Fondsauszahlungen gestoppt Blackstone schockt Immobilieninvestoren

Zahlreiche Anleger hatten in den vergangenen Wochen Geld aus dem milliardenschweren Immobilienfonds von Blackstone abgezogen. Jetzt begrenzt der Vermögensverwalter die Abhebungen – und löst damit neue Schockwellen in der Immobilienbranche aus.
Geldzufluss: Blackstone verkaufte jüngst seine Beteiligung an den Kasinos MGM Grand und Mandalay Bay Resort in Las Vegas für 1,27 Milliarden US-Dollar

Geldzufluss: Blackstone verkaufte jüngst seine Beteiligung an den Kasinos MGM Grand und Mandalay Bay Resort in Las Vegas für 1,27 Milliarden US-Dollar

Foto: JAE C. HONG/ AP/dpa

Der Vermögensverwalter Blackstone begrenzt wegen des großen Andrangs für Investoren die Abhebungen von seinem riesigen Immobilienfonds Blackstone Real Estate Income Trust (BREIT). Im November genehmigte die Private-Equity-Gruppe nur 43 Prozent der Rücknahmeanträge für den Fonds, wie aus einer Mitteilung hervorgeht, die Blackstone am Donnerstag an die Anleger verschickte.

Die Zahl der Rücknahmeanträge war in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen, da Anleger darauf drängen, an ihr Geld zu kommen. Die Investoren sorgen sich über die langfristige Gesundheit des Gewerbeimmobilienmarktes. Blackstone hatte jüngst den Verkauf seiner Beteiligung an den Kasinos MGM Grand Las Vegas und Mandalay Bay Resort in Las Vegas für 1,27 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. An den Kasinos hielt Blackstone knapp 50 Prozent.

Die Blackstone-Aktie  brach an der New Yorker Börse um bis zu 8 Prozent ein. Der Fonds selbst ist nicht an der Börse notiert.

Die Rücknahmebeschränkung macht die Risiken deutlich, die wohlhabende Privatpersonen durch Investitionen in Blackstones riesigen privaten Immobilienfonds eingegangen sind. Der Fonds besitzt ein Volumen von 125 Milliarden Dollar. Nach Berücksichtigung der Schulden verbleibt ein Nettovermögen von 69 Milliarden Dollar, das sich auf Logistikanlagen, Wohnhäuser, Kasinos und medizinische Büroparks erstreckt.

Der Fonds ist Teil des Immobilienbereichs, der bei Blackstone einen wichtigen Teil der Geschäfte ausmacht. Insgesamt verwaltet Blackstone im Bereich Immobilien weltweit ein Portfolio von 565 Milliarden Dollar. Davon sind 319 Milliarden Dollar Investorengelder. Blackstone insgesamt verwaltet ein Vermögen von 951 Milliarden Dollar, verteilt auf Private Equity, Immobilien, Hedgefonds und andere Assetsklassen.

Gerade die Verfügbarkeit von monatlicher Liquidität sei an dem Immobilienfonds besonders attraktiv gewesen, sagten Analysten von JPMorgan. Doch jetzt könnten "Berater zweimal nachdenken, bevor sie dem Fonds neues Kapital zuweisen". Wahrscheinlich bringe die Begrenzung der Rücknahmen sogar noch mehr Anleger dazu, Geld zurückzufordern. Ebenso beunruhigend sei, dass die Performance offenbar nicht direkt zu Abflüssen führe. Schließlich seien die Renditen bis Oktober um etwa 9 Prozent gestiegen.

Fast 70 Prozent der Anträge aus Asien

Rund zwei Drittel der Rücknahmeanträge kommen aus Asien, heißt es laut "Financial Times " von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Und das, obwohl nur ein Fünftel des Gesamtvermögens von nicht-amerikanischen Anlegern stammt. Die angeschlagenen asiatischen Märkte mit der Immobilienkrise in China und die schwierigen Aussichten für die Weltwirtschaft könnten Anleger unter Druck gesetzt haben, sodass sie nun Barmittel benötigen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, so ein Partner des Fonds.

Im Mittelpunkt von Chinas Immobilienkrise steht Evergrande, das ehemals umsatzstärkste Bauunternehmen des Landes. Im vergangenen Jahr konnte der Konzern seine Auslandsverbindlichkeiten im Volumen von 22,7 Milliarden Dollar nicht bedienen, jetzt hofft er auf eine Umschuldung im kommenden Jahr.

Auch in den USA stehen Gewerbeimmobilien wegen der Rekord-hohen Inflation und steigenden Zinssätzen unter Druck. Weltweit hat sich die Stimmung im Immobiliensektor eingetrübt. Einige namhafte Investoren warnten bereits vor einem Mangel an Finanzmitteln in Teilen des Sektors.

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