Donnerstag, 14. November 2019

Der Kampf um die Zinsen Das Imperium schlägt zurück

Darth Vader und die dunkle Seite der Macht

2. Teil: Darum werden die Kapitalmarktrenditen tendenziell weiter fallen

Aber nicht nur in den USA, auch in der Eurozone stehen die Zeichen auf Zinssenkung. Mario Draghi, oder in Analogie zu den Star-Wars-Filmen, Han Solo, hat auf seiner im portugiesischen Sintra gehaltenen Rede keinen Zweifel daran gelassen, wohin die Reise bei den Zinsen gehen wird. Ähnlich deutlich wie 2012 mit seiner legendären "Whatever it takes"-Rede hat er für das weitere Vorgehen der EZB klare Pflöcke eingeschlagen:

Ohne eine Verbesserung der Konjunkturdaten und gleichzeitig höhere Inflationsraten wird die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockern. Schon auf der nächsten Sitzung am 25. Juli, aber wohl spätestens am 12. September, könnte sie die Entscheidung treffen, den Einlage- und den Leitzins um 10 Basispunkte zu reduzieren Zudem halten wir es für sehr wahrscheinlich, dass das Anleiheaufkaufprogramm wieder aufgenommen wird.

Chart der Woche | KW28 | Leitzins USA

Die Wiederaufnahme des QE-Programms ist allerdings mit einigen Hürden verbunden. Bislang hat die EZB im Rahmen ihres Asset-Purchase-Programs Anleihen im Volumen von gut 2,5 Billionen Euro aufgekauft. Der Großteil, nämlich 2,1 Billionen Euro, entfällt auf Staatsanleihen, 260 Milliarden Euro auf Covered Bonds und knapp 180 Milliarden Euro auf Unternehmensanleihen.

Der weitere Ankauf von Staatsanleihen gestaltet sich aber schwierig: Zum einen deshalb, weil die Europäische Zentralbank Staatsanleihen der verschiedenen Länder der Euro-Zone in Anlehnung an den Kapitalschlüssel (dieser regelt den prozentualen Anteil der nationalen Notenbanken am Eigenkapital der EZB) kauft. Zum anderen, weil sich die EZB eine Obergrenze von 33 Prozent gesetzt hat, bis zu der sie ausstehende Schuldtitel eines Landes kaufen kann.

Dies führt dazu, dass die EZB beispielsweise kaum noch deutsche Bundesanleihen kaufen könnte. Würde sie diesen Anteil erhöhen, gäbe es wohl sehr schnell neue Diskussionen zu der Frage, ob die EZB nicht direkte Staatsfinanzierung betreibt, die nach den EU-Verträgen verboten ist. Deutlich einfacher wäre es für die EZB dagegen, weitere Unternehmensanleihen zu kaufen. Allerdings ist dieses Marktsegment weniger liquide.

Die Kapitalmarktrenditen werden tendenziell eher fallen

Was bedeutet dies für Anleger?

  • Die EZB hat angekündigt, den Leitzins mindestens bis Sommer 2020 nicht zu erhöhen. Wir gehen sogar davon aus, dass die Zinsen noch deutlich länger nicht erhöht werden. Von daher werden auch die Kapitalmarktrenditen nicht steigen, sondern zunächst weiter fallen.
  • Wir reduzieren unsere Zinsprognose für 10-jährige Bundesanleihen zum Jahresende auf -0,50 Prozent und für 10-jährige US-Tresauries auf 1,50 Prozent.
  • Unter diesen Voraussetzungen ist es sinnvoll, die Duration eines Anleihenportfolios zu verlängern. Die Aussage, dass sich wegen der niedrigen Zinsen mit Anleihen kein Geld verdienen lasse und sich aus diesem Grund nur Aktien lohnen ("TINA": There is no alternative), ist schlichtweg falsch. Sinkt die Rendite einer 10-jährigen Anleihe von -0,3 auf -0,5 (-1,0) Prozent, ergibt sich binnen eines Jahres eine positive Wertentwicklung von 1,8 (7,1) Prozent.
  • Eine traditionelle Buy-and-Hold-Anlagestrategie macht bei negativen Renditen keinen Sinn, damit betreibt man aktive Wertvernichtung. Aktives Management ist gefragt.
  • Kapitalmarktaffine Fans von "Das Imperium schlägt zurück" müssen sich keine Sorgen machen: Im Unterschied zum Film, in dem Darth Vader zum Schluss Luke Skywalker offenbart, sein Vater zu sein, ist dies bei Trump und Powell unmöglich: der Altersunterschied der beiden beträgt nur sieben Jahre.
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