Donnerstag, 22. August 2019

Edelmetall gefragt wie lange nicht Preisrally lockt zum Goldkauf - doch dies sind die Nachteile

Goldbarren und -münzen: Der Kauf des Edelmetalls liegt aktuell im Trend - doch es gibt Nachteile
Armin Weigel / DPA
Goldbarren und -münzen: Der Kauf des Edelmetalls liegt aktuell im Trend - doch es gibt Nachteile

Handelsstreit zwischen USA und China sowie EU, chaotischer Brexit, Konjunkturschwäche bis hin zu drohender Rezession - am Finanzmarkt ziehen derzeit immer dunklere Wolken auf. Kein Wunder, dass Investoren nervös werden und beispielsweise am Aktienmarkt mehrheitlich das Weite suchen. Dax Börsen-Chart zeigen, Dow Jones Börsen-Chart zeigen und andere wichtige Indizes befinden sich rund um den Globus seit Monaten in heftigen Turbulenzen - und inzwischen seit einigen Wochen auf Talfahrt.

Erfreuliche Zeiten sind dies lediglich für Geldanlagen, die als sicher gelten - wie beispielsweise Gold Börsen-Chart zeigen. Der Preis des Edelmetalls ist in den vergangenen Monaten stetig angestiegen. Inzwischen kostet Gold Börsen-Chart zeigen wieder mehr als 1500 Dollar je Unze, so viel wie seit Anfang 2013 nicht mehr.

Der Reiz des Goldes gerade in unsicheren Zeiten kommt nicht von ungefähr: Das Metall ist per se nur begrenzt verfügbar und verspricht allein deshalb einen bleibenden Wert. Zudem vermittelt es Goldkäufern wohl ein Gefühl von Sicherheit, einen Barren oder ein paar Goldmünzen in Händen zu halten, in einer Welt, in der sich Finanztransaktionen oft nur noch am Bildschirm abspielen, während zugleich Berichte von Hackern und Cyber-Kriminalität die Runde machen, und während die vergangene Weltfinanzkrise den meisten noch gut in Erinnerung ist. Gold gilt vor dem Hintergrund als krisenfest und zudem als probater Schutz vor einer möglichen Inflation.

Allerdings sollten Goldkäufer nicht aus den Augen verlieren, dass das Edelmetall im Vergleich zu anderen Geldanlagen auch Nachteile mit sich bringt, die beispielsweise die Verbraucherzentrale Hessen übersichtlich zusammengefasst hat:

1. Der Goldkauf ist kostspielig

Nicht nur Gold selbst kann im Vergleich zu anderen Materialien als teuer bezeichnet werden. Auch der Kauf von Barren oder Münzen an sich bringt zum Teil nicht unerhebliche Kosten mit sich. Ein Blick auf die Internetseiten von Goldhändlern zeigt bereits, dass es eine teils erhebliche Spanne zwischen Kauf und Verkauf gibt. Wer beispielsweise aktuell einen 100-Gramm-Barren kauft, zahlt dafür in der Regel zwischen 4400 und 4500 Euro. Verkauft er ihn am nächsten Tag einem Händler zurück, so erhält er dafür meist lediglich etwas mehr als 4300 Euro. Selbstverständlich erwirbt kaum jemand Gold für einen so kurzen Zeitraum. Wer am Goldmarkt zugreift, sollte aber wissen, dass diese Handelsspannen existieren, gleichgültig, wie sich in der Zwischenzeit der Preis entwickelt.

Was vor allem private Kleinanleger wissen sollten: Je weniger Goldstücke jemand erwirbt, desto teurer ist dies. Zehn Barren à 100 Gramm beispielsweise kosten signifikant mehr als ein Barren à 1000 Gramm.

