FTX-Pleite Der Absturz des goldenen Kryptojungen

Niemand wurde so schnell so reich wie Sam Bankman-Fried. Die Schönen und Einflussreichen umschwirrten ihn. SBF war das scheinbar gute Gesicht einer neuen Finanzordnung. Nun ist er pleite und Symbol für die Auswüchse des Kryptobooms. Das ist seine Geschichte.
Business-Partner: Sam Bankman-Fried und Topmodel Gisele Bündchen

Business-Partner: Sam Bankman-Fried und Topmodel Gisele Bündchen

Foto:

BFA / action press

Sie können den Artikel leider nicht mehr aufrufen. Der Link, der Ihnen geschickt wurde, ist entweder älter als 30 Tage oder der Artikel wurde bereits 10 Mal geöffnet.

Wo soll man anfangen, die fast unglaubliche Geschichte des Sam Bankman-Fried (30) zu erzählen? Vielleicht im Jahr 2017, als er den globalen Bitcoin-Handel knackte und so den Grundstock seines zwischenzeitlich unermesslichen Vermögens legte. Oder im Sommer 2021, als er in einem Zoom-Call bei den angesehensten Investoren des Silicon Valley um Millionen warb und nebenbei auf einem anderen Bildschirm "League of Legends" spielte. Oder vielleicht doch am vergangenen Sonntag, als sich die Dinge um seine Kryptohandelsplattform FTX derart zuzuspitzen begannen, dass manche in der Szene sich an den Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers in der Weltfinanzkrise 2008 erinnert fühlen – und an deren Ende nun die vielleicht größte Pleite der Kryptowelt steht.

Sam Bankman-Fried, oft nur SBF genannt, ist eine der schillerndsten Figuren der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Niemand hat es je geschafft, in so kurzer Zeit so reich zu werden: Vor einem Jahr rangierte er laut Bloomberg mit einem Vermögen von 26 Milliarden Dollar noch unter den reichsten Menschen der Welt. Sein Aufstieg erschien fast wie ein Märchen. Er war das wichtigste und sympathisch erscheinende Gesicht des globalen Kryptobooms, ein gebildeter, vegan lebender Kalifornier mit Lockenkopf und Bäuchlein, der mit seinem Reichtum den Armen helfen und die Welt verbessern wollte.

Lange der Good Guy: Sam Brinkman-Fried im Sommer 2022

Lange der Good Guy: Sam Brinkman-Fried im Sommer 2022

Foto: FTX / via REUTERS

In der wilden, wenig regulierten Kryptowelt schien SBF neben Coinbase-Boss Brian Armstrong (39) als der seriöse Ritter mit dem Potenzial, die Finanzwelt umstürzen zu können – lange positiv gemeint. Das britische Wirtschaftsmagazin "Economist" verglich ihn kürzlich noch mit John Piermont Morgan, dem legendären US-Banker, der ein Jahrhundert zuvor die amerikanische Finanzwirtschaft vor dem Untergang bewahrte. Und das US-Magazin "Fortune" widmete ihm noch in der August/September-Ausgabe 2022 die Titelgeschichte, mit SBF als womöglich nächstem Warren Buffett (92).

Inzwischen hat das Märchen eine abrupte Wendung genommen. SBF, Gründer und CEO von der Tradingfirma Alameda Research und von FTX, einer der bislang größten Kryptobörsen der Welt, ist innerhalb weniger Tage zum Symbol für die Übertreibungen und Auswüchse geworden, die mit dem Kryptoboom einhergingen.

Nachdem Anleger zu Wochenbeginn begonnen hatten, aus Angst um ihre Investments ihr Geld abzuziehen, war FTX in Liquiditätsnot geraten. Hektische Rettungsversuche scheiterten, der scheinbar generös zu Hilfe geeilte Erzrivale Changpeng Zhao (45) – zuvor von SBF der Sabotage bezichtigt – winkte die angekündigte Rettung nach Prüfung der Bücher am Mittwoch ab.

Das Imperium des Sam Brinkman-Fried stürzte in sich zusammen – und riss den Gründer mit. Am Freitag beantragten die Firmen Gläubigerschutz nach Chapter 11 in den USA, das Kapital der Investoren ist vermutlich verloren, das Geld der Anlegerinnen und Anleger in Gefahr. Die US-Börsenaufsicht SEC und das amerikanische Justizministerium ermitteln, ebenfalls Aufsichtsbehörden rund um die Welt. SBF trat von seinen Posten zurück. Denn was eben noch strahlte, entpuppt sich als großes Loch.

manager magazin plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.