Weltgrößter Vermögensverwalter Blackrock erhöht grünen Druck auf Konzerne

Schon lange wirbt Blackrock öffentlichkeitswirksam mit seinem Einsatz für den Klimaschutz. Jetzt steigen erneut die Anforderungen an Unternehmen, in die der weltgrößte Vermögensverwalter seine Billionen Dollar investiert.
Go Green: Blackrock-Chef Larry Fink mahnt zu mehr Nachhaltigkeit

Go Green: Blackrock-Chef Larry Fink mahnt zu mehr Nachhaltigkeit

Foto: © Ruben Sprich / Reuters/ REUTERS

Der weltgrößte private Vermögensverwalter Blackrock will sein Engagement für den Klimaschutz weiter hochfahren. Wie der Finanzriese mitteilte, soll die Zahl der Unternehmen, mit denen über Themen rund um den Klimawandel gesprochen werde, auf mehr als 1000 mehr als verdoppelt werden. Zudem sollen die Anforderungen an die Unternehmen weiter erhöht werden.

Damit verschärft Blackrock seinen Kurs. Der Investmentkonzern, der über ein verwaltetes Vermögen von 7,8 Billionen Dollar verfügt und größter Aktionär auch bei etlichen Dax-Konzernen ist, schreibt sich den Einsatz für den Klimaschutz schon länger auf die Fahnen. Bereits Anfang dieses Jahres forderte Firmenchef Larry Fink (68) öffentlich mehr Einsatz für das Thema von Unternehmenslenkern weltweit, er rechne "mit einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt". In einem Schreiben, das Fink im März anlässlich des Ausbruchs der Corona-Krise an seine Aktionäre sandte, ging er ebenfalls auf das Thema ein.

Nach Angaben von Blackrock sollen die Unternehmen, in die investiert wird, künftig klare Pläne vorlegen, wie sie ihre CO2-Emissionen bis 2050 auf Null herunterfahren können. "Wir steigern unsere Anforderungen, und wir ziehen in Betracht, von unserem Stimmrecht Gebrauch zu machen, sollten Unternehmen unsere Erwartungen nicht erfüllen", teilte der Investmentriese mit. Zudem wolle man darauf achten, dass die öffentlichen Äußerungen von Unternehmen auch deren tatsächlichem Handel entsprächen. Bislang tritt Blackrock auf Hauptversammlungen sehr defensiv auf.

Der Vorstoß belegt einmal mehr, wie die Sorge um Klima und Nachhaltigkeit die Finanzwelt verändert.  An den Kriterien für Umweltschutz, Sozialstandards und guter Governance ("ESG") kommt in der Investmentbranche keiner mehr vorbei. Gerade in der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und fair mit ihren Anteilseignern umgehen, stärker von Investoren nachgefragt werden. "ESG hat den Krisentest bestanden und ist in kurzer Zeit das wichtigste Element für jeden Investor geworden", konstatieren etwa auch die Experten des Finanzdienstleisters State Street.

Mega-Anlagetrend Nachhaltigkeit

In den USA flossen nach Daten des Analyseunternehmens Morningstar nachhaltigen Aktienfonds im dritten Quartal 3,8 Milliarden Dollar zu, verglichen mit Abflüssen von insgesamt 118,5 Milliarden Dollar bei anderen Aktienfonds. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 16 Prozent könnten ESG-mandatierte Vermögen bis 2025 die Hälfte aller verwalteten US-Vermögen ausmachen, sagen die Experten des Beraters Deloitte.

Auch in Deutschland ist der Trend laut Fondsverband BVI ungebrochen. Per Ende September lag das verwaltete Vermögen offener Nachhaltigkeitsprodukte bei 129 Milliarden Euro. Allein seit Ende Juni entspricht das einem Wachstum von 27 Prozent, seit Ende März sogar von 44 Prozent.

cr/Reuters
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