Dienstag, 22. Oktober 2019

Der Kampf um die Zinsen Das Imperium schlägt zurück

Darth Vader und die dunkle Seite der Macht

Was hat Darth Vader aus der Star-Wars-Saga mit Donald Trump und was hat Luke Skywalker mit Fed-Chef Jerome Powell zu tun? Mehr als Sie glauben. Nur dass hier nicht mehr mit Lichtschwertern gekämpft wird.

Können Sie sich noch an "Krieg der Sterne" erinnern? Der erste Film der Star-Wars-Saga erschien 1977 und war ein absoluter Kassenschlager. 1980 erschien dann der zweite Teil, "Das Imperium schlägt zurück", der nicht weniger erfolgreich war und später zum besten Film aller Zeiten gewählt wurde. Inhaltlich geht es darum, dass eine Allianz um die beiden Helden Captain Han Solo und Commander Luke Skywalker gegen die bösen imperialen Streitkräfte kämpft, die von dem übermächtigen Darth Vader befehligt werden. Was dieser Film mit der heutigen Situation an den Kapitalmärkten zu tun hat? Eine ganze Menge.

Carsten Klude
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    Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Uns erinnert das Gebaren Donald Trumps und sein Umgang mit dem Präsidenten der US-amerikanischen Notenbank Jerome Powell in gewisser Weise an den damals verfilmten epochalen Kampf zwischen Gut und Böse. Will nicht erneut Darth Vader, alias Donald Trump, Luke Skywalker, alias Jerome Powell, auf die dunkle Seite der Macht ziehen?

Statt mit Lichtschwertern wird heute jedoch mit Worten gekämpft. So erhöht der US-Präsident fast täglich den Druck auf den Chef der Federal Reserve, um diesen dazu zu bewegen, möglichst schnell und deutlich die Zinsen zu senken. Kommt die Notenbank dieser Forderung nicht nach, droht der US-Präsident unverhohlen damit, Powell zu entlassen, weil dieser einen schlechten Job gemacht habe. Während andere Notenbanken ihre Geldpolitik einsetzten, um ihre Währungen zu schwächen und sich damit ungerechtfertigte Vorteile gegenüber den USA zu verschaffen, schaue die Fed diesem Treiben nur tatenlos zu.

Dabei hatte sich Trump während seines Wahlkampfs im Jahr 2016 noch darüber beschwert, dass die Notenbank die Zinsen künstlich zu tief halte, angeblich um damit US-Präsident Obama zu helfen. Janet Yellen, die damals die Fed führte, solle sich schämen, schließlich schade ihre Geldpolitik den US-Bürgern, die für ihr Erspartes keine Zinsen mehr bekämen.

Von daher hätte sich Donald Trump über die Zinserhöhungen seiner Notenbank während seiner Amtszeit doch eigentlich freuen sollen. Zumal er mit seiner Politik der Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen im vergangenen Jahr selbst die meiste Munition für höhere Leitzinsen geliefert hat. Während der Rest der Welt unter dem von ihm initiierten Handelsstreit litt, war in den USA bis Ende des vergangenen Jahres die Welt unter Wachstumsgesichtspunkten noch in Ordnung. Von daher gab es für die Notenbank auch gute Gründe, die Zinsen weiter zu erhöhen. Zumal ein wichtiges Ziel der Notenbank immer darin bestand, mit höheren Zinsen Handlungsfähigkeit für den Fall einer konjunkturellen Abschwächung zurückzuerlangen. Dies scheint nun der Fall zu sein.

Einige Argument sprechen für Zinssenkung in den USA schon zum 31. Juli

Denn mittlerweile haben sich auch in den USA viele konjunkturelle Frühindikatoren abgeschwächt. Einkaufsmanagerindizes, Auftragseingänge und Industrieproduktion haben seit Ende vergangenen Jahres den Rückwärtsgang eingelegt. Das Wirtschaftswachstum betrug im ersten Quartal 2019 zwar noch mehr als 3 Prozent, doch war dies vor allem auf einige Sonderfaktoren zurückzuführen. Im zweiten Quartal dürfte es bei nur noch 2 Prozent liegen, und eine weitere Wachstumsverlangsamung im Verlauf des Jahres ist wahrscheinlich. Noch spricht zwar nichts für eine Rezession, doch eine ausbleibende Einigung im Handelsstreit mit China würde den Abwärtsdruck auf die US-Wirtschaft erhöhen. Immun gegen eine globale Wachstumsschwäche sind die USA nämlich nicht.

Deswegen werden Jerome Powell und seine Kollegen den Leitzins wohl schon am 31. Juli senken. Schließlich ist auch die Inflationsrate auf 1,5 Prozent gesunken, und in den kommenden Monaten wird sie noch niedriger ausfallen. Von daher spricht aus unserer Sicht vieles für eine Zinssenkung von 50 Basispunkten, da aufgrund des vergleichsweise geringen Zinssenkungsspielraums ein schnelles und beherztes Eingreifen der Notenbank sinnvoll ist. Zudem hat die Fed auch ihre letzten beiden Zinssenkungszyklen in den Jahren 2001 und 2007 mit großen Schritten von jeweils 50 Basispunkten begonnen.

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Eine solche Entscheidung würde vielleicht Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed aufwerfen, weil man unterstellen könnte, dass sie sich schlussendlich dem Druck des Präsidenten beugt. Allerdings halten wir dieses Argument für wenig valide, weil es bereits jetzt so aussieht, als ob sich die Geldpolitik "hinter der Kurve" befindet. Trump könnte zwar triumphieren, möglicherweise hat er aber mit seinem Verhalten sogar eine frühere Zinssenkung der Fed verhindert.

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