Dienstag, 25. Februar 2020

Diamantenindustrie in der Krise Diamanten - schönes Geschenk, fragwürdiges Investment

Begehrt als Schmuck, aber weniger als Geldanlage: Ein teurer Diamant

Als Fingerring, als Ohrring, als Anhänger für die Halskette - Diamanten sind in vielen Fällen als Weihnachtsgeschenk bestens geeignet. Aber sind sie auch eine gute Geldanlage? Der Zeitpunkt für diese Frage könnte der richtige sein, denn der Diamantenmarkt durchläuft seit Monaten eine ziemlich schwierige Zeit, mit flächendeckend fallenden Preisen. In dieser Woche meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg ein "Horrorjahr" für das weltgrößte Diamantenunternehmen De Beers mit Sitz in Luxemburg. Aus Sicht eines Investors erscheint der Moment zum Einstieg also möglicherweise günstig.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain & Company, die einen Überblick über die aktuelle Lage der Diamantenindustrie gibt, deutet ebenfalls in diese Richtung. Demnach schwächelte im gesamten Jahr 2019 die Nachfrage nach Diamanten vor allem aus zwei Gründen:

Zum einen verunsicherten geopolitische Spannungen wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie Konjunktursorgen das Vertrauen der Käufer. Zum anderen sorgte die fortschreitende Digitalisierung des Edelsteinhandels für einen Abbau von Lagerbeständen. Hinzu kamen laut Bain noch Finanzierungsengpässe, die die Branche ebenfalls beeinträchtigt haben.

Die Folge waren Umsatzrückgänge für Diamantunternehmen im zweistelligen Prozentbereich. Die De Beers Group etwa, weltgrößter Produzent und Händler mit Sitz in Luxemburg, verzeichnete schon im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatzminus von 17 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn des Unternehmens, das sich mehrheitlich im Besitz des Minenkonzerns Anglo American Börsen-Chart zeigen befindet, sank zugleich um 27 Prozent auf 518 Millionen Dollar.

Kurz vor Ende des Jahres ist nun klar: Auch in der zweiten Jahreshälfte hat sich die Situation für De Beers nicht verbessert. Laut Bloomberg sank der Absatz des Diamantenkonzerns gegenüber dem Vorjahr um beinahe 1,4 Milliarden Dollar auf etwa vier Milliarden Dollar.

Ein Grund dafür: Auch die Diamantenpreise befanden sich 2019 auf Talfahrt. Das zeigt beispielsweise ein Blick auf den vielbeachteten Preisindex des Analysehauses Rapaport, der Anfang Dezember auf Sicht der vergangenen zwölf Monate - je nach Größe der Steine - Wertverluste im zum Teil ebenfalls zweistelligen Prozentbereich konstatierte.

Für Branchenteilnehmer mögen das alles schlechte Nachrichten sein - Investoren können jedoch auf den Gedanken kommen, die Lage anders zu beurteilen. Schließlich gibt es kaum einen besseren Zeitpunkt für einen Markteinstieg als den Tiefpunkt einer Krise - jedenfalls, wenn es Aussichten auf Besserung gibt. Und die Perspektive der Diamantenbranche wird von Fachleuten durchaus positiv beurteilt.

Die Beratungsgesellschaft Bain etwa schreibt in ihrer Studie, historisch betrachtet habe sich der Markt meist innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder erholt. Innerhalb der vergangenen 50 Jahre sei es überhaupt nur eine Handvoll mal zu solchen Krisen gekommen, so Bain. Im gleichen Zeitraum habe sich der weltweite Umsatz mit Rohdiamanten jedoch verdreifacht, und die Preise seien insgesamt ebenfalls enorm gestiegen. Im kommenden Jahr sei zwar noch nicht mit einer breiten Erholung zu rechnen, so das Fazit der Studie. Ab 2021 stehe jedoch wieder Wachstum bevor.

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