Dienstag, 18. Juni 2019

Deutschland fällt in der Gunst der Investoren zurück Deutschland für Investoren weniger attraktiv

Amazon-Logistik-Zentrum in Leipzig: Der US-Konzern investiert in Deutschland, will neue Standorte schaffen. Doch liegen die Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber immer wieder im Clinch, weil sie Tariflöhne und bessere Arbeitsbedingungen fordern

Investoren halten Deutschland für weniger attraktiv als noch ein Jahr zuvor. Über die Gründe wird die Politik nachdenken müssen. So erachten die Firmen unter anderem die Arbeitskosten für zu hoch und bemängeln manches, das Beschäftigte hier eher als Errungenschaft interpretieren dürften.

Ausländische Investoren haben ihr Engagement in Deutschland nach einer aktuellen Studie im vergangenen Jahr merklich reduziert. Zugleich ist die Unzufriedenheit mit den Rahmenbedingungen gewachsen, wie aus der europaweiten Standort-Attraktivitätsstudie des Beratungsunternehmens EY (Ernst&Young) hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Mehr als ein Drittel der befragten Vertreter internationaler Unternehmen, die bereits in Deutschland aktiv sind, äußerte sich negativ. Im Jahr zuvor war es ein gutes Viertel. Was die Zahl der Investitionsprojekte angeht, rutschte Deutschland vom zweiten auf den dritten Platz und liegt nun hinter Frankreich. Platz eins belegt trotz der Brexit-Unsicherheiten weiter Großbritannien.

"Dass die ausländischen Investitionen in Deutschland sinken, ist ein Warnsignal", betonte Hubert Barth, der Vorsitzende der Geschäftsführung von EY in Deutschland. "Deutschland ist nicht mehr Wachstumsmotor der europäischen Wirtschaft." Es seien dringend wieder eine positive Dynamik und neue Wachstumsimpulse nötig.

Die Studie zählt für 2018 genau 973 Projekte ausländischer Investoren in Deutschland - 13 Prozent weniger als im Jahr davor und der erste Rückgang überhaupt, seit die Zahlen 2005 zum ersten Mal erhoben wurden. Auf Investoren aus den USA konnte der Standort zwar weiterhin bauen, Briten, Chinesen oder Schweizer dagegen reduzierten ihr Engagement teils deutlich.

Großbritannien trotz Brexit vorn

Mit der Infrastruktur, dem stabilen politischen und rechtlichen Umfeld sowie der Qualifikation der Arbeitskräfte konnte Deutschland erneut punkten. Schwächen sehen die Investoren dagegen bei der Flexibilität des Arbeitsrechts, in Steuerfragen, bei Anreizen und Vergünstigungen für Unternehmen und bei den Arbeitskosten.

Einen deutlichen Rückgang bei der Zahl der Investitionsprojekte musste der Studie zufolge zwar auch Großbritannien hinnehmen. Dennoch reichte es weiter für Platz eins. Frankreich legte leicht zu und setzte sich auf den zweiten Platz. Insgesamt ging die Zahl der Projekte in Europa um vier Prozent zurück.

Deutsche Unternehmen wiederum sind im Ausland nach wie vor sehr investitionsfreudig. Nur US-Unternehmen waren im vergangenen Jahr in Europa aktiver.

rei/dpa

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