Mittwoch, 21. August 2019

Container als Geldanlage Big-Blackbox-Business

Vorsicht beim Containerkauf: Was Anleger beachten müssen
DPA

4. Teil: Was Käufer über den Preis wissen sollten

Wer eine Offerte zum Containerkauf richtig beurteilen will, muss diese und viele weitere Fragen zunächst klären. Und das ist nicht immer einfach. Denn der Markt und die Geschäftsmodelle der Anbieter entpuppen sich bei genauer Betrachtung mitunter als extrem intransparent. Was mit dem Geld der Investoren wirklich passiert, ist in vielen Fällen völlig unklar, weil die Firmen dazu keine detaillierten Angaben machen.

Zwischen den Preisen etwa, zu denen die Anleger die Boxen erwerben können, gibt es von Anbieter zu Anbieter teils erhebliche Differenzen. Gleiches gilt für die Mietzahlungen sowie für die kalkulierten Rückkaufpreise. Erscheinen beispielsweise die Preise bei Buss Capital oder CH2 vergleichsweise niedrig, so liegen P&R oder Magellan offenbar teils deutlich darüber.

Die Frage ist nur: Was bedeutet das für den Investor? Hört man sich am Markt um, so gibt es dazu verschiedene Versionen.

Rückkaufpreise, die deutlich über jenen liegen, die im freien Containerhandel zu erzielen seien, seien riskant, sagt beispielsweise Dirk Baldeweg, Containerexperte von Buss Capital. Denn sollte das Emissionshaus, das den hohen Rückkaufpreis verspreche, einmal ausfallen, so gebe es praktisch niemanden, der einen solchen Preis zahle. Der Anleger stünde also zwangsläufig mit Verlusten da.

Eine Beinahe-Pleite gab es schon

Die Gefahr erscheint nachvollziehbar: Längst nicht jedes der derzeit aktiven Unternehmen verfügt bereits über einen so langen Trackrecord wie P&R. Einige Anbieter sind erst vor kurzem am Markt erschienen - nicht auszuschließen, dass sie genauso schnell auch wieder verschwinden. Ob der Rückkaufpreis in den Angebotsunterlagen als feste Zusage angegeben wurde, oder lediglich als unverbindliche Voraussage, dürfte dann wohl kaum noch eine Rolle spielen.

Und wer sich eine Pleite in diesem Markt nicht vorstellen kann, sei an die Hamburger Anlagefirma DTF erinnert. Das Unternehmen verkauft ebenfalls Container-Direktinvestments, musste aber vor einigen Jahren beinahe die Waffen strecken, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das DTF 2009 an Anleger verschickte. Dem Schreiben zufolge mussten die DTF-Kunden Vertragsänderungen zustimmen, um die drohende Pleite zu verhindern.

(Anm. d. Red.: In einer ursprünglichen Version des Textes hießt es irrtümlich, DTF habe vor einigen Jahren die Waffen strecken müssen. Tatsächlich hat DTF die im Jahr 2009 drohende Pleite aber noch abwenden können)

Aktuelle Container-Investmentofferten
Anbieter Produkt / Containertyp Kaufpreis Miete* kalkulierter Rückkaufpreis Laufzeit (Jahre) Mindest-abnahme (Stück)
Buss Capital "Buss Container 35", 20-Fuß-Standard, neu 2300 Dollar 0,55 Dollar 1960 Dollar 3 4
CH2 "No. 112", 40-Fuß-High-Cube, gebraucht 2380 Euro 0,6562 Euro 1690 Euro 5 3
Magellan "DI2014-02001", 40-Fuß-High-Cube, neu 3890 Euro 1,34 Euro 2620 Euro 5 2
P&R "Nr. 283", 20-Fuß-Standard, neu 2600 Euro 0,68 Euro 1850 Euro 5 4**
Solvium "Protect 4", 40-Fuß-High-Cube, gebraucht 4000 Euro 0,48 Euro 4000 Euro 3, 5
oder 7
keine
*pro Tag und Container
**für Neukunden
Dass sie zu hohe Preise kalkulieren, wollen Firmen wie P&R oder Magellan auf der anderen Seite jedoch nicht auf sich sitzen lassen. Im Gespräch mit manager magazin online wundert sich vielmehr ein Vertreter dieser Fraktion, der namentlich nicht genannt werden möchte, über die Kalkulation der günstigeren Konkurrenz.

Einige der Preise, die sich zurzeit in den Kalkulationen fänden, seien bestenfalls "Ab-Werk" zu erzielen, sagt er. Da seien aber verschiedene Posten noch nicht einkalkuliert, wie zum Beispiel: Vertriebsprovisionen, Gewinnmargen, Transportkosten für die Anlieferung bei der mietenden Reederei, Währungsabsicherung, Vorfinanzierung und anderes. Wie solche Offerten möglich seien, so der Branchenkenner, sei ihm schleierhaft.

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