Streit um ESG-Kurs Aktivistischer Hedgefonds attackiert Blackrock-Boss Larry Fink

Die Investmentfirma Bluebell aus London hat in den vergangenen Monaten mit ESG-Kampagnen gegen große Konzerne Furore gemacht. Nun legt sie sich mit dem mächtigsten Vermögensverwalter der Welt an – und fordert mehr Klimaschutz.
Zu lax in ESG-Fragen? Blackrock-Boss Larry Fink gilt anderen als zu streng in Sachen Klimaschutz

Zu lax in ESG-Fragen? Blackrock-Boss Larry Fink gilt anderen als zu streng in Sachen Klimaschutz

Foto: DAVID DEE DELGADO / REUTERS

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Möglichst laut Ärger zu machen, das zählt zum Geschäftsmodell der beiden Kapitalmarktveteranen Giuseppe Bivona und Marco Taricco. Die beiden Italiener haben viele Jahre bei den weltgrößten Investmentbanken gearbeitet, unter anderem bei Goldman Sachs, J.P.Morgan, Morgan Stanley und Lehman Brothers. Seit ein paar Jahren allerdings sind sie von ihrem Büro in London aus als aktivistische Investoren vor allem in Europa unterwegs. Mit ihrem Hedgefonds Bluebell Capital Partners identifizieren sie Firmen mit schwachen Strukturen oder Prozessen, bei denen sie gezielte Forderungen stellen, um einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

So haben sie den Nahrungsmittelkonzern Danone vor sich hergetrieben, bis Konzernchef Emmanuel Faber (58) seinen Job verloren hatte. Den Pharmariesen GlaxoSmithKline attackierten sie ebenso wie den Rohstoffgiganten Glencore oder den Luxusgüterkonzern Richemont. Nun nehmen sie den bisher mächtigsten Gegner vor: Larry Fink (70).

Der legendäre Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock müsse zurücktreten, fordern die Bluebell-Gründer. Blackrock gehe bei seinen Forderungen nach der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (ESG) nicht weit genug. Der Fondsriese, der inzwischen knapp acht Billionen Dollar verwaltet und an praktisch allen börsennotierten Unternehmen beteiligt ist, mache zu wenig, um sein Portfolio um Geschäfte mit fossilen Energien zu bereinigen. Und wegen seines Abrückens von der eigenen ESG-Strategie müsse Fink ebenso ersetzt werden wie Murry Gerber, der seit 2000 im Vorstand von Blackrock sitzt.

"Fink hat eindeutig politische Ambitionen", sagte Bluebell-Investor Bivona der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gehört nicht zum Job eines CEO von Blackrock, die Energiepolitik zu diktieren." Blackrock müsse seine komplette ESG-Politik überarbeiten.

Die ESG-Hassfigur

Für Fink dürfte das ein eher überraschender Angriff sein. Fink gilt als einer der Verfechter der ESG-Kriterien . In seinen jährlichen Briefen an die Chefinnen und Chefs der Unternehmen, an denen Blackrock beteiligt ist, fordert er sie traditionell vehement ein. Er avancierte damit zu einer Hassfigur unter ESG-Kritikern. Der Silicon-Valley-Investor Peter Thiel (55) etwa stilisierte Fink wegen dessen ESG-Fokussierung gar als Hauptfeind des Kapitalismus. In den USA steigt auch politisch der Druck auf Fink. Ab Anfang Januar, wenn die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen, können sie Anhörungen zu ESG abhalten und Aufsichtsbehörden zu einer genaueren Prüfung der entsprechenden Fonds zu drängen. Einige republikanisch regierte US-Bundesstaaten kündigten in den vergangenen Wochen bereits an, wegen Finks ESG-Ausrichtung ihr Geld von Blackrock abzuziehen, darunter Florida, Missouri und Louisiana. Sie werfen der Investmentfirma vor, Energieaktien zu boykottieren und Nachhaltigkeitsziele über die Rendite zu stellen.

Fink selbst erklärte im Oktober bereits: Er werde von links und rechts gleichermaßen angegriffen: "Also mache ich irgendwas richtig." Ein Unternehmens-Sprecher teilte Ende November mit, man sei "beunruhigt über den sich abzeichnenden Trend zu derartigen politischen Initiativen".

Für den Hedgefonds Bluebell, der rund 250 Millionen Dollar verwaltet und etwa 0,01 Prozent der Blackrock-Aktien hält, ist das Thema ESG eines der typischen Angriffsfelder. Die beiden Gründer Bivona und Taricco sehen darin ein typisches Risiko für Firmen. Sie zählen damit zu einer steigenden Zahl aktivistischer Investoren, die sich explizit auf Nachhaltigkeits- und Klimafragen spezialisiert haben. Beim Rohstoffgiganten Glencore forderten die Bluebell-Männer etwa mehr Nachhaltigkeit bei den Kohleinvestments.

Zu den konkreten Forderungen äußerte sich Blackrock nicht. Aber ein Sprecher erklärte gegenüber Reuters: In den vergangenen 18 Monaten habe Bluebell einige Kampagnen organisiert, um ihre Klima- und Governance-Agenda zu promoten. Die habe Blackrock nicht unterstützt, weil sie nicht im Interesse unserer Kunden waren.

In einer früheren Version des Artikels war das von Blackrock verwaltete Vermögen mit Milliarden und nicht mit Billionen angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

lhy mit Reuters
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