Montag, 9. Dezember 2019

"Finanztest" warnt Banken greifen bei ärmeren Kunden kräftig zu

Fabian Sommer / DPA

Für Menschen mit vermeintlich schwacher Bonität ist laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest ein Bankkonto oft besonders kostspielig. Wer arm sei und kein regelmäßiges Einkommen habe, zahle für ein Girokonto meist viel mehr als Gehalts- und Rentenempfänger, schreibt das zur Stiftung Warentest gehörende Magazin "Finanztest".

Bei einem Vergleich von 124 Banken und 185 Kontomodellen habe die Kontoführung bei den teuersten Banken mehr als 200 Euro jährlich gekostet.

Seit 2016 sind Banken gesetzlich verpflichtet, Basiskonten in Form von reinen Guthabenkonten anzubieten - gedacht sind sie für Menschen mit vermeintlich schlechter Bonität, etwa Obdachlose oder Flüchtlinge. Die Konten sollen ihnen den Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichen. Der Kontoinhaber erhält eine Bankkarte und darf Geld überweisen. Überzogen werden kann ein solches Konto nicht. Die Gebühren sollen "angemessen" sein und können auch einen Gewinn der Institute beinhalten.

Verbraucherschützer haben bereits wegen zu hoher Gebühren für Basiskonten geklagt und auch Recht bekommen. Finanztest schreibt nun, aufgrund gestiegener Grundpreise und höherer Gebühren für Überweisungen in Papierform seien die Gebühren in den vergangenen zwei Jahren teilweise sogar noch gestiegen.

"Finanztest" hebt zwei Banken positiv hervor

Nur zwei der untersuchten Banken boten ein Basiskonto zum Stichtag am 1. Oktober kostenfrei an. Laut den Testern begründen die Geldhäuser die Preise oft mit einem Mehraufwand für Beratung und Eröffnung von Basiskonten.

Das teuerste Basiskonto bot laut "Finanztest" im Test die Salzlandsparkasse, dicht gefolgt von der Targobank. Bei beiden Banken kostete das getestete Modellkonto demnach rund 250 Euro pro Jahr. Bei der Targobank sind das laut "Finanztest" knapp 90 Euro mehr als in der Vorgängeruntersuchung im Jahr 2017. Zwar seien der Grundpreis und der Preis für beleghafte Überweisungen gleich geblieben, aber die Bank gewähre nur noch zehn beleglose Buchungen im Monat kostenlos, für jede weitere werden 55 Cent fällig.

"Finanztest" hebt zwei Banken mit Gratis-Basiskonten positiv hervor: die PSD Karlsruhe-Neustadt und Sparda Baden-Württemberg. Günstig sind demnach auch Sparda München mit fünf Euro (überregional) und Sparda Südwest mit zwölf Euro pro Jahr.

Laut "Finanztest" ist das Basiskonto auch dann meist nicht kostenlos, wenn es online geführt wird. Meist sei diese Variante aber günstiger, als wenn Kunden das Konto in der Filiale führen lassen.

spon

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