Donnerstag, 21. November 2019

Schwarmfinanzierung - erste Immo-Pleite in Berlin Dämpfer für rasant wachsende Immobilien-Crowd

Bauarbeiter in Berlin: Crowd-Fans stecken viele Millionen in Immobilienprojekte - jetzt wurde erstmals für eins davon Insolvenz beantragt

2. Teil: Projektentwickler verliert wichtigen Manager, Bau in Berlin verzögert sich

Hinzu kommt: Die Investoren finanzieren die Projekte im Crowdfunding in der Regel per sogenanntem Nachrangdarlehen. Dabei gibt es zwar formal eine feste Verzinsung, die den Geldgebern in Aussicht gestellt wird. Im Falle von "Luvebelle" etwa sollten die Anleger größtenteils 7 und zum Teil sogar 9 Prozent auf ihren Einsatz erhalten, fällig im Oktober dieses Jahres. Das Ausfallrisiko existiert aber, wie das aktuelle Beispiel zeigt, dennoch. Und ein Recht auf Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen - etwa in kritischen Phasen - haben die Gläubiger solcher Darlehen nicht.

Alles in allem handelt es sich daher beim Crowdfunding um eine Geldanlage mit vergleichsweise hohem Risiko - und das Beispiel "Luvebelle" scheint zu bestätigen, dass das keineswegs nur theoretische Überlegungen sind.

Wie Zinsland-Chef Carl von Stechow im Gespräch mit manager-magazin.de sagt, kann er sich die Insolvenzanträge für zwei am Projekt beteiligte Gesellschaften selbst nach einem Gespräch mit dem Geschäftsführer dieser Firmen, der die Anträge eingereicht hat, nicht erklären. Zinsland habe den Projektentwickler, einen erfahrenen Architekten aus München, vorab eingehen unter die Lupe genommen, so von Stechow. Das Vorhaben "Luvebelle" sei zu jeder Projektphase mit eher konservativen Eigenkapitalquoten eigentlich nicht nur solide finanziert, sondern sogar bereits vollständig verkauft: Ein Fonds wolle die Apartments für insgesamt acht Millionen Euro abnehmen und zahle die Summe Zug um Zug je nach Baufortschritt.

Pleite unerklärlich

Zwar sei dem Projektentwickler zuletzt sein kaufmännischer Leiter abhanden gekommen. Zudem habe es auf der Baustelle in Berlin-Tempelhof wegen Schwierigkeiten mit der Entsorgung von Styropor-Altlasten Bauverzögerungen von zeitweise drei Monaten gegeben. All das alleine kann laut von Stechow die drohende Pleite aber kaum erklären.

Ziel sei es nun, so von Stechow, den Bau von "Luvebelle" am Laufen zu halten und die Pleite doch noch abzuwenden, damit die Geldgeber letztendlich zu ihrer Rendite kommen.

Kritiker von Crowd-Investments dürften sich durch die Entwicklung bei "Luvebelle" dennoch bestätigt sehen. "Heute werden Immobilienfundings von Anlegern völlig unkritisch gezeichnet", schreibt beispielsweise Geldanlage-Analyst Stefan Loipfinger auf seiner Website Investmentcheck.de. "Dabei sind diese häufig hoch spekulativ, da nicht selten 80 bis 85 Prozent des Kapitals über Bankdarlehen fließen."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Während diese Bankkredite vorrangig bedient werden, ist auf der anderen Seite auch der Puffer in Form von Eigenkapital mit 2 bis 5 Prozent häufig "sehr dünn", so Loipfinger. Die Folge: Bereits kleinste Wertminderungen bei der Immobilie können sich heftig auf das Crowdkapital der Anleger auswirken. "Angesichts dieser Risiken relativieren sich Verzinsungschancen von 4 bis 7 Prozent sehr schnell", meint der Branchenkenner.

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