Auszahlungen steigen wieder Wo Investoren die besten Dividenden bekommen

Dividendenjäger können aufatmen, das Corona-Tal ist offenbar durchschritten. Weltweit legen die Gewinnausschüttungen der Unternehmen wieder kräftig zu. Wer besonders gut zahlt, und worauf zu achten ist - der Überblick.
Erzabbau von Rio Tinto in Australien: Der Bergbaukonzern bietet gegenwärtig eine außergewöhnlich hohe Dividendenrendite

Erzabbau von Rio Tinto in Australien: Der Bergbaukonzern bietet gegenwärtig eine außergewöhnlich hohe Dividendenrendite

Foto: TIM WIMBORNE/ REUTERS

Rolf Buch (56) weiß, wo viele Aktionäre ihre Schwachstelle haben. Der Chef des Großvermieters Vonovia unternimmt gerade den dritten Versuch, den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen. Um die Anteilseigner der Deutschen Wohnen endlich zur Abgabe ihrer Papiere zu bewegen, sprach Buch vergangene eine unverhohlene Drohung aus: "Für die Kleinaktionäre ist auch wichtig zu wissen", so der Vonovia-Chef, "dass die Vonovia als Mehrheitsaktionär der Deutschen Wohnen sich dafür einsetzen wird, dass die Deutsche Wohnen keine Dividenden mehr auszahlt." Wer die Aktie nicht andiene, so Buch weiter, sitze dann also auf einem Papier, das "über Jahre keine Dividende ausschütten wird".

Gut möglich, dass der Vonovia-Chef bei den Investoren der Deutschen Wohnen damit einen Nerv trifft. Die Dividende zählt neben möglichen Kursgewinnen für viele Anleger zu den Hauptgründen für den Aktienkauf. Das gilt umso mehr in Zeiten niedrigster Zinsen bei Banken und Sparkassen. Bei vielen Konzernen können sich die Aktionäre seit Jahren auf die regelmäßige Auszahlung verlassen.

Einen Dämpfer gab es zwar durch die Corona-Krise. Zahlreiche Unternehmen hatten angesichts der damit einhergehenden wirtschaftlichen Schwächephase ihre Dividendenzahlungen gekürzt oder gleich ganz ausgesetzt. Doch die Zeit der Entbehrung scheint aus Investorensicht nun vorüber. Weltweit erlebt die Wirtschaft ein Comeback, Unternehmen erzielen wieder ordentliche Gewinne – und die Dividendenzahlungen gehen nach oben.

Nach Angaben der Investmentgesellschaft Janus Henderson Investors etwa hat die weltweite Dividendenerholung im zweiten Quartal 2021 so richtig begonnen. Rund um den Globus stiegen die Dividenden im Jahresvergleich um 26,3 Prozent auf insgesamt 471,7 Milliarden Dollar, so das Unternehmen. Bereinigt um Sonderdividenden, Währungseffekte und ähnliche Einflüsse betrug das Wachstum immerhin noch 11,2 Prozent. Damit liegen die Auszahlungen zwar noch knapp unter dem Niveau von vor der Pandemie – Janus Henderson Investors geht aber davon aus, dass sie in den nächsten zwölf Monaten zu den alten Höchstständen zurückkehren werden. Die Werte liegen über den Erwartungen, schreibt die Investmentgesellschaft.

Weltweit erhöhten zuletzt mehr als acht von zehn Unternehmen ihre Dividenden oder hielten sie konstant, so Janus Henderson weiter. Das gilt auch für deutsche Firmen. "Sieben von zehn deutschen Unternehmen in unserem Index erhöhten die Dividenden oder hielten sie konstant", sagt Daniela Brogt, Head of Sales Germany & Austria bei Janus Henderson Investors. "So gehören beispielsweise die Allianz, Deutsche Telekom und BASF zu den Top 20 Dividendenzahlern. Allerdings wurden Erhöhungen durch Kürzungen bei BMW und Bayer fast komplett ausgeglichen."

