Spekulieren mit Kryptowährung Bitcoins im Höhenflug - das müssen Investoren beachten

Bereits in aller Munde und bald in aller Depot? Bitcoins haben eine enorme Wertsteigerung hinter sich - der Kurs schwankt jedoch stark

Bereits in aller Munde und bald in aller Depot? Bitcoins haben eine enorme Wertsteigerung hinter sich - der Kurs schwankt jedoch stark

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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Kaum ein Wert an den Finanzmärkten hat in diesem Jahr so stark performt wie der Bitcoin. Kostete eine Einheit der Digitalwährung Anfang Januar noch rund 1000 Dollar, so sind es gegenwärtig etwa 4600 Dollar. Das entspricht einem Anstieg um 360 Prozent binnen neun Monaten. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Plus sogar etwa 600 Prozent.

Da dürfte sich manch einer bereits ärgern, nicht längst in Bitcoins investiert zu haben. Allerdings ist die nackte Angabe des Wertzuwachses im Falle der Kryptowährung Bitcoin bestenfalls die halbe Wahrheit. Zum Gesamtbild gehört auch, dass der Preisanstieg mit erheblichen Schwankungen einherging.

Besonders holprig wurde es etwa, als Anfang September chinesische Behörden begannen, den Bitcoin-Handel in der Volksrepublik stark einzuschränken. Binnen weniger Tage verlor die Kunstwährung daraufhin etwa 35 Prozent ihres Wertes - nur um die Verluste in den Wochen seither nahezu vollständig wieder wettzumachen.

Nicht wenige Beobachter - wie beispielsweise Nobelpreisträger Robert Shiller - warnen angesichts der explosionsartigen Preisentwicklung schon vor einer gefährlichen Blasenbildung beim Bitcoin. Hinzu kommt: Wenn man den Bitcoin bereits als eigene Assetklasse einstufen will, dann handelt es sich in jedem Fall um eine noch sehr junge. Das heißt: Nicht nur die Wertentwicklung in Zukunft ist - wie bei anderen Investments auch - kaum absehbar. In diesem Fall erscheint es vielmehr auch gegenwärtig noch schwer vorhersehbar, ob es langfristig, also in zehn, 15 oder 20 Jahren, überhaupt noch Bitcoins geben wird.

Dennoch schaut vermutlich mancher Anleger neidisch auf die Schlagzeilen zum immer wieder steigenden Bitcoin-Preis. Wer allerdings tatsächlich an dem Höhenflug der Kryptowährung teilhaben will, sollte sich zunächst vor allem zwei Fragen beantworten:

Sind Bitcoins überhaupt zur Geldanlage geeignet?

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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

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Schon an dem Punkt gehen die Meinungen weit auseinander: Während beispielsweise Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan, Bitcoins kürzlich als "Betrug" bezeichnete und ankündigte, jeden seiner Mitarbeiter sofort zu feuern, der damit handele, steht Lloyd Blankfein, Chef des JP-Morgan-Konkurrenten Goldman Sachs, dem Thema offenbar wesentlich neutraler gegenüber. In einem Tweet verkündete Blankfein jüngst, zumindest über Bitcoins nachzudenken - Ergebnis: noch offen.

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Beide Beispiele zeigen: Selbst Profis wissen das Thema Bitcoins nicht sicher und präzise einzuschätzen. Wie alle Kryptowährungen wurde auch diese etabliert, um dem offiziellen Geld- und Zahlungssystem der Zentralbanken ein dezentrales gegenüberzustellen, das sich staatlicher Kontrolle - weitgehend - entzieht. Dieser Ansatz hat allerdings auch seine Nachteile. Kritiker weisen beispielsweise gerne darauf hin, dass digitale Zahlungsmittel wie Bitcoins aufgrund ihrer inoffiziellen Charakteristik auch leicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden können.

Ohnehin erfüllen Bitcoins die Funktion einer Alternative zum herkömmlichen Geld etwa in Euro oder Dollar bislang weitgehend eher theoretisch. Zwar sind Bitcoins in Japan inzwischen als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. Genutzt werden sie zu diesem Zweck aber bislang offenbar kaum. So beziffert die Bundesbank die täglichen Transaktionen, die weltweit über Bitcoin-Netzwerke abgewickelt werden, an Spitzentagen auf bis zu 350.000, wie die Vermögensverwaltung Wallrich Wolf Asset Management berichtet. Zum Vergleich: Allein im deutschen klassischen Zahlungsverkehr kommt es täglich im Schnitt zu mehr als 75 Millionen Transaktionen.

"Definitiv etwas für Zocker"

Die Zahlen unterstreichen, dass es sich bei Bitcoins derzeit vor allem um ein Objekt für Spekulanten und - im schlimmsten Fall - Zocker handelt. Sollen Privatanleger also auf so einem heiklen Markt mitmischen? Vermögensverwalter, die manager-magazin.de dazu befragt hat, raten mehrheitlich zwar nicht ab - sie raten aber zu größter Vorsicht. Mit dem Tenor: Investiert werden sollte nur der Teil des Vermögens, der im Zweifel verzichtbar ist. Denn aufgrund der hohen Volatilität und der beschriebenen Unwägbarkeiten bestehe jederzeit das Risiko des Totalverlusts.

