Weltgrößte Krypto-Plattform Coinbase geht an die Börse - was Anleger wissen müssen

Mit Coinbase startet die größte US-Plattform für den Handel von Kryptowährungen an der Nasdaq. Angesichts der Bitcoin-Hausse laufen die Geschäfte des Unternehmens blendend. Doch Anleger sollten die Risiken beachten.
Bitcoin im Fokus: Coinbase macht als Handelsplattform für Kryptowährungen momentan blendende Geschäfte

Bitcoin im Fokus: Coinbase macht als Handelsplattform für Kryptowährungen momentan blendende Geschäfte

Foto: imago images/Political-Moments

Am Mittwoch ist es so weit: Coinbase, die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen, startet an der US-Techbörse Nasdaq. Geplant ist eine Direktplatzierung von mehr als 100 Millionen Aktien, ein kostengünstiges Verfahren also, bei dem auf die Begleitung durch Investmentbanken sowie auf ein Preisbildungsverfahren verzichtet wird.

Die erste Kursindikation an der Nasdaq lag am Mittwoch bei 340 US-Dollar. Die Nasdaq hatte zuvor einen Referenzpreis von 250 Dollar für die Coinbase-Aktien angesetzt. Da Coinbase allerdings keinen klassischen Börsengang durchführt, ist dieser Referenzpreis kein zuverlässiger Indikator für den Aktienkurs und die Marktkapitalisierung. Beobachter halten es für möglich, dass Coinbase noch in dieser Woche einen Marktwert von 100 Milliarden Dollar erreichen kann.

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Coinbase wird an der Nasdaq unter dem Kürzel "COIN" gelistet werden, und zwar mit einem vom Start weg beachtlichen Gewicht: Rund 91,5 Milliarden Dollar sei das Unternehmen bereits wert, berichtet das "Wall Street Journal " mit Verweis auf Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC. Der Börsengang ist ein Meilenstein für den aufstrebenden Markt für Kryptowährungen, der noch immer um seinen Platz in der etablierten Finanzwelt kämpfen muss.

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Der Zeitpunkt könnte für Coinbase besser kaum sein: Angesichts der seit Monaten laufenden Hausse der Kryptowährungen konnte die Handelsplattform jüngst bemerkenswerte Geschäftszahlen für das erste Quartal vorlegen. So stieg die Zahl der aktiven Nutzer innerhalb der drei Monate um 13 Millionen auf 56 Millionen. Der Umsatz betrug 1,8 Milliarden Dollar - gegenüber 191 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Den Gewinn für die Monate Januar bis März 2021 taxiert Coinbase auf 730 bis 800 Millionen Dollar - selbst am unteren Ende wäre das mehr als das Doppelte des Profits des gesamten Vorjahres. Die Folge: Coinbase Chef Brian Armstrong (37) ist derzeit einer der bestbezahlten CEOs der Welt.

Hintergrund des jüngsten Geschäftserfolges ist der Aufschwung, den die Preise von Bitcoin und anderen Kryptowährungen seit Monaten erleben. Getrieben durch zunehmendes Interesse von Hedgefonds und institutionellen Investoren sowie durch Zusprache vonseiten prominenter Adressen wie Tesla oder Paypal hat sich beispielsweise der Preis der bedeutendsten Kryptowährung Bitcoin auf mehr als 60.000 Dollar binnen zwölf Monaten etwa verneunfacht.

Bekommen Anleger also mit der Coinbase-Aktie eine attraktive und unkomplizierte Gelegenheit, in den Kryptomarkt zu investieren und an möglichen weiteren Preissteigerungen von Bitcoin und Co teilzuhaben? Wer bei dem Papier zugreift, sollte zunächst genauer hinschauen und einige Unwägbarkeiten kennen. Hier die drei wohl wichtigsten:

Risiko 1: möglicher Preissturz bei Bitcoin und Co.

Die starken Preisschwankungen am Markt für Kryptowährungen sind inzwischen legendär. Der Preisanstieg des Bitcoin von etwa 7000 Dollar vor zwölf Monaten auf gegenwärtig mehr als 60.000 Dollar spricht bereits für sich. Ende 2017 stieg Bitcoin zudem schon einmal raketenhaft auf nahezu 20.000 Dollar - um in der Folge binnen weniger Monate den größten Teil dieses Wertes wieder zu verlieren.

Die Handelsplattform Coinbase macht einen großen Teil ihrer Umsätze mit Gebühren, die Kunden für den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen entrichten müssen. Etwa 96 Prozent des Umsatzes entfielen im vergangenen Jahr auf diese Gebühren, so das "Wall Street Journal ". Sollte also der Bitcoin oder andere Cybergelder wieder an Attraktivität verlieren und die Handelsaktivitäten nachlassen, würde sich das unmittelbar in den Geschäftszahlen des Unternehmens niederschlagen: Nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Gewinn.

