Montag, 19. August 2019

Container als Geldanlage Big-Blackbox-Business

Vorsicht beim Containerkauf: Was Anleger beachten müssen
DPA

8. Teil: Warum sich eine Anlagefirma bei Ole von Beust beschwerte

Doch zurück zur Containerbeschaffung: Bei einer weiteren Anekdote dazu gibt es gleich eine ganze Reihe von Protagonisten, von einem früheren Anbieter von Containerfonds namens Michael Schröder über einen Geschäftsmann namens Jörn Reinecke bis hin zum ehemaligen Ersten Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust.

Was ist geschehen? Das Emissionshaus Schröder & Co. setzte vor mehr als einem Jahr die Auflösung zweier Fonds in Gang. Den Beteiligungsgesellschaften gehörte unter anderem ein Containerportfolio im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar, das es nach den Gepflogenheiten der Branche zu versteigern galt.

Als Sieger aus dem Bieterwettstreit ging im Laufe des vergangenen Jahres der Hamburger Jörn Reinecke hervor, der ansonsten im Containergeschäft kaum zu Hause ist. Reinecke ersteigerte die Container über eine eigens gegründete Firma namens Blue Seas, um sie dann zum Teil als Direktinvestment weiterzuvermarkten. Über seine Firma Boxdirect sowie die CH2 AG sollen noch bis Mitte dieses Jahres mit den Transportbehältern insgesamt 60 Millionen Euro eingeworben werden.

Soweit, so unspektakulär. Unter den Anbietern von Container-Investments, von denen sich einige ebenfalls an der Versteigerung beteiligt hatten, sorgte der Deal jedoch für einige Aufregung. Denn sie glauben, dass er ein Geschmäckle hat.

Wurde bei der Versteigerung geschoben?

Das Emissionshaus Schröder & Co. nämlich firmiert in Hamburg unter der Adresse Große Elbstraße 45 - genau wie die Boxdirect des siegreichen Bieters Reinecke. Eine Recherche ergibt zudem, dass Schröder & Co.-Chef Michael Schröder sowie Reinecke früher in anderen Unternehmen gemeinsam aktiv waren.

Wurde da also geschoben? In Hintergrundgesprächen weisen Personen, die die Transaktion aus der Nähe verfolgen konnten, diesen Verdacht entschieden zurück. "Die Container wurden im Rahmen einer Ausschreibung verschiedenen Interessenten angeboten", schreibt zudem Michael Schröder an manager magazin online. "Das höchste Gebot im Rahmen der Ausschreibung wurde von Blue Seas abgegeben." Seine Gesellschaften und er persönlich, so Schröder weiter, stünden in keinerlei "gesellschaftsrechtlicher Verbindung zu Blue Seas, zu Box Direct oder zu CH2". Jörn Reinecke konnte eine Anfrage zu dem Bieterverfahren urlaubsbedingt nicht beantworten.

Die unterlegenen Konkurrenten allerdings lassen sich dadurch nicht beruhigen. Im Gegenteil: Nach Abschluss der Auktion machten sie ihrem Ärger nach Informationen von manager magazin online gleich an mehreren Adressen Luft.

Ins Visier geriet dabei unter anderem ein prominenter Hamburger, der im Kapitalanlagegeschäft bisher kaum in Erscheinung getreten war: der frühere Regierungschef der Hansestadt, Ole von Beust.

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