Dienstag, 20. August 2019

Container als Geldanlage Big-Blackbox-Business

Vorsicht beim Containerkauf: Was Anleger beachten müssen
DPA

5. Teil: Geheimnisvolle "Schatteninvestments"

Auch den Verweis auf das Preisniveau am freien Markt, dokumentiert häufig durch Daten von Informationsdiensten wie Drewry oder Containerisation International, lässt der anonyme Marktteilnehmer nicht gelten. Solche Zahlen seien unzuverlässig, sagt er. Keine Container-Leasinggesellschaft der Welt und keine Reederei ließen nach seinen Angaben jemals Preise oder Mieten aus realen Verträgen öffentlich werden.

Bleibt immer noch ein Verdacht, der bereits so alt ist, wie das Geschäft mit Container-Direktinvestments selbst: Die Firmen, so wird am Markt gemunkelt, könnten überschüssige Gelder, die ihnen aufgrund der ambitionierten Preiskalkulation zufließen, nutzen, um heimlich zusätzliche Investments zu tätigen. Auf diese Weise würden Einnahmen erzielt, die zum Teil die Rendite der Anleger stützten, zum Teil aber auch in anderen Taschen landen könnten.

Je nachdem, mit wem man in der Branche spricht, wird das Gerücht entweder bekräftigt oder heftig dementiert. Dabei ist klar: Würden die Anbieter ihre Karten auf den Tisch legen und die eigene Kalkulationen öffentlich machen, gäbe es wohl kaum noch Raum für solche Mutmaßungen - oder sie würden bestätigt.

Ein Unternehmen, das beim Thema Intransparenz beinahe zwangsläufig ins Blickfeld gerät, ist Solvium Capital, ansässig in Hamburg. Die Firma geht im Vergleich mit der Konkurrenz einen Sonderweg. Solvium verkauft seine Container nicht nur mit einem Preis von 4000 Euro besonders teuer. Es verspricht auch, die Kisten nach Ende der Laufzeit von mindestens drei Jahren zum exakt gleichen Preis wieder zurückzunehmen.

Solvium geht einen Sonderweg

Kauf und Rückkauf zum gleichen Preis, dazwischen noch Mietzahlungen - wie kann das gehen? Jeder Anleger, der das Angebot von Solvium auf den Tisch bekommt, muss sich zwangsläufig diese Frage stellen. Die Antwort darauf sucht er in den Verkaufsunterlagen von Solvium jedoch vergeblich. Auch auf der Internetseite findet sich nichts davon.

Die Lösung verrät Solvium-Geschäftsführer Marc Schumann im Gespräch mit manager magazin online. Demnach sammelt das Unternehmen bei Anlegern bewusst deutlich mehr Geld ein, als für den Kauf eines Containers erforderlich wäre. Die überschüssige Liquidität, so Schumann, nutzt Solvium, um neben dem offiziellen Bestand an Boxen noch einen Parallelbestand aufzubauen. Die Einnahmen dieser zusätzlichen Container, sagt der Firmenchef, werden genutzt, um Marktschwankungen auszugleichen und den Cash-flow an die Anleger zu glätten sowie die hundertprozentige Rückzahlung sicherzustellen.

Kurzum, die "Schatteninvestments", die bei anderen Anbietern seit Jahren vermutet werden, macht Solvium also ganz offiziell. Die Information darüber allerdings streut das Unternehmen lediglich über einzelne Medien oder auf Anfrage. Warum davon in den Verkaufsunterlagen sowie auf der Website nichts zu finden ist, kann der Firmenchef nicht recht erklären.

Und damit nicht genug: Solvium wirbt auch mit einem besonderen Sicherheitskonzept um die Gelder der Anleger. Dazu gehören nach Angaben des Unternehmens zum Beispiel eine Verkaufsoption für Container an ein externes Handelshaus sowie eine Versicherung von Mieteinnahmen über die Firmen Atradius und Coface.

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