Krisenfeste Vermögensanlage So schützt Gold Ihr Geld vor der Inflation

Angesichts von Börsenturbulenzen und hohen Inflationsraten ist die Nachfrage nach Goldinvestments groß. Das Edelmetall blieb den Beleg für seine Krisenqualitäten zuletzt schuldig – doch für Anleger zählt etwas anderes.
Glanz im Depot: Gold gilt als Vermögensabsicherung gegen Inflation

Glanz im Depot: Gold gilt als Vermögensabsicherung gegen Inflation

Foto: A9999 Db Heraeus/ dpa

Auf die Reflexe von Geldanlegern ist Verlass. Kaum wird es turbulent an den Finanzmärkten, wenden sie sich den "sicheren Häfen" zu. Insbesondere Gold ist dann in der Regel ein gesuchtes Investment - so auch momentan. Der langjährige Aufwärtstrend an den Börsen ist zuletzt ins Stocken geraten. Die Omikron-Welle der Corona-Pandemie, Lieferengpässe in vielen Branchen, dazu steigende Inflationsraten sowie Notenbanken, die plötzlich über höhere Zinsen nachdenken, all das macht Investoren nervös. Aktien liegen derzeit deshalb nicht unbedingt im Trend.

Gold dagegen ist gefragt. Exchange Traded Funds (ETFs) auf Gold etwa, so informiert der World Gold Council (WGC), verzeichneten im Januar weltweit Nettozuflüsse in Höhe von insgesamt 2,7 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Menge von 46 Tonnen des Edelmetalls und war der stärkste Mittelzuwachs seit Mai 2021. Zudem berichtet die Branchenvereinigung von starker Nachfrage nach physischem Gold vor allem in China und den USA . Bereits zum Jahreswechsel hatte die Meldung die Runde gemacht, dass auch hierzulande das Interesse an der bekannten Goldmünze Krügerrand so groß ist wie lange nicht.

Vor allem die gestiegenen Inflationsraten dürften Investoren zum Gold treiben. Denn das Edelmetall genießt seit eh und je einen Ruf als guter Schutz des Vermögens vor der Geldentwertung. In der Euro-Zone stieg die Inflationsrate zuletzt auf 5,1 Prozent. In den USA beträgt sie bereits 7 Prozent. Solche Preissteigerungsraten haben Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Sparerinnen und Sparer seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt.

Doch hilft Gold tatsächlich, Vermögensverluste durch Inflation zu vermeiden? Die jüngste Preisentwicklung des Edelmetalls kann Zweifel aufkommen lassen. Im Januar etwa trat der Goldpreis, der aktuell etwas mehr als 1800 Dollar je Unze beträgt, unter dem Strich mehr oder weniger auf der Stelle. Ähnliches gilt rückblickend für das Gesamtjahr 2021: Der Goldpreis schwankte im Laufe des Jahres erheblich. Letztlich konnte von einem Preisanstieg in Höhe der Inflationsrate jedoch nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Der Goldpreis gab 2021 sogar leicht nach.

Die These vom Inflationsschutz durch Gold ist dadurch allerdings wohl noch nicht entkräftet. Dafür reicht die Betrachtung eines einzelnen Jahres kaum aus. Eher schon der Blick aus der Vogelperspektive.

Der World Gold Council etwa verweist auf den Zeitraum seit Anfang der 1970er-Jahre, als das Bretton-Woods-System endete und die Bindung des US-Dollars an das Edelmetall aufgelöst wurde. Der Goldpreis in Dollar sei seither im Schnitt um 11 Prozent pro Jahr gestiegen, so der WGC. Damit habe Gold nicht nur zahlreiche Papierwährungen wie Dollar, Euro oder Yen in den Schatten gestellt. Das Edelmetall performte auch besser als viele Assetklassen. Und vor allem: Die Wertentwicklung liegt während der langen Zeit im Schnitt auch über den Inflationsraten in den USA sowie weltweit.

"Langfristig hat Gold die Kaufkraft erhalten", fasst es Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer beim Investmenthaus Stabilitas, zusammen. "Da der Goldpreis seit 1968 frei schwankt und spekulativem Anlegerinteresse unterliegt, erhöht er sich nicht exakt parallel zum Kaufkraftverlust des Papiergelds, sondern schwankt um den Kaufkraftverlust herum. Dabei läuft der Goldpreis dem Kaufkraftverlust manchmal vorweg und manchmal hinterher."

Ähnlich sieht es Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel. Die Güterpreisinflation, also das fortgesetzte Ansteigen der Preise von Gütern und Produkten auf breiter Front – sei ein monetäres Phänomen, erläutert er. Es werde verursacht durch die Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbanken und Geschäftsbanken. "Anders als bei den heutigen ungedeckten Währungen lässt sich die Goldmenge nicht durch politische Willkürakte vermehren", sagt Polleit. "Die Kaufkraft des Goldes lässt sich daher auch nicht durch die Geldpolitik herabsetzen."

Als Beleg verweist Polleit auf verschiedene Zeiträume in der Vergangenheit, während derer das Edelmetall seine Qualität unter Beweis gestellt habe. So zum Beispiel in den 1920er-Jahren, zu Zeiten der Hyperinflation hierzulande. "1871 entsprachen 4,20 deutsche Mark einem goldgedeckten US-Dollar, und eine Feinunze Gold entsprach 20,67 US-Dollar", sagt Polleit. "Im November 1923, im Hochpunkt der deutschen Hyperinflation, musste man letztlich 4,2 Billionen Mark für einen US-Dollar beziehungsweise eine Feinunze Gold zahlen. Das Gold war also zu der Zeit ein Inflationsschutz."

