Cathie Wood Superstar-Investorin leidet unter Inflation

Während der Pandemie stieg "Queen Cathie" mit ihren Techfonds zum Superstar der Börse auf. Davon ist nicht mehr viel übrig. Nach den jüngsten Inflationsdaten sackte ihr Spitzenfonds nochmals deutlich ab.
Königin des Techbooms: Investorin Cathie Wood ist CEO von Ark Invest

Königin des Techbooms: Investorin Cathie Wood ist CEO von Ark Invest

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Mit ihren Wetten auf disruptive Techaktien ist die US-Investorin Cathie Wood (66) in den vergangenen beiden Jahren zu einem Superstar der Finanzwelt geworden. Mit ihrer Fondsgesellschaft Ark Invest und ihrem Flaggschiff-ETF Ark Innovation (ARKK) konnte sie in der Corona-Krise und während des Booms der Technologieaktien massive Zugewinne verbuchen. Zwischenzeitlich überflügelte "Queen Cathie" in Sachen Performance sogar Altmeister Warren Buffett (91). Davon ist inzwischen nichts mehr übrig.

Verglichen mit den Höchstständen im Februar 2021 hat der aktiv gemanagte Fonds mehr als dreiviertel seines Werts verloren. Allein in diesem Jahr hat der ARKK mehr als 58 Prozent verloren – ein sagenhafter Absturz. Dem Einbruch bei den Techwerten konnten Wood und ihre Risikomanager nicht genug entgegensetzen. Auch von der Inflation scheint sie überrascht worden zu sein. Wood hatte lange behauptet, Deflation sei das größere Risiko für Aktien als Preissteigerungen. Nun liegen die Inflationswerte in den USA und Europa jenseits der 8-Prozent-Marke. Allein nach der Verkündung der aktuellen US-Zahlen am vergangenen Freitag verlor Woods größter Fonds nochmals mehr als 7 Prozent seines Werts.

Die aktuelle Krise greift den Stockpicking-Nimbus der Investorin an, die angetreten war, explizit auf disruptive Techfirmen zu setzen. Zu den größten Positionen ihres noch 8,5 Milliarden Dollar schweren Hauptfonds gehören der Elektroautobauer Tesla, die Kyptobörse Coinbase oder der Plattformanbieter Zoom. Auch ihre anderen Fonds, die gezielt auf Robotik, Mobilität oder Fintechs setzen, haben in diesem Jahr mindestens ein Fünftel ihres Werts verloren. Das in ihren Fonds verwaltete Vermögen hat sich inzwischen auf gerade noch 15,6 Milliarden Dollar fast halbiert.

Besonders unter jüngeren Anlegerinnen und Anlegern hat Woods Starkult erlangt. Vor allem ihre extrem optimistischen Aussagen sorgten für Aufsehen und wurden in Internetforen wie Reddit immer wieder zitiert. Im vergangenen Jahr etwa prophezeite sie, dass Tesla bis 2026 einen Börsenwert von 5 Billionen Doller erreichen werde – aktuell liegt er bei rund 720 Milliarden Dollar. Für den Bitcoin sah Wood bis Ende des Jahrzehnts gar einen Preis jenseits der Million-Dollar-Schwelle voraus (aktuell: rund 27.500 Dollar).

Das Besondere: Auch in diesem Horrorjahr vertrauten ihr zahlreiche Anleger noch frisches Kapital an, laut Bloomberg  verzeichneten die Ark-Fonds Netto-Zuflüsse von mehr als 167 Millionen Dollar. Das sei "definitiv ziemlich beispiellos", so Bloombergs ETF-Analyst Athanasios Psarofagis. "Die meisten würden wahrscheinlich zusammenbrechen, wenn sie die gleiche Performance hätten, aber Cathie und Ark haben eine starke Anhängerschaft."

Wood glaubt weiter an ihre Strategie, trotz des Tech-Bebens. Dieses Mal sei alles anders als in der Dotcom-Krise 2000, hat sie neulich gesagt , die Umsätze ihrer Portfolio-Unternehmen wüchsen mit 50 Prozent. Wood hat immer betont, sie wähle die Aktien wegen ihrer langfristigen Potenziale, für sie zähle die Fünf-Jahres-Perspektive. Schaut man auf die vergangenen fünf Jahre, kann Woods Topfonds ein 40-Prozent-Plus verzeichnen. Allerdings: Der US-Börsenindex S&P 500 stieg in der gleichen Zeit um mehr als 60 Prozent. Woods Auswahl war also weniger gut, als wenn sie einfach auf alle großen Aktien gesetzt hätte.

lhy