Wochen viel Geld in den Goldmarkt.
Pascal Lauener/ REUTERS
Begehrte Ware: Anleger stecken seit Wochen viel Geld in den Goldmarkt.

Nach einer regelrechten Rallye in der ersten Jahreshälfte ist dem Goldpreis Börsen-Chart zeigen zuletzt ein wenig die Puste ausgegangen. Seit einigen Wochen bewegt sich das Edelmetall auf der Preisskala unter starken Schwankungen bestenfalls seitwärts. Geht es nach Investoren weltweit, dann sollte der Preis jedoch in nächster Zeit weiter steigen - sie haben zuletzt massiv in Gold investiert.

So berichtet die Finanzinformationsplattform Bloomberg, dass Anleger die Bestände von Gold-Indexfonds (ETFs) zuletzt 17 Tage in Folge vergrößert haben - die längste Folge ununterbrochener Zuflüsse seit 2009. Hinzu kommen Zahlen der Branchenvereinigung World Gold Council (WGC). Demnach verzeichneten Gold-ETFs und ähnliche Produkte im September weltweit Nettozuflüsse in Höhe von 3,9 Milliarden Dollar. Die Goldbestände der Fonds stiegen dadurch um 75,2 Tonnen auf insgesamt 2808 Tonnen, so der WGC - das ist der größte Goldbesitz, den die Fonds überhaupt jemals hatten. Auch die bisherigen Höchststände von 2012 wurden damit getoppt, so der WGC. Seinerzeit stand der Goldpreis bei 1700 Dollar je Unze, etwa 18 Prozent höher als derzeit.

Wohlgemerkt: Die jüngsten Zuflüsse von Seiten der Investoren erfolgten, während es mit dem Goldpreis unterm Strich abwärts ging. Kostete eine Unze des Edelmetalls Anfang September noch rund 1520 Dollar, so waren es Ende des Monats nur noch 1470 Dollar - ein Rückgang um mehr als 3 Prozent. Inzwischen hat sich der Preis wieder auf 1508 Dollar je Unze erholt, womit Gold seit Beginn des Jahres um beachtliche 18 Prozent im Plus liegt.

Investoren gehen also offenbar in großer Zahl davon aus, dass es künftig weiter aufwärts geht mit dem Goldpreis. Die Gründe, die dafür sprechen, sollen im Wesentlichen die gleichen, sein, die dem Goldpreis auch in den vergangenen Monaten Auftrieb verliehen haben, wie etwa die Schweizer Bank UBS in einem aktuellen Report schreibt. Demnach sprechen momentan vor allem vier Punkte für Gold:

Konjunkturschwäche: Laut UBS sinkt das Weltwirtschaftswachstum im kommenden Jahr auf 3 Prozent, den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise. Zwar geht die Bank nicht von einer Rezession in den USA aus. Jüngste Konjunkturdaten hätten die Bedenken jedoch erneut vergrößert. Insgesamt spreche diese Situation für Investments in "sichere Häfen", so die UBS. Zu diesen als zuverlässig betrachteten Geldanlagen wird bekanntlich auch Gold gerechnet.

Zinspolitik: Die US-Notenbank Fed sowie andere Zentralbanken haben angesichts der schwächeren Konjunktur bereits begonnen, ihre Geldpolitik zu lockern. Das daraus resultierende niedrige Zinsniveau spricht ebenfalls für einen stabilen bis steigenden Goldpreis, denn das Edelmetall gewinnt bei niedrigen Zinsen an relativer Attraktivität am Anlagemarkt.

Zentralbankkäufe: Weltweit kaufen verschiedene Zentralbanken seit einiger Zeit Gold, um ihre Reserven unabhängiger vom US-Dollar zu machen. Laut UBS wird sich dieser Trend in nächster Zeit fortsetzen, was der Bank zufolge ebenfalls den Goldpreis stützen dürfte. Die People's Bank of China (PBoC) habe beispielsweise im September 5,9 Tonnen Gold erworben, so die UBS. Seit vergangenem Dezember summieren sich die Käufe allein der Chinesen damit auf mehr als 100 Tonnen, so die Schweizer Bank.

Handelskonflikt: Der Handelsstreit zwischen den USA und China köchelt weiter vor sich hin. Insbesondere angesichts des beginnenden Präsidentschaftswahlkampfs in den USA und des zunehmenden Drucks, der in der Ukraine-Affäre auf US-Präsident Donald Trump lastet, dürfte auch künftig mit immer wiederkehrenden Eskalationen bei diesem Thema zu rechnen sein. Laut UBS dürfte dies weiterhin das Interesse an als sicher geltenden Anlagen aufrechterhalten. Zudem könnte die PBoC dadurch motiviert sein, zusätzlich am Goldmarkt als Käufer aktiv zu werden.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Was die UBS in ihrem Report nicht erwähnt: Auch der kommende Brexit sorgt bereits für erhebliche Zuflüsse am Goldmarkt. Offenbar sind viele Anleger in Großbritannien angesichts der nach wie vor ungeklärten Konditionen zum Ausstieg der Briten aus der EU verunsichert. Laut WGC legten in Europa insbesondere die Bestände der Gold-ETFs in Großbritannien zu. Allein 60 Prozent der Zuflüsse auf dem Kontinent entfielen dem Verband zufolge 2019 bislang auf das Vereinigte Königreich.

Planmäßig soll der Brexit Ende Oktober über die Bühne gehen. Bis dahin ist also wohl noch mit weiterer Verunsicherung bei britischen Anlegern zu rechnen - mindestens.

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