Geldanlage-Know-how So drehen Sie an der wichtigsten Schraube in ihrem Depot

Ob Kurse steigen oder fallen, können private Geldanleger nicht beeinflussen. Einen der wichtigsten Faktoren allerdings schon: die Kosten.
Feintuning: Auch beim Geldanlagedepot lässt sich der Erfolg mit verschiedenen Schrauben justieren

Feintuning: Auch beim Geldanlagedepot lässt sich der Erfolg mit verschiedenen Schrauben justieren

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Die Zinsen im Dauertief, die Aktienkurse in Turbulenzen, die Immobilienpreise auf gefährlichen Höhen - Anleger haben es nicht leicht, wenn sie zurzeit eine einigermaßen attraktive Rendite mit ihren Investments erzielen wollen. Dabei übersehen viele jedoch, dass sie an einer wichtige Stellschraube zur Verbesserung der Investmenterträge selbst drehen können, nämlich bei den Kosten.

Die Entwicklung der Wirtschaft, der Erfolg von Aktiengesellschaften, die Zinspolitik der Zentralbanken, das Geschick von Portfoliomanagern in Fonds- oder Versicherungsfirmen, ja selbst die Migrationsströme der Bevölkerung, die sich auf die Immobilienpreise auswirken können - es gibt beinahe unzählige Faktoren, die das Ergebnis der Geldanlage beeinflussen, ohne dass der einzelne Investor viel daran ändern kann. Die Höhe der Kosten, die mit seinen Investments verbunden sind, kann er jedoch zumindest mitbestimmen. Nämlich zum Beispiel indem er schon bei der Auswahl seiner Geldanlageprodukte auf diesen Faktor achtet.

Dabei macht schon eine einfache Rechnung deutlich, wie stark sich der Kostenfaktor auf das Investmentergebnis auswirken kann: Wer beispielsweise 100.000 Euro in Investmentfonds anlegt und diese für 20 Jahre in seinem Depot unberührt liegen lässt, verfügt bei einer angenommenen jährlichen Durchschnittsrendite von 5 Prozent und unter Nichtberücksichtigung steuerlicher Einflüsse am Ende über einen Betrag von etwas mehr als 265.300 Euro - allerdings nur unter der Annahme, dass keine Kosten anfallen.

Allein ein anfänglicher Ausgabeaufschlag von 5 Prozent beispielsweise, den nach wie vor vielen Fondsanbieter verlangen, reduziert das letztendliche Investmentergebnis um beinahe 13.000 Euro auf knapp 252.700 Euro.

So wirken sich die Kosten auf das Ergebnis aus

Noch heftiger schlagen zudem laufende Kosten ins Kontor. Aktiv gemanagte Investmentfonds etwa berechnen in der Regel für das Management und die Verwaltung der Anlegergelder bis zu 2 Prozent pro Jahr. In unserem Beispiel - ohne Ausgabeaufschlag - würde sich das Anlageergebnis dadurch in den angenommenen 20 Jahren auf knapp 178.100 Euro reduzieren - ganze 87.200 Euro landeten bei der Fondsgesellschaft.

Kein Wunder also, dass zahlreiche Investmentexperten immer wieder dazu raten, bei der Geldanlage die Kosten im Auge zu behalten. Auch Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und der frühere Bankvorstand Leonhard "Lenny" Fischer geben an, bei ihrem neuen Investmentfonds, den sie in dieser Woche exklusiv im manager magazin ankündigten, und der ein Milliardenvolumen erreichen soll, mit vergleichsweise niedrigen Kosten punkten zu wollen.

Investmentfonds sind allerdings nicht die einzigen Anlageprodukte, bei denen allzu hohe Kosten das Ergebnis beeinträchtigen können. Lebensversicherungen, festverzinsliche Bankprodukte, Immobilieninvestments - bei so ziemlich allen Gelegenheiten am Kapitalanlagemarkt gilt es den Kostenfaktor im Auge zu behalten.

