Krisenwährung Anleger erwarten steigenden Goldpreis

Trotz hoher Inflation, des Krieges in der Ukraine sowie einer schwächelnden Weltwirtschaft enttäuschte der Goldpreis zuletzt die Anleger. Eine Umfrage zeigt jedoch: Die Fans des Edelmetalls sind aktuell optimistischer als noch vor einem Jahr.
Glänzend anzuschauen: Anleger glauben bei Goldbarren an Wertzuwächse

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Foto: Pascal Lauener/ REUTERS

Die Entwicklung des Goldpreises dürfte viele Fans in diesen Wochen enttäuschen. Zwar schoss der Preis des Edelmetalls, das oft als "sicherer Hafen" für Investoren bezeichnet wird, unmittelbar nach Kriegsbeginn in der Ukraine in die Höhe und erreichte im April einen Rekordwert von rund 2050 Dollar je Unze. Seither schwächelt der Preis jedoch, und das, obwohl die Unsicherheiten am Finanzmarkt und in der Weltwirtschaft nicht ab, sondern sogar eher zugenommen haben. Gegenwärtig notiert Gold bei etwa 1850 Dollar je Unze wieder weit unterhalb des Rekordniveaus.

Geht es nach den deutschen Geldanlegern, so steht Gold jedoch ein erneuter Preisanstieg bevor. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter 1000 Bundesbürgern. In der Befragung, die Forsa einmal im Jahr für den Münchener Goldhändler Pro Aurum durchführt, sollten die Teilnehmer unter anderem angeben, welcher Investmentklasse sie in den kommenden drei Jahren die größten Gewinnchancen einräumen. Im vergangenen Jahr wählten die Befragten Aktien auf den ersten Platz – in diesem Jahr entschieden sie sich wie bereits 2020 erneut für Gold.

Am dritthäufigsten wurde bei der Frage auf "Fondsanteile" getippt. Und bemerkenswert: Trotz begonnener Zinswende landeten Zinsanlagen wie Fest- und Termingeld sowie Anleihen weit abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Wie sich der Goldpreis in nächster Zeit tatsächlich entwickeln wird, dürfte stark vom Verhalten der Notenbanken abhängen. Angesichts hoher Inflationsraten hat die Fed in den USA bereits vor Wochen mit Zinsanhebungen begonnen und weitere Schritte in Aussicht gestellt. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte auf einer stark beachteten Sitzung am heutigen Donnerstag den Kurswechsel in ihrer Geldpolitik beginnen. Es ist eine Kehrtwende nach langem Zögern , doch nun haben auch die EZB-Banker um Präsidentin Christine Lagarde (66) noch für dieses Jahr erste Zinsschritte und ein Ende der Negativzinsen in Aussicht gestellt.

Zurückhaltende Notenbanken

Für die Entwicklung des Goldpreises dürfte entscheidend sein, wie stark die Notenbanker die Zinsen anheben und ob es ihnen gelingt, die hochgeschossene Inflation damit in den Griff zu bekommen. Ein höheres Zinsniveau gilt generell als Belastung für den Goldpreis, denn verzinste Anlagen werden dadurch als Anlagealternative attraktiver. Ebenso verliert Gold seinen Reiz als Schutz gegen die Inflation, sollten die Preissteigerungsraten wieder sinken.

Nicht wenige Beobachter sehen die Maßnahmen der Zentralbanken allerdings kritisch. Nicht nur die EZB, sondern auch die bereits weiter fortgeschrittene Fed komme im Kampf gegen die Inflation zu spät, lautet ein häufiges Argument. Nun müssten die Maßnahmen so drastisch ausfallen, dass mit negativen Konsequenzen für die Wirtschaft zu rechnen sei – bis hin zu einer drohenden Rezession.

Falls die Zentralbanken zu so drastischem Eingreifen überhaupt bereit sind. Thorsten Polleit etwa, Chefvolkswirt beim Goldhandelshaus Degussa, ist der Ansicht, dass sich Fed, EZB und Co. eher zurückhalten werden. "Es ist zu befürchten, dass die Zentralbanken die Inflation nicht entschieden genug verringern", sagt er. "Die Schuldenlasten der Volkswirtschaften sind mittlerweile so groß, dass die Zentralbankräte davor zurückschrecken, die Zinsen im erforderlichen Ausmaß anzuheben. Die Zinsen nach Abzug der Inflation werden daher dies- und jenseits des Atlantiks vermutlich noch auf Jahre hin im negativen Territorium verharren."

Argumente für den Goldpreisanstieg

Das wäre ein Szenario, das für einen steigenden Goldpreis spräche. Dafür gibt es laut Polleit zudem noch weitere Argumente. So nennt der Fachmann etwa die zunehmenden geopolitischen Spannungen in der Welt, beispielsweise rund um den Krieg in der Ukraine. Zudem gebe es erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft, so Polleit. "Chinas Zero-Covid-Politik und die dadurch ausgelösten Folgen werden die Weltwirtschaft hart treffen", sagt er.

In der Folge rechnet Polleit mit einem deutlichen Anstieg des Gold- und auch des Silberpreises. "Bis Frühjahr 2023 ist ein Goldpreis von etwa 2200 US-Dollar pro Feinunze und ein Silberpreis von etwa 28 US-Dollar aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich", sagt er. Ausgehend von den aktuellen Marktpreisen wäre das ein Anstieg des Goldpreises um immerhin etwa 18 Prozent und des Silberpreises um etwa 29 Prozent.

Optimistische Prognosen wie diese hat es am Goldmarkt allerdings immer wieder gegeben – längst nicht immer wurden sie Realität. Investoren, die sich der Erwartung anschließen, sollten ohnehin kaum alles auf eine Karte setzen. Selbst "Goldbulle" Polleit empfiehlt, lediglich einen Teil des Portfolios in Gold zu halten. Der Goldhändler Pro Aurum in München rät zu einem Anteil von 10 bis 20 Prozent des liquiden Anlagevermögens, den Anleger auf Gold und Silber verteilen sollten.

Gold liegt nur zu einem geringen Anteil in den Depots

Die Forsa-Umfrage zeigt: Die Deutschen halten sich offenbar an diese Ratschläge. Zwar favorisieren sie Gold als größten Gewinnbringer in den kommenden Jahren. In ihren Investmentdepots machen Gold- und Silberanlagen mit zusammen durchschnittlich etwa 15 Prozent allerdings lediglich einen vergleichsweise geringen Anteil aus.

Stattdessen haben die Sparer hierzulande seit Jahren die gleichen Favoriten: Immobilien, Tagesgelder, Fondsanteile und Lebensversicherungen.

cr