Brexit-Blues bei Investoren Riesendiamant bleibt unverkauft - Megaauktion wird Megaflop

Schätzpreis 70 Millionen Dollar: Der Rohdiamant "Lesedi La Rona" fand am Mittwoch in London keinen Käufer

Schätzpreis 70 Millionen Dollar: Der Rohdiamant "Lesedi La Rona" fand am Mittwoch in London keinen Käufer

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Lag es am bevorstehenden Brexit, der zurzeit die Welt in Ausnahmezustand versetzt und auch bei der Klientel für Top-Luxusgüter für Einbußen gesorgt hat? In London sollte am Mittwochabend der weltgrößte Rohdiamant, der "Lesedi La Rona", versteigert werden - doch das Vorhaben misslang. Bei der Versteigerung durch das Auktionshaus Sotheby's fand sich lediglich ein Maximalgebot von 61 Millionen Dollar. Das war dem Anbieter, der Minengesellschaft Lucara aus Kanada, zu wenig.

Deren Riesenstein war im Vorfeld auf 70 Millionen Dollar (63 Millionen Euro) geschätzt worden. Doch so viel wollte nach den Einbrüchen und Kursverlusten an den Finanzmärkten in den Tagen nach dem britischen Brexit-Votum offenbar niemand auf den Tisch legen. Selbst in der super-vermögenden Zielgruppe, die mit der Auktion angesprochen werden sollte, war der Preis nicht zu erzielen.

Dass der Brexit-Schock schuld am Auktionsdebakel sein könnte, ist zwar nicht sicher. Vieles spricht aber dafür. Schließlich waren noch vor Wochen Rekordpreise mit besonderen Diamanten erzielt worden.

"Ich glaube, es lag definitiv am Referendum", sagt daher Diamanten-Analyst Paul Zimnisky. Diejenigen, die für den Kauf eines solchen Steins in Frage kämen, hätten in ihren Investmentdepots seit der Brexit-Entscheidung wahrscheinlich viel Geld verloren, so der Experte.

Auch Ulrich Freiesleben von der Diamantenbörse Diamondax.com sieht die allgemeine Verunsicherung als Grund. Zusätzlich spiele eine Rolle, dass es womöglich Interessenten aus der Branche gebe, die sich noch bedeckt halten, etwa, weil sie sich noch nicht darüber im Klaren seien, wie sie diesen außergewöhnlichen Rohdiamanten letztendlich verarbeiten wollten.

Zudem hat sich Freiesleben in der Branche umgehört und auch mit Leuten gesprochen, die den "Lesedi La Rona" schon persönlich in der Hand gehalten haben. Es gebe durchaus Zweifel, sagt der Fachmann, dass die Farbe des Steins tatsächlich von der Topqualität sei wie behauptet.

Auf der anderen Seite gibt sich der Anbieter Lucara gelassen. "Wir mussten herausfinden, ob es einen Markt gibt, auf dem Leute, die hunderte Millionen Dollar für einen Picasso ausgeben, auch den Wert eines Rohdiamanten erkennen", zitiert der kanadische Sender CBC den Unternehmenschef William Lamb. Lamb sei zwar enttäuscht, er habe nun aber zumindest eine genauere Vorstellung davon, welchen Wert die Leute dem Stein beimessen.

Lucara verstößt gegen die Branchenregeln

Bei dem zur Auktion gestellten Riesenedelstein handelt es sich um den rund 1110 Karat schweren "Lesedi La Rona", den Lucara im November vergangenen Jahres in einer Mine in Botswana gefunden hat. Es ist nach dem legendären "Cullinan" der zweitgrößte Diamant, der jemals zu Tage gefördert wurde. Der "Cullinan" wurde mit 3106 Karat 1905 in Südafrika entdeckt und inzwischen in mehrere Steine gespalten, von denen einige Teil der britischen Kronjuwelen sind.

Mit der Auktion vom Mittwoch hatte Lucara von vornherein mit einer Tradition in der Diamantenbranche gebrochen. Denn Rohdiamanten werden üblicherweise nicht öffentlich versteigert, sondern hinter verschlossenen Türen lediglich von Profis begutachtet und gehandelt.

Mit der Entscheidung, den "Lesedi La Rona" zur Auktion zu bringen, wollte Lucara der aktuell hohen Nachfrage besonders reicher Interessenten nach prestigeträchtigen Luxusgütern Rechnung tragen. In der Vergangenheit waren dadurch auch die Auktionspreise für Oldtimer oder Kunstwerke in die Höhe getrieben worden. Die Preise für Luxusimmobilien an besonders begehrten Standorten wie Manhattan oder London sind vor dem Hintergrund in den vergangenen Jahren ebenfalls gestiegen.

Zudem wurden auf Auktionen in jüngster Zeit bereits enorme Preis für Edelsteine erzielt. Im Mai dieses Jahres etwa wurde in Genf der "Oppenheimer Blue", ein 14,6-karätiger blauer Diamant, für 57,6 Millionen Dollar versteigert. Es ist bisher der höchste Preis, der auf einer Versteigerung für einen geschliffenen Diamanten gezahlt wurde.

Diamantenpreise unter Druck

Tags zuvor hatte im Mai ebenfalls in Genf bereits der "Unique Pink" (15,38 Karat) einen Preis von knapp 27,8 Millionen Euro erzielt. Der "Blue Moon Diamond" ging zudem im vergangenen November beim Auktionshaus Sotheby's für 48,6 Millionen Dollar an den Immobilienmillionär Joseph Lau aus Hongkong, zu der Zeit ebenfalls ein Weltrekordpreis. Lau benannte den Stein um in "Blue Moon Josephine".

"Warum also nicht auf diese Strategie setzen", so Lucara-Chef Lamb im Vorfeld der Versteigerung vom Mittwochabend. Schon vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen anders als in der Branche sonst üblich einen 813-Karat-Rohdiamanten auf dem Privatmarkt veräußert und einen Preis von 63 Millionen Dollar erzielt.

Dass der Verkauf solcher Trophy-Luxusstücke kein Selbstläufer ist, war allerdings schon vorab erkennbar. Denn während beispielsweise die Spitzensteine weiterhin Toppreise erzielen, befinden sich die Preise für kleinere Diamanten seit einiger Zeit unter Druck.

Für die Auktion hatte sich Lucara daher nicht nur mit dem Versteigerungshaus Sotheby's zusammengetan, sondern auch mit der Schweizer Bank Julius Bär, die ihre vermögende Klientel für einen Kauf erwärmen sollte.

Zu dem Zweck hatte die Bank Berichten zufolge einige Kunden eigens eingeladen, den Stein in Augenschein zu nehmen. Lucara-Chef Lamb sei zudem im Vorfeld der Auktion rund um den Globus gereist, um für das wertvolle Stück zu werben. Dabei machte Lamb unter anderem Station in Dubai, Hongkong, Singapur, London, Paris sowie der Diamanten-Hochburg Antwerpen.

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Die Enttäuschung am Mittwochabend ist indes nicht der erste Versteigerungsflop seit der Brexit-Entscheidung der Briten. Eine Kunstversteigerung, die das Auktionshaus Phillips bereits am Montagabend ebenfalls in London abhielt, hatte auch schon enttäuschende Ergebnisse gebracht.

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