Im Überblick: Darauf müssen Anleger in Sachen Kosten achten

Doch was tun, um in Sachen Kosten bei der Geldanlage auf der sicheren Seite zu sein? Das ist im Grunde nicht schwierig, vor allem drei Aspekte sollten Anleger beachten:

Einmalige Kosten: Insbesondere im Fondsgeschäft ist es nach wie vor üblich, Anleger nur für deren Entschluss, ein bestimmtes Produkt zu erwerben, zur Kasse zu bitten. Die sogenannten Ausgabeaufschläge liegen bei bis zu 5 Prozent der investierten Summe. In der Versicherungsbranche gibt es ähnliche Gebühren, dort heißen sie Abschlusskosten.

Geldanleger sollten sich daher vor dem Entschluss für ein Investment die Konditionen genau durchlesen und im Zweifel für das Produkt entscheiden, das günstiger ist. Indexfonds etwa verfügen in der Regel über niedrigere Ausgabeaufschläge als aktiv gemanagte Investmentfonds. Und wer seine Geldanlage über einen Onlinebroker vornimmt, kommt um die unangenehme Einmalzahlung häufig komplett herum.

Laufende Kosten: Auch bei diesem Punkt gilt es, sich das Kleingedruckte gut anzuschauen. Fondsgesellschaften beispielsweise kennen viele Anlässe, aus denen sie ihre Kunden zur Kasse bitten. Für den Vertrieb beispielsweise werden regelmäßige Gebühren erhoben, oder für die Verwaltung. Selbst den Managementerfolg lassen sich die Fondsanbieter mitunter zusätzlich vergüten - so kann eine erhebliche Kostenbelastung entstehen.

Nicht zuletzt deshalb sind passive Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds oder ETFs also, in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Sie erreichen nicht nur im Schnitt bessere Anlageergebnisse, sie sind vielmehr im Vergleich zur aktiv gesteuerten Konkurrenz auch erheblich günstiger. Die laufenden Kosten der Indexfonds beispielsweise betragen selten mehr als 0,2 Prozent im Jahr.

Zum Vergleich: Im oben berechneten Beispiel einer 100.000-Euro-Anlage über 20 Jahre bei angenommenen 5 Prozent Rendite würden diese jährlichen 0,2 Prozent das Gesamtergebnis - ohne Ausgabeaufschlag - von 265.300 Euro um lediglich etwa 10.300 Euro auf rund 255.000 Euro reduzieren. Und nicht um die 87.200 Euro, um die das Resultat durch die bei aktiven Investmentfonds üblichen bis zu 2 Prozent Kosten pro Jahr dezimiert wird.

Transaktionskosten: Alte Börsenhasen wie der US-Investor und Multimilliardär Warren Buffett raten gern, Aktien zu kaufen und dann für sehr lange Zeit im Depot liegen zu lassen. So lasse sich auf Dauer der beste Anlageerfolg erzielen.


So denken Sie wie Warren Buffett - seine besten Zitate:


Der Ratschlag wird gerne als Argument gegen vermeintlich geschicktes Markt-Timing verwendet. Denn wer versucht, stets im richtigen Moment in den Markt ein- beziehungsweise aus dem Markt wieder auszusteigen, kommt erfahrungsgemäß meist zu spät und erzielt anstelle von Gewinnen vor allem Verluste.

Dazu trägt allerdings wiederum auch die Kostenkomponente bei: Für jede Transaktion, die Finanzdienstleister für ihre Kunden durchführen, berechnen sie ihnen in der Regel extra Gebühren. So füllt häufiges Handeln in der Regel vor allem das Konto des beteiligten Investmenthauses. Und das gilt nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch in anderen Bereichen des Finanzgeschäfts.

Im Video: So legen Sie Ihr Geld an wie Altmeister Warren Buffett:

Wochit / manager-magazin.de
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