Gläubigerversammlung Rückschlag für Ex-Prokon-Chef Rodbertus

Für Prokon-Gründer und Geschäftsführer Carsten Rodbertus wird es eng. Das Amtsgericht Itzehoe hat 15.000 Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte ausgeschlossen. Ihr Vertreter Alfons Sattler stehe Rodbertus zu nahe.
Scharfe Kontrolle beim Einlass: Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r.) kommt am Dienstag zur Gläubigerversammlung des Windenergieunternehmens Prokon in eine Messehalle in Hamburg. Tausende Gläubiger müssen über einen Insolvenzplan abstimmen

Scharfe Kontrolle beim Einlass: Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r.) kommt am Dienstag zur Gläubigerversammlung des Windenergieunternehmens Prokon in eine Messehalle in Hamburg. Tausende Gläubiger müssen über einen Insolvenzplan abstimmen

Foto: DPA

Hamburg - Eklat auf der Gläubigerversammlung des insolventen Windparkbetreibers Prokon: Das Amtsgericht Itzehoe schloss nach Darstellung mehrerer Anwälte und der Deutschen Schutzvereinigigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag rund 15.000 Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte aus. Das ist ein Fünftel der Anleger, die Prokon in der Hoffnung auf hohe Renditen Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt hatten.

DSW-Vize Klaus Nieding sagte, das Gericht sei seinem Antrag gefolgt, wonach die Übertragung von Stimmrechten an einen Vertrauten von Prokon-Gründer Carsten Rodbertus gegen Insolvenzrecht verstoße. Die DSW hatte gefordert, die von Alfons Sattler vertretenen Prokon-Gläubiger von der Versammlung auszuschließen. Sattler stehe Prokon-Geschäftsführer Rodbertus zu nahe - für diesen ergebe sich damit ein Interessenkonflikt als Geschäftsführungsorgan sowie als Vertreter von Genussrechten. Der Geschäftsführer müsse eventuell Schadenersatz leisten, teilte die DSW mit, er habe deshalb ein Interesse an der Kontrolle der Versammlung. Die Aktionärsschützer feierte den Ausschluss als Erfolg.

Anwalt Dieter Graefe hingegen, der nach eigenen Angaben etwa 5000 der nicht zugelassenen Anleger vertritt, zeigte sich erzürnt: "Die 15.000 Gläubiger sind damit praktisch rechtlos. Das ist ein verfassungswidriges Vorgehen, das ich noch nicht erlebt habe." Befangenheitsanträge, die gegen eine Rechtspflegerin des Amtsgerichts gestellt worden waren, wurden aber bereits abgelehnt.

Zuvor hatte in zwei Hallen auf dem Hamburger Messegelände die mit Spannung erwartete Versammlung begonnen. Dort versammelten sich mehrere Tausend Gläubiger, um über einen Insolvenzplan für Prokon abzustimmen. Der Zugang zu der Versammlung wurde durch zahlreiche Justizbeamte geregelt. Nieding zufolge waren etwa 7000 Gläubiger anwesend. Einschließlich der durch Vollmachten vertretenen Anleger seien 800 Millionen Euro Kapital präsent gewesen, sagte Nieding.

Mit mehr als 75.000 Gläubigern ist die Prokon-Pleite laut Insolvenzverwaltung das viertgrößte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik.

Investoren werden 40 Prozent ihrer Anlagen in den Wind schreiben müssen

Prokon hatte mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und Straßenbahnen oder durch Postwurfsendungen bei 75.000 Anlegern insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Genussrechtskapital eingesammelt. Das Geld steckte Prokon in Windkraftanlagen. Jährlich flossen 8 Prozent Zinsen. Als viele Anleger angesichts der drohenden Krise ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, geriet das Unternehmen in Schieflage. Seit der Insolvenz müssen die Anleger um ihr Geld bangen. Nach ersten Schätzungen des Insolvenzverwalters werden sie mindestens 40 Prozent ihrer Einlagen in den Wind schreiben müssen.

Drei große Gläubigergruppen hatten sich im Vorfeld für eine Fortführung des Kerngeschäfts von Prokon ausgesprochen. Sie wollten den Verwalter Dietmar Penzlin auf der Versammlung mit der Entwicklung eines Insolvenzplans beauftragen. Die drei größten Gläubigergruppen sind die "Freunde von Prokon", ein Verein von mehr als 7000 Genussrechts-Anleger, sowie die Kleinaktionärsvereine SdK und DSW.

Nervenaufreibendes Tauziehen um die Stimmenmehrheit

In den vergangenen Wochen hatte sich ein beispielloses Tauziehen um die Mehrheit auf der Gläubigerversammlung entwickelt. Firmengründer Rodbertus hatte nach Angaben von Gläubigervertretern in Rundbriefen, Anrufen und über das Internet bei den Anlegern darum geworben, den Insolvenzverwalter abzuwählen. Er wirft Penzlin vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen. Dem hat der Insolvenzverwalter widersprochen. Er will das Kerngeschäft von Prokon fortführen und 300 der zuletzt 450 Arbeitsplätze langfristig erhalten.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und anderer Wirtschaftsdelikte. Der Firmengründer hatte 2013 vergeblich versucht, die Genussrechte-Inhaber dazu zu bewegen, ihr Geld im Unternehmen zu belassen. Nach wochenlangem Ringen stellte das Management im Januar Insolvenzantrag. Im Mai eröffnete das Amtsgericht Itzehoe das Insolvenzverfahren über die Prokon Regenerative Energien GmbH.

ts/luk/rei/rtr
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