Polleits zweites Beispiel: Ende 1971 bis Januar 1980 sei der Goldpreis von 43 Dollar je Unze auf mehr als 800 Dollar je Unze gestiegen – ein Plus von 1760 Prozent also. "Die US-Konsumgüterpreise stiegen in dieser Zeit insgesamt um 96 Prozent", sagt der Volkswirt.

Investoren beäugen Notenbanken

Aktuell stellen Investoren allerdings fest: Der Blick auf die Inflationsraten allein genügt kaum. Entscheidend ist vielmehr auch, wie Notenbanken darauf reagieren. Mit ihrer Geldpolitik beeinflussen die Zentralbanker das Zinsniveau und die Wechselkurse – beides ebenfalls wichtige Einflussgrößen für den Goldpreis.

Das zeigte sich beispielsweise im Januar dieses Jahres. Der Goldpreis begann den Monat mit ordentlichen Zugewinnen, beeinflusst offenbar durch die starken Turbulenzen an den Aktienmärkten. Am 26. Januar jedoch äußerte sich die US-Notenbank Fed zu ihrer künftigen Geldpolitik – und ließ schärfere Eingriffe erwarten als zuvor gedacht. Folge: Mit dem Goldpreis ging es daraufhin steil abwärts.

Die Logik dahinter: Steigt die Inflation, so greifen Investoren zu Gold, um ihr Vermögen gegen mögliche Verluste zu schützen. Zugleich beginnen jedoch auch Notenbanken, mit Zinserhöhungen gegen die Preisentwicklung vorzugehen. Steigende Zinsen wiederum belasten tendenziell den Goldpreis, denn durch sie werden Zinsanlagen als Alternative attraktiver. Besonders schmerzhaft ist dabei – wie momentan zu beobachten – ein Zinsanstieg in den USA. Denn dieser stärkt zudem auch den US-Dollar – und verteuert damit Gold für Käufer aus dem Nicht-Dollar-Raum. Dass Gold steigt, wenn der Dollar fällt und umgekehrt, gilt als Faustregel am Goldmarkt.

Realzinsen sind entscheidend

Fakt ist allerdings auch, dass die Zinsen momentan zwar allmählich steigen. Noch befinden sie sich aber auf einem historisch niedrigen Niveau, weit unterhalb der Inflationsraten. Das heißt: Die Realzinsen sind vielfach negativ, Anleger erleiden also mit Zinsanlagen derzeit nach wie vor Vermögensverluste. Von attraktiven Alternativen zum Goldinvestment kann daher derzeit noch kaum die Rede sein.

Wie wirkungsvoll der Inflationsschutz von Gold ist, hängt zudem davon ab, wie hoch die Inflation ausfällt, sagt Degussa-Volkswirt Polleit. "Bei einer Inflation von, sagen wir, 2 bis 4 Prozent bewahrt das Gold in der Regel den Anleger zwar vor dem Kaufkraftverlust des offiziellen Geldes. Aber beispielsweise erzielen dann Aktienanlagen nicht selten höhere Renditen, sind also ein vergleichsweise besserer Inflationsschutz." (Lesen Sie hier, was Sie über Aktien als Schutz gegen die Inflation wissen sollten.) 

Bei höherer Inflation dagegen, vor allem bei Hoch- und Hyperinflation, sieht es anders aus. Dann gehen Unternehmen reihenweise Pleite, und auch Besitzer von vermieteten Immobilien haben das Nachsehen, so Polleit. Physisches Gold bewähre sich jedoch in diesen Zeiten nicht selten als "einer der letzten sicheren Häfen".

Auch diese Aussage deckt sich mit Zahlen vom WGC . Demnach stieg der Goldpreis in Jahren mit Inflationsraten von mehr als 3 Prozent um durchschnittlich 14 Prozent pro Jahr, noch stärker also, als ohnehin schon im langjährigen Schnitt. Je höher die Inflation, desto stärker der Goldpreisanstieg, so der Branchenverband. Gold habe das Vermögen daher über die Jahre nicht nur geschützt, sondern sogar geholfen, es zu vermehren.

Bleibt die Frage, wie sich der Goldpreis angesichts der gestiegenen Inflation und der zu erwartenden Notenbank-Entscheidungen künftig entwickeln wird. "Der Goldpreis befindet sich auf einem langfristigen Aufwärtstrend", sagt Experte Polleit. "Zudem halte ich den Goldpreis bei 1800 Dollar je Unze für deutlich unterbewertet. Es stellt aus meiner Sicht derzeit eine attraktive Versicherungsoption dar mit erheblichem Preissteigerungspotential."

Auch Edelmetallfachmann Siegel ist zuversichtlich, dass es weiter aufwärtsgehen wird. "Ich erwarte einen starken Anstieg des Goldpreises", sagt er. "Seit Mitte 2020 bleibt der Goldpreis hinter der Geldvermehrung zurück und baut damit Nachholpotenzial auf. Die Zinswende sollte den Goldpreisanstieg dabei noch wesentlich beschleunigen, da die Anleihen bei steigenden Zinsen wegen fallender Kurse unter Druck geraten werden und die Anleger diese Märkte verlassen müssen, um Kursverlusten auszuweichen." Frei werdende Gelder sollten zum Teil auch in die Edelmetalle investiert werden, hofft Siegel. Er legt sich daher auf ein recht ambitioniertes Ziel fest: "Mein vorläufiges Goldpreisziel liegt bei 2300 bis 2500 Dollar je Unze."

cr