2. Kostspielige Aufbewahrung

Jeder Goldbesitz, der eine gewisse Größe erreicht, sollte kaum daheim im Schubfach gelagert werden. Erforderlich ist entweder ein Tresor oder ein Schließfach bei der Bank, was beides mit Kosten verbunden ist. Auch die Versicherung des Bestandes kann in bestimmten Fällen ratsam sein - und bringt ihrerseits weitere Kosten mit sich.

3. Preisschwankungen

Die Werthaltigkeit, die Anleger beim Gold vermuten, gilt wie bereits beschrieben als eines der Argumente für einen Goldkauf. Dass Gold auf lange Sicht einen bleibenden Wert verspricht, bedeutet allerdings nicht, dass der Preis des Edelmetalls nicht dennoch stark schwanken könnte. Im Gegenteil: Die Erfahrung zeigt, dass der Goldpreis zum Teil erheblichen Turbulenzen ausgesetzt sein kann. Diese sind zum Großteil selbst für Fachleute kaum erklärbar und noch viel weniger vorhersehbar.

Aktuell beispielsweise scheint sich Gold in einem Aufwärtstrend zu befinden. Wie lange dieser jedoch anhalten wird, weiß niemand. Gut möglich, dass Gold am Jahresende 2000 Dollar je Unze kostet. Möglich aber auch, dass es nur 1000 Dollar je Unze sind - oder irgendein Wert dazwischen.

4. Währungsrisiko

Gold kann zwar in Deutschland bei Händlern für Euro gekauft werden. Grundsätzlich wird das Edelmetall am Finanzmarkt jedoch in US-Dollar gehandelt. Goldkäufer, die nicht im Dollar-Raum leben, müssen daher stets mögliche Schwankungen im Wechselkurs einkalkulieren. Sprich: Es besteht ein Währungsrisiko sowie ebenfalls eine Währungschance.

Praktisch bedeutet das: Steigt der Goldpreis binnen eines Jahres um 10 Prozent, und fällt zugleich der Dollar gegenüber dem Euro um 10 Prozent, so hat sich für einen Anleger in Deutschland oder anderswo in der Eurozone am Wert seines Goldschatzes nichts geändert. Fällt der Dollar stärker als der Goldpreis steigt, macht der Euro-Anleger sogar Verluste. Steigt allerdings der Goldpreis und legt zugleich der Dollar gegenüber dem Euro zu, so macht der Käufer im Euroraum einen doppelten Gewinn.

5. Gold bringt keine Zinsen und keine Dividende

Der Vorteil vieler Geldanlagen ist es, dass sie unabhängig von ihrer Wertentwicklung einen regelmäßigen Ertrag bringen. Bankanlagen wie Tages- oder Festgelder beispielsweise liefern - wenn auch derzeit extrem niedrige - Zinserträge. Viele Aktiengesellschaften überweisen ihren Anlegern zudem einmal im Jahr eine Gewinnbeteiligung, die sogenannte Dividende.

Gold liefert keine derartigen Rückflüsse. Wer das Edelmetall als Geldanlage erwirbt, muss einzig und allein darauf vertrauen beziehungsweise darauf hoffen, dass der Preis in der Folgezeit steigt. Dieser Preisanstieg sollte zudem noch stärker ausfallen als die allgemeine Geldentwertung, also die Inflationsrate. Ansonsten macht der Goldkäufer einen Verlust.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Verbraucherschützer aus Hessen äußern sich vor dem Hintergrund der genannten Nachteile skeptisch zum Goldkauf. Privatanleger sollten keinen allzu großen Teil ihres Vermögens in das Edelmetall stecken, schreiben sie. Es habe schon Anleger gegeben, die 25 Jahre warten mussten, bis sie überhaupt nur ihren Einstiegskurs wieder gesehen haben.

Aktuell allerdings scheint zumindest auf absehbare Zeit Optimismus angebracht. Vor dem Hintergrund der genannten Unsicherheitsfaktoren am Finanzmarkt erwarten viele Marktkenner einen vorerst weiter steigenden Goldpreis.

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