SAP, Siemens, BASF und 26 andere US-Hedgefonds Bridgewater verdoppelt Wette gegen europäische Konzerne

Der weltgrößte Hedgefonds setzt auf den Kursverfall von inzwischen 29 Konzernen, darunter auch elf Dax-Unternehmen – aber kein Autohersteller. Eine exklusive Auswertung zeigt, wo die Investoren um Legende Ray Dalio Kursrisiken sehen.
Bridgewater-Chef Ray Dalio: Wette auf fallende Kurse bei 29 europäischen Konzernen

Bridgewater-Chef Ray Dalio: Wette auf fallende Kurse bei 29 europäischen Konzernen

Foto: Brian Snyder/ REUTERS

Vor einer Woche sorgte eine spektakuläre Wette des weltgrößten Hedgefonds für Aufsehen. Bridgewater Associates, einst von Investorenlegende Ray Dalio (72) gegründet und heute rund 150 Milliarden Dollar schwer, setzte 5,7 Milliarden Dollar auf den Kursverfall von 18 europäischen Konzernen. Allein dieses Volumen galt als ziemlich außergewöhnlich. Inzwischen haben die Amerikaner ihren Einsatz verdoppelt und wetten mit mindestens 10,5 Milliarden Dollar gegen europäische Unternehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg . Und statt Short-Positionen gegen 18 hat der Hedgefonds inzwischen Wetten gegen 29 große Konzerne abgeschlossen.

Anders als in den USA müssen die Shortpositionen gegen börsennotierte Unternehmen in Europa veröffentlicht werden. Ein zentrales Register existiert zwar nicht, aber die nationalen Aufsichtsbehörden listen die einzelnen Positionen tagesaktuell auf; in Deutschland etwa auf der Internetseite des Bundesanzeigers . Um einen Überblick zu bekommen, gegen wen und mit wie hohem Einsatz sich Bridgewater in Stellung bringt, hat das manager magazin die nationalen Register analysiert und den Wert der jeweiligen Position errechnet.

Zu den Unternehmen, die alle Teil des Index EuroStoxx 50 sind, zählen in Deutschland unter anderem SAP, BASF, Siemens oder Bayer. Auch gegen den niederländischen Chipkonzern ASML, den französischen Lebensmittel-Giganten Danone oder den italienischen Versorger Enel hat Bridgewater signifikante Shortpositionen aufgebaut. Auffällig ist, dass der Konzern gegen alle Banken im Index wettet, auch gegen die vertretenen Energie- und Stromkonzerne. Bei den Techkonzernen im Index scheint Bridgewater wählerisch zu sein, genauso bei Chemiekonzernen und Konsumgüterherstellern: So sind etwa Linde, LVMH oder L'Oreal nicht auf der Liste der Amerikaner. Auffällig auch: Bei keinem einzigen Autokonzern glaubt Bridgewater offenbar an fallende Kurse.

Insgesamt blickt Bridgewater-Vormann Ray Dalio eher pessimistisch auf die Wirtschaft. "Die Zeiten einer globalisierten Welt mit minimalen Handelsschranken und freiem Kapitalfluss sind vorbei", erklärte er gerade im ausführlichen Interview mit dem "SPIEGEL", das Sie hier lesen können.  Die Inflation wirke wie ein Streichholz auf die bestehende Ordnung. Für Ray Dalio und Bridgewater ist es nicht die erste Milliardenwette gegen europäische Konzerne. Zuletzt im Frühjahr 2018 und 2020 hatten die Amerikaner gegen teils dieselben Konzerne Positionen aufgebaut. Zeitweise waren die damals sogar noch deutlich höher, in der Spitze mehr als 20 Milliarden Dollar. Zu den aktuellen Einsätzen äußerte sich das Unternehmen nicht.

Grundsätzlich können Shortpositionen aus zwei Gründen aufgebaut werden: Weil Investoren gezielt auf sinkende Kurse setzen, also einen Einbruch einzelner Werte oder Branchen erwarten. Oder sie dienen der Absicherung anderer Geschäfte. Zwar bewegen sich die aktuellen Shortpositionen von Bridgewater alle mit einem Anteil von jewels weniger als 0,7 Prozent der Unternehmensanteile in einem ähnlichen Bereich; die gezielte Auswahl deutet aber auf eine Strategie hin. Vor einer Woche erklärte außerdem Greg Jensen, Co-Chief Investment Officer des Unternehmens, dass der Ausverkauf bei den Aktien im Vergleich zum Boom der vergangenen zehn Jahre noch gering sei und dass noch größere Bewegungen in Europa und den USA möglich seien.

In den offiziellen Statistiken werden übrigens nur die Positionen aufgelistet, die größer als 0,5 Prozent des jeweiligen Aktienkapitals der Unternehmen sind. Womöglich sind die Crash-Wetten der amerikanischen Hedgefondsmanager also noch deutlich höher.

lhy