Die US-Bank JP Morgan beobachtet das Comeback der Dividenden ebenfalls, und zwar in Europa noch deutlich stärker als etwa in den USA. "Dividendenprojektionen zeigen vor allem in Europa eine starke Erholung", schrieb JP-Morgan-Analyst Mislav Matejka zuletzt in einer Studie. Verglichen mit dem Zeitraum zu Beginn des Jahres deuteten sich vor allem am britischen Aktienmarkt, aber auch in der Eurozone und in Japan deutliche Anstiege der Dividendenzahlungen an. In den USA zeigten die Projektionen kaum eine Veränderung.

Tipps für Dividendenjäger

Wer am Aktienmarkt auf möglichst zuverlässige Dividendenzahlungen aus ist, muss auf der Hut sein. Denn bei Unternehmen, die Dividenden zahlen, handelt es sich keineswegs ausschließlich um grundsolide Gewinnmaschinen. Weder geben alle Konzerne, die regelmäßig und verlässlich Gewinne erzielen, einen Teil davon an ihre Anteilseigner weiter, noch zählen alle Aktiengesellschaften, die tatsächlich eine Gewinnausschüttung gewähren, automatisch zu den Papieren, die sicherheitsorientierte Investoren gerne in ihren Depots haben. Wie lassen sich also die richtigen Papiere finden? Hier einige Anhaltspunkte:

Auch JP Morgan erwartet – gestützt durch steigende Unternehmensgewinne – auf Sicht von zwölf Monaten einen weiterhin deutlichen Anstieg der Dividendenzahlungen, wenngleich sich die Projektionen Matejka zufolge immer noch unter den im Jahr 2019 erreichten Zwischenhochs bewegen werden.

Besonders attraktive Branchen für Dividendenjäger sind demnach momentan Minenkonzernen sowie die Sektoren Transport, Automobil und Banken. Auf der anderen Seite aber sei absehbar, dass Unternehmen aus allen wichtigen defensiven Sektoren wohl für dieses Jahr weniger Dividenden ausschütten dürften als zunächst gedacht. Dies gelte für die Medizinbranche, die Hersteller von Haushalts- und Körperpflegeprodukten, die Produzenten von Nahrungsmitteln und Getränken, die Versorger sowie die Telekomanbieter und insbesondere für die Immobilienunternehmen.

Damit liegt Vonovia-Chef Buch also voll im Trend mit seiner Drohung. Anleger, die auf attraktive Dividenden aus sind, sollten sich womöglich außerhalb der Immobilienbranche umsehen. Eine Hilfestellung gibt eine Untersuchung der DZ Bank, bei der neben der Höhe der Dividenden sowie der Dividendenrendite auch weitere wichtige Faktoren berücksichtigt wurden, wie beispielsweise die Nachhaltigkeit der Auszahlungen sowie verschiedene fundamentale Bewertungskennzahlen der Unternehmen.

Ergebnis: Auch die DZ Bank nennt den Versicherer Allianz sowie den Chemiekonzern BASF als besonders attraktive Dividendenzahler am deutschen Aktienmarkt. Beide bieten derzeit eine Dividendenrendite im Bereich von 5 Prozent und liegen damit am hiesigen Aktienmarkt ziemlich weit vorne. Ebenfalls attraktiv laut DZ Bank: Die Papiere des Finanzdienstleisters DIC Asset, des Chemiekonzerns Bayer sowie des Versorgers Uniper. Als gute Dividendenzahler mit zusätzlich besonderem Kurspotenzial hat die DZ Bank zudem den Telekomanbieter Freenet, den Autozulieferer Schaeffler sowie die Autobauer Daimler und BMW ausgemacht. Wohlgemerkt: Bei Freenet sowie Schaeffler liegt die Dividendenrendite derzeit bei rund 7 Prozent oder sogar darüber. Ein Investment in solche Nebenwerte erfordert allerdings eine höhere Risikobereitschaft, wie auch die DZ Bank einräumt.

Darüber hinaus gibt es jenseits der deutschen Grenzen in Europa weitere zuverlässige Dividendenzahler. Laut DZ Bank ist beispielsweise der britische Minenkonzern Rio Tinto zu nennen, dessen Dividendenrendite momentan im zweistelligen Bereich liegt. Daneben rangiert der Tabakriese British American Tobacco sowie der französische Ölkonzern TotalEnergies an der Spitze des Rankings sogenannter Dividendenaristokraten, das die Bank führt.

cr
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