Samstag, 21. September 2019

Reaktion auf Kostendruck und Digitalisierung Sparkasse und Volksbank legen erstmals Filialen zusammen

Künftig werden Kunden in ausgewählten Zweigstellen wahlweise von Mitarbeitern der Taunus-Sparkasse und der Frankfurter Volksbank bedient
Angelika Warmuth / DPA
Künftig werden Kunden in ausgewählten Zweigstellen wahlweise von Mitarbeitern der Taunus-Sparkasse und der Frankfurter Volksbank bedient

Zum ersten Mal in Deutschland legen eine Sparkasse und eine konkurrierende Volksbank ihre Filialen im großen Stil zusammen. Eine Reihe von Zweigstellen der Taunus-Sparkasse und der Frankfurter Volksbank im Speckgürtel der Finanzmetropole sollen künftig unter dem Namen "Finanzpunkt" gemeinsam betrieben werden, wie die beiden Institute am Freitag bestätigten. Die Logos von Sparkasse und Volksbank an den Zweigstellen verschwinden. Die "Finanzpunkte" werden an vier Tagen pro Woche wechselweise von Mitarbeitern der Sparkasse und der Volksbank bedient. Die Geldautomaten können von Kunden beider Institute genutzt werden. DER SPIEGEL und die "Welt am Sonntag" hatten über die Pläne als erstes berichtet.

Die Kooperation ist offenbar eine Antwort auf den Spardruck und könnte daher bundesweit Schule machen. Denn die gesamte Branche müht sich, den Spagat zwischen digitalen Angeboten und Präsenz in der Fläche zu schaffen. Die Frankfurter Volksbank ist mit einer Bilanzsumme von rund 12,1 Milliarden Euro Deutschlands zweitgrößte Volksbank nach der Berliner Volksbank. Die Taunus Sparkasse liegt nach einer Übersicht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes laut Bilanzsumme auf Rang 49 der zuletzt 385 Sparkassen in Deutschland.

Niedrige Zinsen, gestiegene Kosten

Viele Kunden erledigen Bankgeschäfte fast nur noch am heimischen Computer oder per App auf dem Smartphone. Seit Jahren schrumpft die Zahl der Filialen, denn das dichte Netz kostet die Institute eine Menge Geld - und das in einer Zeit, in der sich Geldhäuser wegen des Zinstiefs ohnehin schwertun mit dem Geldverdienen und zugleich viel Geld für Regulierung und neue digitale Angebote aufwenden müssen. Auch die Commerzbank, die mit rund 1000 Filialen eines der dichtesten Netze in Deutschland betreibt und stets für dessen Sinnhaftigkeit plädiert hatte, erwägt eine Ausdünnung, wie das manager magazin kürzlich berichtete.

In die Umgestaltung der Filialen wollen die Taunus-Sparkasse und die Frankfurter Volksbank fünf Millionen Euro investieren. Von der Zusammenlegung erhoffen sie sich jeweils Einsparungen in einstelliger Millionenhöhe. Kunden werden anhand unterschiedlicher Farbkennzeichnung im Inneren der Räumlichkeiten - mal rot für die Sparkasse, mal blau für die Volksbank - erkennen, welches Institut gerade vertreten ist.

Seit 2007 sind rund 12.000 Filialen geschlossen worden

Ganz neu sind gemeinsame Filialen und Geldautomaten von Genossenschaftsbanken und Sparkassen nicht. Bisher gibt es sie aber nur an einzelnen Standorten vor allem in ländlichen und schwach besiedelten Gegenden, in denen sie sonst aufgegeben werden müssten. Die Taunus-Sparkasse und die Frankfurter Volksbank wollen sich zu ihren Plänen am Dienstag genauer äußern.

Im vergangenen Jahr setzten sich Filialsterben und Fusionsdruck auf dem deutschen Bankenmarkt unter dem Druck der Zinsflaute und der Digitalisierung fort. Die Zahl der Geldhäuser verringerte sich Daten der Bundesbank zufolge zum Vorjahr um 40 auf 1783 Institute. Die Zahl der Zweigstellen schrumpfte über den gesamten deutschen Markt hinweg um 2239 auf 27.887 Filialen. Im Jahr 2007 waren es noch rund 40.000.

jl/rtr/dpa-afx

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