Börsen-Wahnsinn in China Gier und Rausch – Kleinanleger bieten drei Billionen Dollar für Ant-Aktien

Der Mega-Börsengang des Finanzdienstleisters hat in China einen Rausch ausgelöst. In Shanghai und Hongkong wollen Privatanleger 800 mal mehr Aktien kaufen, als für sie vorgesehen sind. Oft auf Kredit.
Sehnsuchtsort: In der kommenden Woche sollen an der Börse in Shanghai Aktien von Ant gehandelt werden

Sehnsuchtsort: In der kommenden Woche sollen an der Börse in Shanghai Aktien von Ant gehandelt werden

Foto: ALEX PLAVEVSKI/EPA-EFE/Shutterstock

Der Börsengang des chinesischen FInanzdienstleisters Ant Group entwickelt sich endgültig zu einem Event der Superlative. Das chinesische Mega-Fintech , das aus dem Alibaba-Konzern hervorgegangen ist, will über den Verkauf der Aktien bekanntlich 34,4 Milliarden Dollar einnehmen – und damit den größten Börsengang aller Zeiten hinlegen. Jetzt wird bekannt, dass es zusätzlich einen bislang nie dagewesenen Ansturm von Privatanlegern auf die Aktien gegeben hat. Insgesamt sollen die Anleger Gebote über sagenhafte 3 Billionen Dollar abgegeben haben.

Der Gesamtwert der Angebote entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens und unterstreicht, wie Ant die Popularität seiner Alipay-Zahlungsanwendung nutzt, um trotz der Marktunsicherheit im Vorfeld der US-Wahlen und inmitten der neu aufkommenden Coronakrise den Börsengang zu inszenieren.

Insgesamt wollte Ant 1,67 Milliarden Aktien verkaufen. Die Aktien sollen ziemlich gleichmäßig zwischen den Börsen in Shanghai und Hongkong aufgeteilt werden. Der Preis war bereits am Montag festgelegt worden – und insgesamt vier Prozent der Aktien sollten Kleinanleger kaufen können.

Kleinanleger in den beiden Märkten – von Taxifahrern über Studenten bis hin zu jungen Berufstätigen – nutzten nun offenbar ihre Ersparnisse und liehen sich in großem Umfang bei Banken und Maklern Kredite für eine Investitionsmöglichkeit, die von vielen als einmalig angesehen werde, zitiert die Nachrichteagentur Reuters Quellen aus der Finanzbranche.

In Shanghai gingen Angebote über etwa 19 Billionen Yuan (2,8 Billionen Dollar) von Kleinanlegern ein, wie eingereichte Dokumente bei der Börse belegen. Das entspricht etwa dem 872-fachen dessen, was an Aktien vorgesehen war. Die Hongkong-Tranche erhielt Gebote über 1,3 Billionen HK$ (168 Milliarden Dollar) – das entsprach dem 389-fachen der angebotenen Aktien, sagten Personen mit Kenntnis der Angelegenheit am Freitag.

Der beispiellose Rausch wird durch eine massive Kreditvergabe durch Finanzinstitute auf dem chinesischen Festland und in Hongkong unterstützt. Einige Banken in Hongkong boten sogar das 20-fache an Leverage zu Zinssätzen zwischen 0,4 und 0,5 Prozent für einen Zeitraum von etwa zehn Tagen an, so Quellen aus dem Bankgewerbe.

Das in Hangzhou ansässige Unternehmen Ant beschloss, eine sogenannte Greenshoe-Option auszuüben, um das Aktienangebot um 15 Prozent zu erhöhen. Es verkauft nun insgesamt 1,92 Milliarden Aktien auf dem STAR-Markt, wie Ant bei der Börse in Shanghai hinterlegt hat.

Die Begeisterung der Privatanleger könnte dazu führen, dass ihnen nun mehr Aktien zugeteilt werden als vorgesehen, erklärte Ant. Es wird erwartet, dass die Aktien in Hongkong und Shanghai am 5. November, einige Tage nach den US-Wahlen, in den Handel aufgenommen werden. Beobachter fürchten, dass das die zu erwartenden Marktschwankungen noch verstärken könnte.

lhy/Reuters
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