Wankender Immobilienriese Evergrande-Gläubiger will Verwirrspiel um Zahlungen mit Insolvenzantrag beenden

Erneut hat der Immobilienriese Evergrande Zinsen für Anleihen nicht geleistet. Mehr als 20 weitere Offshore-Anleihen gelten damit als ausgefallen, sagt Marco Metzler. Der Kreditanalyst bereitet für den Gläubiger DMSA einen Konkursantrag gegen Evergrande vor.
Angst vor dem Beben: Der chinesische Immobilienkonzern hat erneut Zinszahlungen ausfallen lassen

Angst vor dem Beben: Der chinesische Immobilienkonzern hat erneut Zinszahlungen ausfallen lassen

Foto: ROMAN PILIPEY / EPA

Der mit 300 Milliarden Dollar verschuldete chinesische Immobilienriese Evergrande hat am Mittwoch fällige Zinszahlungen in Höhe von rund 148 Millionen Dollar zu einem Großteil offenbar erneut nicht beglichen. "Evergrande ließ heute ein weiteres Mal Zinszahlungen an internationale Investoren ausfallen", erklärte DMSA-Senior Analyst Dr. Marco Metzler (49) auf Anfrage von manager magazin.

Die Deutsche Marktscreening Agentur (DMSA ) ist laut Metzler selbst in Evergrande-Anleihen investiert und werde nun als Gläubiger Insolvenzantrag gegen das Unternehmen stellen. "Das kann einige Tage dauern, wir bereiten das vor und sind mit mehreren weltweit arbeitenden Kanzleien dazu im Kontakt", sagte Metzler am Mittwoch und bekräftigte: "Mit dem heutigen Geschäftsschluss der Banken in Hongkong ist sicher, dass diese Anleihen ausgefallen sind."

Dass womöglich einzelne Gläubiger doch Zinszahlungen erhalten haben, wie Bloomberg in der Nacht zu Donnerstag unter Berufung auf den Zahlungsabwickler Clearstream  berichtete, würde die DSMA nicht davon abhalten, ergänzte Metzler am Donnerstag wieder auf Anfrage. "Wir bleiben dabei. Die DSMA hat als öffentlicher Anleihegläubiger noch keine Zahlungen erhalten, was zum Zahlungsausfall von Evergrande führt." Auch alle andere Offshore-Anleihen des Immobilienriesen hätten dem Regelwerk zufolge damit den Status "default", sie gelten damit als ausgefallen, so Metzler. Geprellte Anleger könnten jetzt Insolvenzantrag stellen, bekräftigte der ehemalige Fitch-Ratings-Analyst.

Zur Feststellung der Pleite muss bei Gericht ein Konkursantrag gestellt werden. Das kann das Unternehmen selbst oder ein oder mehrere Gläubiger des Unternehmens tun. Metzler rief andere Investoren dazu auf, sich der DMSA anzuschließen. Sobald ein Gericht das Konkursverfahren eröffne, "wird Evergrande auch ganz offiziell bankrott sein". Dies sei dann nur noch eine Frage von Tagen. "Wir als DMSA haben bewusst Anleihen von Evergrande gekauft, wohl wissend, dass wir sie wahrscheinlich nicht zurückbekommen werden, um endlich Transparenz in diese undurchsichtigen Nachrichten von angeblichen Zinszahlungen zu bringen", sagte der Kreditanalyst weiter.

Der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas, war bereits im September mit Zinszahlungen für zwei Anleihen in Verzug geraten, bei denen die 30-tägige Schonfrist noch im Oktober endete. Meldungen über angebliche Zahlungen kurz vor Ende der Schonfrist hatten weder Evergrande noch Gläubiger offiziell bestätigt.

"Wir haben zahlreiche uns bekannte Investoren gefragt, sie konnten uns keinen Zahlungseingang bestätigen", hatte Metzler im Interview mit manager magazin  bereits vor wenigen Tagen erklärt. Evergrande hatte sowohl am Mittwoch als am Donnerstag erneut einen Kommentar abgelehnt.

Laut Metzler haben allein internationale Investoren rund 23,7 Milliarden US-Dollar in 23 Anleihen und drei Großkredite gesteckt. Analysten von Fitch erwarten, dass Evergrande im Falle eines Konkurses liquidiert wird. Viel mehr als 5 Prozent ihrer Forderungen dürften die Gläubiger dann nicht ausgezahlt bekommen.

US-Notenbank sorgt sich um Kettenreaktion, Fantasia will nicht mehr garantieren

Evergrande ist kein Einzelfall, sondern steht stellvertretend für die ganze, schwer angeschlagene Immobilienindustrie Chinas. Aktien des Bauträgers Fantasia Holdings brachen am Mittwoch um 50 Prozent ein, nachdem das Unternehmen erklärt hatte, es könne nicht garantieren, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, nachdem es eine am 4. Oktober fällige Zahlung von rund 206 Millionen Dollar nicht geleistet hatte.

Der chinesische Immobiliensektor steht für bis zu 30 Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas. Eine Pleitewelle von Immobilienunternehmen könnte tausende andere Firmen mit in den Abgrund ziehen und auch Banken schwer belasten, äußern Experten schon länger die Sorge. Die internationale in London ansässige Großbank HSBC etwa weist für das dritte Quartal Kredite in Höhe von 19,6 Milliarden US-Dollar aus, die sie ausschließlich an chinesische Immobilienkonzerne vergeben hat. Insgesamt bilanzierte die Großbank 196 Milliarden Dollar Kredit an chinesische Firmen aus allen möglichen Branchen. Die US-Notenbank Fed hatte am Dienstag gewarnt, dass der angeschlagene chinesische Immobiliensektor sogar ein globales Risiko darstellen könnte .

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