Neuer Anlageskandal Anleger bangen um Gold im Wert von 45 Millionen Euro

In Köln kommt ein neuer Anlageskandal ins Rollen: Investoren haben dort einer Firma 45 Millionen Euro für Goldkäufe anvertraut - jetzt ist bei dem Unternehmen niemand mehr zu erreichen.
Goldbarren: In Köln müssen Anleger erneut um ihre Investments in das Edelmetall zittern

Goldbarren: In Köln müssen Anleger erneut um ihre Investments in das Edelmetall zittern

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Erfahrene Beobachter des Kapitalanlagemarktes erleben derzeit ein Déjà-vu: Erneut haben Anleger einem unbekannten Unternehmen, das ihnen zweistellige Renditen versprach, viel Geld anvertraut. Und erneut sieht alles danach aus, als würden die Investoren ihr Geld so schnell nicht wieder sehen. Die Ereignisse, in deren Mittelpunkt die Firma Bonus.Gold in Köln steht, könnten vielmehr zum nächsten Anlageskandal mit zweistelligem Millionenvolumen werden.

Was passiert ist, haben das Fachblog Investmentcheck  sowie das Handelsblatt  recherchiert. Demnach wurde Bonus.Gold vor einigen Jahren von drei Akteuren gegründet, die zuvor bereits beim Skandal-Goldhändler Pim Gold tätig waren. Pim Gold steht ebenfalls im Zentrum eines Anlageskandals. Das inzwischen insolvente Unternehmen wird verdächtigt, ein Schneeballsystem mit Gold-Investments betrieben zu haben. Investoren bangen auch dort um Einlagen im insgesamt zweistelligen Millionenbereich.

Ausgerechnet Leute mit diesem Hintergrund gründeten also in Köln die Bonus.Gold GmbH und boten an - selbstverständlich Gold-Investments. Es gibt Investoren, die an der Stelle bereits skeptisch geworden sind. Es gibt aber offensichtlich auch solche, die Renditeversprechen von Berichten zufolge 22 Prozent in zwei Jahren allzu verlockend finden. Jedenfalls sollen sich bei Bonus.Gold angeblich Edelmetallbestände von bis zu 890 Kilogramm angehäuft haben. Gesamtwert: rund 45 Millionen Euro.

In der Zwischenzeit gab es allerdings gleich mehrere Eigentümerwechsel bei dem Unternehmen. Zunächst erwarb den Berichten zufolge ein Murat K. die Geschäfte und setzte seinen Sohn Tata Atakan K. als Geschäftsführer ein. Zuletzt wiederum veräußerte Familie K. die Bonus.Gold GmbH mitsamt allen Goldbeständen an einen gewissen Ernst Günther D., wohnhaft im englischen Kent.

"Entwicklung extrem besorgniserregend"

Ziel sei es eigentlich gewesen, das Unternehmen rückabzuwickeln, so Murat K. gegenüber Investmentcheck. Daraus wurde aber nichts, und damit beginnt bei den Anlegern das große Zittern. Denn plötzlich können die Investoren den Berichten zufolge nicht mehr auf ihre Konten bei Bonus.Gold zugreifen. Auch per Telefon oder Mail ist bei dem Unternehmen offenbar niemand mehr zu erreichen. Zu allem Überfluss gab es kürzlich offensichtlich auch noch eine staatsanwaltschaftliche Razzia bei Bonus.Gold, wobei unklar scheint, weshalb und mit welchem Verdacht die Ermittler anrückten.

Kurzum: Alle üblichen Komponenten eines Anlageskandals finden sich auch bei Bonus.Gold. Oder, wie es Branchenkenner Stefan Loipfinger (52) in seinem Blog Investmentcheck  schreibt: "Die Entwicklung bei Bonus.Gold ist extrem besorgniserregend. Eine Firma, die nicht mehr für ihre Anleger erreichbar ist, verdient deren Vertrauen nicht." Leider scheine es zu spät zu sein, um das hinterlegte Gold abzurufen, so Loipfinger. "Sollte Bonus.Gold nun auch noch an den englischen Wohnsitz des neuen geschäftsführenden Gesellschafters verlegt werden, wird alles noch komplizierter."

cr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.