Risiko 2: zunehmender Wettbewerb der Handelsplätze - Konkurrenz für Coinbase wächst

Kryptowährungen sind in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Form der alternativen Geldanlage geworden, doch sie sind noch weit davon entfernt, bei der Masse der Geldanleger weltweit etabliert zu sein. Nach wie vor erschließt sich der Markt neue Kundenschichten. Ebenso drängen laufend neue Player in das Geschäft, die Handelshäusern wie Coinbase Konkurrenz machen.

Zwei Entwicklungen sind vor dem Hintergrund bereits absehbar. Zum einen wird der Markt mit zunehmendem Wachstum attraktiver für Discountanbieter, die niedrige Gebühren verlangen und ihr Geschäft über die Masse machen. Zum anderen werden auch Finanzkonzerne das Geschäft erschließen, die bereits über einen eingeübten Apparat aus anderen Bereichen des Kapitalanlagegeschäfts verfügen, den sie kostengünstig auf den Kryptomarkt übertragen können.

Für Coinbase bedeutet beides: Die Konkurrenz wird größer und das Gebührenniveau am Kryptomarkt wird sinken. Vor allem Letzteres könnte Coinbase empfindlich treffen. Laut "Wall Street Journal " gehört das Unternehmen gegenwärtig mit einigem Abstand zu den teuersten Anbietern am US-Markt, mit Handelsgebühren, die um mehr als das Doppelte über denen der Konkurrenz liegen.

Auch für den deutschen Markt, wo Anleger ihre Kryptoinvestments ebenfalls unter anderem über Coinbase vornehmen können, ergab eine Analyse des "Handelsblatts" Ende vergangenen Jahres zudem: Die Kosten von Coinbase liegen deutlich über denen von Anbietern wie Binance, Justtrade oder Kraken . Zwar lassen sich auf Coinbase auch für deutsche Kunden derzeit noch deutlich mehr Kryptowährungen handeln als zum Beispiel bei dem deutschen Anbieter BSDEX - doch die Anzahl der handelbaren Coins dürfte auch auf den deutschen und europäischen Kryptobörsen in naher Zukunft deutlich steigen.

Risiko 3: möglicherweise bevorstehende Regulierung

Momentan agieren Kryptohändler wie Coinbase oder auch US-Konkurrent Kraken noch weitgehend außerhalb einer strengen Finanzregulierung, wie sie für Aktienbörsen wie die New York Stock Exchange oder auch die Deutsche Börse gelten. Wie auch die "Financial Times" kürzlich analysiert hat , ist das nicht zuletzt einer der Gründe dafür, dass Coinbase und Co im aktuellen Marktumfeld derart exorbitante Umsätze und Gewinne erzielen können.

Im Umkehrschluss heißt das: Sollte sich die Regulierungssituation der Handelsplätze ändern - und vieles spricht derzeit dafür, dass dies bei weiterem Wachstum des Marktes früher oder später passieren wird - dann ändert sich auch die Grundlage für ihre Geschäftsaktivitäten grundlegend. Die Unternehmen müssten dann womöglich einige der profitabelsten Geschäftsbereiche aufgeben oder zu deutlich höheren Kosten operieren. Investoren sollten dieses Risiko im Blick behalten - immerhin weist Coinbase selbst in seinen Börsenunterlagen im Bereich "Risk Factors" auf diese Gefahr hin .

In Deutschland haben Anleger zudem bereits die Möglichkeit, auf Player wie BSDEX (Börse Stuttgart Digital Exchange) mit ihrer App "Bison" oder auf Justtrade auszuweichen. Die haben derzeit zwar ein noch ein deutlich kleineres Coin-Angebot als Coinbase oder Coinbase Pro. Dafür sind sie aber in Deutschland reguliert und ohnehin näher am Kunden.

Auf die Bewertung achten

Klar ist, dass all das keine Knock-Out-Kriterien für ein Investment in Coinbase sind. Das Unternehmen kann auf alle genannten Entwicklungen reagieren, kann sein Geschäftsmodell, seine Kostenstrukturen sowie auch seine Preise anpassen. Als einer der frühen Player in einem rasant wachsenden Markt wie dem der Kryptowährungen bestehen für Coinbase daher sehr gute Aussichten, weiterhin erfolgreich zu sein.

Allerdings: Eine Kennzahl die zum Vergleich von Unternehmen und deren Aktien an der Börse gerne herangezogen wird, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dabei gilt als Faustregel: Je höher das KGV, desto teurer ist eine Aktie in Relation zu dem Gewinn, den das Unternehmen erzielt.

Das "Wall Street Journal" rechnet vor, dass Coinbase gegenwärtig zum etwa 90-Fachen des Jahresgewinns gehandelt wird. Bei Intercontinental Exchange dagegen, der Betreibergesellschaft der New Yorker Börse, beträgt der Vergleichswert derzeit etwa 31. Bei der Nasdaq sind es 27. Auch diese Zahlen sollten Investoren im Hinterkopf haben, bevor sie bei der Coinbase-Aktie zugreifen.

cr
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