Gemeinschaftswährung im Aufwind Gelingt dem Euro das Comeback?

Mitte 2021 begann für den Euro eine Talfahrt, die ihn gegenüber dem US-Dollar bis zu 20 Prozent an Wert verlieren ließ. Doch inzwischen sind die Aussichten für die Euro-Konjunktur wieder besser. Der Euro kommt zurück – unterstützt von der EZB.
Euro gegen Dollar: Die Gemeinschaftswährung macht am Devisenmarkt wieder Boden gut

Euro gegen Dollar: Die Gemeinschaftswährung macht am Devisenmarkt wieder Boden gut

Foto: Michael Probst/ AP

Der Eurokurs ist am Mittwoch zum US-Dollar auf den höchsten Stand seit Ende Mai 2022 gestiegen. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0776 Dollar. Am Morgen hatte sie noch rund einen halben Cent niedriger notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0747 (Dienstag: 1,0723) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9305 (0,9326) Euro.

Die Momentaufnahme könnte Symbolwert haben: Experten sehen im aktuellen Umfeld gute Chancen für den Euro, einen guten Teil seiner Wertverluste aus dem vergangenen Jahr wieder wettzumachen. Hintergrund sind gesunkene Energiepreise sowie geringere Sorgen um die Konjunktur in der Euro-Zone. Diese lassen europäische Aktien und andere Anlagen auf dem alten Kontinent für Investoren gegenwärtig günstig erscheinen.

Hinzu kommt der Ausblick auf die Politik der Notenbanken: Während die US-Notenbank Fed demnächst ihre Zügel wieder lockern und von weiteren starken Zinserhöhungen absehen könnte, stehen bei der EZB wohl erneut deutliche Zinsschritte an. Zuletzt bekräftigten EZB-Vertreter erneut ihre Entschlossenheit, die Leitzinsen im Kampf gegen die Inflation anzuheben. Die Zinsen müssen noch "signifikant steigen", sagte beispielsweise der finnische Notenbankchef Olli Rehn. Höhere Zinsen machen eine Währung für Anleger attraktiver.

Zinsen müssen "signifikant steigen": Der finnische Notenbankchef Olli Rehn sagt, wo es langgeht

Zinsen müssen "signifikant steigen": Der finnische Notenbankchef Olli Rehn sagt, wo es langgeht

Foto: REUTERS

Auch Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau erwartet weitere Schritte nach oben. "Im Jahr 2023 werden in den kommenden Monaten neue Zinsanhebungen in einem pragmatischen Tempo sehr wahrscheinlich notwendig sein, um die Inflation in Richtung zwei Prozent zu bringen", sagte er am Mittwoch im Finanzausschuss des französischen Senats. Was er konkret unter einem pragmatischen Tempo versteht, führte er nicht aus. Villeroy machte aber deutlich, dass aus seiner Sicht die Zinsen inzwischen ein neutrales Niveau erreicht haben.

Die EZB hatte im Juli 2021 die Zinswende vollzogen und seitdem die Schlüsselsätze in vier Schritten um insgesamt 2,50 Prozentpunkte angehoben. Der aktuell an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt inzwischen bei 2,00 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisierte für die nächsten Sitzungen weitere Zinserhöhungen im Umfang von jeweils 0,50 Prozentpunkten wie zuletzt im Dezember. Die nächste Zinssitzung findet am 2. Februar statt.

Dollar unter Druck

Der Dollar steht dagegen unter Druck, weil die Zinserwartungen an die US-Notenbank Fed tendenziell rückläufig sind. Zuletzt ist die US-Inflationsrate von einem hohen Niveau aus gefallen. Auch wirtschaftliche Frühindikatoren haben sich deutlich eingetrübt. Offenbar belasten die bisherigen Zinserhöhungen schon die wirtschaftliche Entwicklung.

Laut Bloomberg erwarten die Finanzmärkte, dass die EZB ihre Zinsen in diesem Jahr noch um weitere 150 Basispunkte anheben wird. Von der US-Notenbank Fed dagegen werden lediglich weitere 60 Basispunkte erwartet.

Analysten räumen dem Euro vor dem Hintergrund weitere Aufwertungschancen ein. Die Deutsche Bank etwa geht ebenso wie Morgan Stanley davon aus, dass der Euro auf bis zu 1,15 Dollar steigen kann. Das Investmenthaus Nomura sagt einen Anstieg auf 1,10 Dollar bis zum Ende des Monats voraus, berichtet Bloomberg.

Eine wichtige Rolle spielt bei der möglichen Wende am Devisenmarkt kurioserweise das Wetter: Der milde Winter hat die Energiepreise fallen lassen. Dadurch hellt sich der Konjunkturhimmel auf. Der Euro hat 2022 erhebliche Verluste erlitten und rutschte gegenüber dem Dollar bis zur Parität ab.

Die Marktteilnehmer warten nun zunächst auf neue US-Inflationsdaten, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Sie gelten als mitentscheidend für den kurzfristigen Kurs der US-Notenbank. Zurzeit ist nicht ganz klar, ob die Fed ihr Zinserhöhungstempo auf der nächsten Sitzung Anfang Februar weiter verringern wird.

Als möglich gilt eine Zinsanhebung im jüngsten Tempo um 0,5 Prozentpunkte oder eine Anhebung um lediglich 0,25 Punkte. Jetzt geht es in die andere Richtung, wobei das Wetter wie ein "Wunder" wirkt, wie Mark McCormick, ein Währungsstratege von TD Securities, laut Bloomberg sagte .

cr/dpa-afx, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.