Brexit-Angst treibt Goldpreis Briten horten Goldmünzen und Barren

Gilt als Sicher: Gold als Geldanlage

Gilt als Sicher: Gold als Geldanlage

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Mit dem nahenden Votum der Briten über einen möglichen Austritt aus der EU steigt zusehends die Nervosität an den Finanzmärkten. Das macht sich zunehmend auch beim Goldpreis bemerkbar. Da Gold bei Anlegern als "sicherer Hafen" gilt, profitiert es von der Ungewissheit über den Ausgang der "Brexit"-Abstimmung am 23. Juni.

Ein prominenter Investor, der sich jüngst für Gold entschieden hat, ist beispielsweise Hedgefonds-Legende George Soros. Der Milliardär, so berichtete vergangene Woche das "Wall Street Journal", hat zuletzt riskante Assets wie Aktien verkauft und stattdessen Positionen in Gold aufgebaut. Berichten britischer Goldhändler zufolge treibt es derzeit zudem vor allem britische Käufer ins Edelmetall.

Das Interesse von Soros und anderen Anlegern macht sich im Goldpreis bereits bemerkbar. Nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase hat der Preis den Aufwärtstrend vom Jahresanfang wieder aufgenommen.

Goldpreis steigt auf Vier-Wochen-Hoch

Am Montag legte Gold um bis zu 0,8 Prozent auf 1284,20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. Es war der höchste Stand seit vier Wochen. Insgesamt liegt das Edelmetall damit 2016 etwa 21 Prozent im Plus. "Der Markt ist unsicher wegen des Brexit und der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed", sagte Analyst Mark To vom Hongkonger Brokerhaus Wing Fung Financial.

Hintergrund: Nach dem Treffen der US-Notenbanker am kommenden Mittwoch erhoffen sich Anleger von Fed-Chefin Janet Yellen Hinweise auf den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung. Umfragen ergaben zuletzt, dass die Erwartung auf einen baldige weiteren Zinsschritt in den USA an den Märkten angesichts schwächerer US-Konjunkturdaten wieder abgenommen hat. Demnach werde der nächste Schritt nun am ehesten erst im Dezember erwartet, so die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Sollte Yellen keine klaren Signale für eine baldige Erhöhung des Leitzinses geben, könne das zu weiteren Gewinnen bei Gold führen, schrieb Rohstoffanalyst Edward Meir von INTL FCStone. Ein Preis von 1300 Dollar sei in den kommenden Tagen möglich. Auch David Lennox, ein Analyst von Fat Prophets in Sydney, sagte, alles deute auf eine "hübsche, kleine Rallye bis 1300 Dollar hin".

Briten können bei Brexit mit Gold doppelt Kasse machen

Hinzu kommt: Je nachdem, wie das Brexit-Votum der Briten ausfällt, könnte die 1300-Dollar-Marke lediglich eine Durchgangsstation sein. Denn sollten sich die Briten am 23. Juni tatsächlich für einen Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union (EU) entscheiden, so würde das dem Goldpreis nach Expertenmeinung noch einmal zusätzlichen Auftrieb geben. Ein Analyst von Capital Economics etwa sagte, der Preis je Feinunze könnte in dem Fall auf bis zu 1400 Dollar steigen. Zuletzt zeigten Umfragen zur Brexit-Abstimmung keine klare Tendenz über den möglichen Ausgang an.

Der mögliche Anstieg des Goldpreises ist allerdings nicht die einzige Folge, die ein Brexit am Finanzmarkt haben dürfte. Viele Experten erwarten im Falle des Austritt der Briten aus der EU auch einen Wertverlust des britischen Pfundes um bis zu 9 Prozent.

Kein Wunder also, dass nicht nur am weltweiten Goldmarkt, sondern vor allem in der britischen Bevölkerung die Nervosität steigt - und damit auch dort das Interesse am Gold. Denn für die Briten ergibt sich aus der Möglichkeit eines Goldpreisanstiegs und eines gleichzeitigen Pfund-Abrutschens eine gute Chance: Kommt es tatsächlich zum Brexit und fällt daraufhin die britischen Währung, bringt das Edelmetall beim Wiederverkauf mehr Pfund ein, als es gekostet hat.

Umsatzanstiege britischer Goldhändler

So steigt derzeit Berichten zufolge die Nachfrage auf der Insel nach Goldbarren oder Münzen wie der "Britannia". Vor allem dann, wenn in Umfragen das Brexit-Lager zulegt, steige auch der Absatz des Edelmetalls, heißt es. "Es scheint in den Köpfen der Menschen angekommen zu sein, dass es wirklich zum Brexit kommen kann. Alle unsere Bestände werden aufgekauft, bevor sie auch nur den Laden erreichen", sagte vor einigen Tagen Ross Norman, Chef der Degussa-Beteiligung Sharps Pixley, einem Goldhandelshaus im Londoner Nobelviertel Mayfair.

Auch die Kundschaft der Läden ändert sich offenbar. "Es gibt die Vorstellung des typischen Goldkäufers - männlich, über 45 Jahre alt, reif", sagt Norman. "Doch die Leute, die jetzt kommen, bringen dieses Bild durcheinander - sie sind oft deutlich jünger, und es sind viel mehr Frauen dabei." Vor allem die Nachfrage nach der goldenen "Britannia", die als offizielles Zahlungsmittel steuerbefreit ist, sei hoch.

Der Goldhändler ATS Bullion, ebenfalls in London, berichtet über einen Umsatzanstieg um 5 bis 10 Prozent. Der Online-Händler BullionVault.com erklärte, der Kundenzuwachs sei im Juni deutlich höher gewesen als in den Monaten davor. "Wir können das nur auf den Brexit zurückführen", sagte Chefanalyst Adrian Ash.

Die Briten stimmen am 23. Juni darüber ab, ob ihr Land Teil der EU bleibt oder nicht. Meinungsumfragen zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, dessen Ausgang bis zuletzt völlig offen bleiben dürfte. "Wenn die Briten für einen Brexit stimmen", sagt Tony Dobra, Chef des Goldhändlers Baird, "dann werden wir am 24. Juni besonders viel zu tun haben."

Mit Material von Reuters