Zahlungsfrist abgelaufen, Pleite befürchtet Evergrande-Gläubiger warten weiterhin auf ihre Zinsen

Mehrere Geldgeber des chinesischen Immobilienriesen Evergrande warten auch nach Ablauf einer Nachfrist weiter auf ihr Geld. Evergrande könnte in Kürze den Zahlungsausfall melden - wie deutsche Gläubiger bereits vor Wochen erwartet haben.
Evergrande-Chef Hui Ka Yan: Der Immobilienriese steht vor dem Kollaps

Evergrande-Chef Hui Ka Yan: Der Immobilienriese steht vor dem Kollaps

Foto: Bobby Yip / REUTERS

Die drohende Pleite des mit rund 300 Milliarden Dollar verschuldeten Immobilienriesen Evergrande rückt näher. Zwei Inhaber von US-Dollar-Anleihen der Evergrande-Tochter Scenery Journey hätten nach eigenen Angaben bis Dienstag um 0.30 Uhr New Yorker Zeit (6.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit) noch keine Zahlung erhalten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Morgen. Befürchtet wird ein Zahlungsausfall.

Die Zinsen der beiden Anleihen in Höhe von 41,9 Millionen und 41,6 Millionen Dollar waren eigentlich am 6. November fällig. Eine Nachfrist von einem Monat war an diesem Montag abgelaufen. Die beiden Anleihegläubiger wollten Bloomberg zufolge nicht namentlich genannt werden. Evergrande habe zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.

"Pleite ist faktisch bereits eingetreten"

manager magazin hatte bereits vor drei Wochen berichtet , dass Evergrande fällige Zinszahlungen nicht rechtzeitig beglichen hat. Bereits Mitte November wurden Zinszahlungen in Höhe von rund 148 Millionen Dollar, die bei verschiedenen Gläubigern fällig geworden waren, offenbar zu einem Großteil nicht beglichen. "Evergrande ließ bereits mehrmals Zinszahlungen an internationale Investoren ausfallen", hatte DMSA-Senior Analyst Marco Metzler (49) auf Anfrage von manager magazin erklärt. Die Deutsche Marktscreening Agentur (DMSA ) ist selbst in Evergrande-Anleihen investiert. "Die Pleite von Evergrande ist faktisch bereits eingetreten ", so Metzler.

Evergrande will keine Garantie für Rückzahlungen mehr geben

Evergrande selbst hatte am späten Freitagabend vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten gewarnt. Nach einer Überprüfung der Finanzmittel könne keine Garantie gegeben werden, dass die Gruppe über ausreichende Mittel verfüge, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Regierung in der Provinz Guangdong teilte daraufhin am Freitag mit, sie werde eine "Arbeitsgruppe" in den Konzern entsenden. In Shenzhen in der Provinz Guangdong hat Evergrande seinen Hauptsitz. Die staatliche Eingreiftruppe soll das Risikomanagement des angeschlagenen Immobilienriesen "überwachen und fördern".

Dollar-Anleihen sollen umstrukturiert werden

Insidern zufolge will Evergrande all seine ausländischen Dollar-Anleihen in die Umstrukturierung seiner Kreditlasten einbeziehen, wie Bloomberg am Montag berichtete. Der Kurs der bereits schwer gebeutelten Evergrande-Aktie war daraufhin in Hongkong auf ein Rekordtief gefallen, konnte sich am Dienstag jedoch leicht erholen.

Der Konzern steckt bereits seit Monaten in einer tiefen Krise und gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Die Schulden werden insgesamt auf rund 266 Milliarden Euro beziffert. Laut Bloomberg summieren sich Evergrandes ausländische Anleihen auf 19,2 Milliarden Dollar, hinzu kommen 8,4 Milliarden in heimischen Schuldpapieren.

Experten befürchten im Falle einer Pleite weitere Schockwellen im Bausektor bis hin zu einer globalen Finanzkrise. Allerdings hat die chinesische Regierung zuletzt Maßnahmen ergriffen, um etwas Druck von den hoch verschuldeten Immobilienunternehmen des Landes zu nehmen.

Die deutsche DMSA will nun als öffentlicher Anleihegläubiger Insolvenzantrag in China gegen das chinesische Unternehmen stellen. Man habe noch keine Zahlungen erhalten, womit der Zahlungsausfall eingetreten sei, sagte Metzler. Auch alle anderen Offshore-Anleihen des Immobilienriesen hätten dem Regelwerk zufolge damit den Status "default", sie gelten damit als ausgefallen, so der ehemalige Fitch-Ratings-Analyst. Zur Feststellung der Pleite muss bei Gericht ein Konkursantrag gestellt werden. Das kann das Unternehmen selbst oder ein oder mehrere Gläubiger des Unternehmens tun. Metzler rief andere Investoren dazu auf, sich der DMSA anzuschließen. "Wir haben zahlreiche uns bekannte Investoren gefragt, sie konnten uns keinen Zahlungseingang bestätigen", hatte Metzler im Interview mit manager magazin  erklärt. Evergrande hatte einen Kommentar abgelehnt.

Nach Berechnungen der DMSA verursachen die Evergrande Insolvenz und die Immobilienkrise in China aktuell rund 10 Milliarden US-Dollar Verluste bei den zehn größten auf Asien spezialisierten Renten- und Investmentfonds mit dem größten Evergrande Bond-Exposure von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Davon seien bereits 7 Milliarden US-Dollar real entstanden. Weitere 3 Milliarden US-Dollar würden realisiert, sobald Evergrande selbst Insolvenz anmeldet.

la, rei/dpa-afx
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