Marc Pasdag etwa, Geschäftsführer von Prometheus Vermögensmanagement in Langenfeld, steht dem Thema noch vergleichsweise offen gegenüber. "Bitcoins sind ein Spekulationsobjekt wie Gold oder andere Währungen", sagt er. "Sie werfen keinen Ertrag wie Zinsen oder Dividenden ab, daher kann nur auf eine Wertsteigerung spekuliert werden." Das ein Spekulant zugleich ein Zocker sei, so Pasdag, würde er aber so nicht unterschreiben.

Da ist Uwe Zimmer schon anderer Meinung. "Es ist definitiv etwas für Zocker, die bereit sind, ihren Einsatz zu verlieren - oder zumindest einen großen Teil davon", sagt der Chef von z-invest in Köln, der selbst bereits Erfahrungen mit dem Bitcoin-Investment gesammelt hat. "Als Privatanleger würde ich nicht mehr als 1 bis 2 Prozent meiner Kapitalanlage investieren."

Ähnlich sieht es Andreas Görler von Wellinvest/Pruschke & Kalm in Hamburg. "Privatanleger sollten vorher prüfen, wie groß der Betrag des Vermögens ist, der für spekulative Anlagen zur Verfügung steht", sagt er. "Der also schlimmstenfalls auch komplett abgeschrieben werden kann."

Also vielleicht doch lieber auf das Investment verzichten? Lothar Koch hält das in vielen Fällen für den richtigen Weg. "Privatanleger sollten die Finger von Bitcoins lassen", sagt der Leiter des Portfoliomanagements bei der GSAM + Spee Asset Management AG. Die Kryptowährung sei eine "unregulierte Spielwiese für Zocker", so Koch.

Der Investmentprofi macht zudem auf ein Risiko aufmerksam, das häufig außer acht gelassen wird: Zwar halten sich staatliche Stellen gegenwärtig noch weitgehend aus dem Bitcoin-Markt heraus. Das kann sich aber schnell ändern, wenn die Kryptowährung als Konkurrenz zu offiziellen Zahlungsmitteln zu große Bedeutung erlangt (ein Zustand, der wohl gemerkt eine Voraussetzung dafür sein dürfte, dass Bitcoins langfristig erfolgreich sein und im Wert weiter steigen können).

"Staatliche Regulierung oder Handelsverbote sind jederzeit möglich", glaubt Investmentprofi Koch. "Die Folge wäre im schlechtesten Fall der Sturz auf den inneren Wert der Kryptowährung. Der liegt bei Null."

Tatsächlich wurde in China jüngst bereits deutlich, wie empfindlich der Bitcoin-Preis auf staatliche Interventionen reagieren kann. Und auch Starökonom Kenneth Rogoff von der renommierten Havard University warnt just am heutigen Montag in einem Beitrag für den britischen "Guardian": Wie es mit dem Bitcoin weitergehe, hänge maßgeblich davon ab, wie die Politik auf die Entwicklung reagiere .

Welche Möglichkeiten gibt es, in Bitcoins zu investieren?

Wer sich trotz aller Vorbehalte und Warnungen in das Abenteuer Bitcoin stürzen will, hat verschiedene Möglichkeiten zum Investment:

  • Am nächstliegenden ist wohl, tatsächlich Bitcoins zu erwerben. Dabei begibt man sich sozusagen direkt ins digitale Geschehen der Kryptowährungen, abseits von Sparkassenfilialen, Bankkonten und Wertpapierdepots. Voraussetzung für den Bitcoinkauf ist ein sogenanntes Wallet, auf dem die digitale Währung gelagert, und von dem aus Transaktionen damit vorgenommen werden können. Ein Vorteil: Weil keine Banken im Spiel sind, fallen bei diesem Geschäft auch nur geringere Gebühren an. Für den Kauf von Bitcoins kommen vor allem Online-Marktplätze wie der hiesige Marktführer Bitcoin.de sowie Börsen wie CEX.IO oder Bitstamp infrage.
  • Neben dem direkten Investment in Bitcoins gibt es auch das indirekte - zum Beispiel über sogenannte CFD-Finanzvehikel. Dabei steht CFD für Contract for Difference oder Differenzkontrakt: Der Anleger setzt in dem Fall einen Betrag auf die Entwicklung des Bitcoin-Kurses in eine bestimmte Richtung, ohne dabei tatsächlich Bitcoins zu erwerben. Besonderheit: Bei CFD-Geschäften ist der Einsatz von Hebeln möglich, durch die sich die Gewinnchance, aber auch das Verlustrisiko um ein Vielfaches erhöhen. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass diese Investmentvehikel von Anlegerschützern sowie von der Finanzaufsicht kritisch beäugt werden. Plattformen, die das CFD-Investment in Bitcoins anbieten, sind beispielsweise Etoro oder Plus500.
  • Den meisten Anlegern dürfte das Investment in Bitcoins schon riskant genug sein - da sollte über das gewählte Investmentvehikel vielleicht, wenn es sich vermeiden lässt, nicht noch ein zusätzliches Risiko ins Depot kommen. Wer so denkt, kann auch per Zertifikat auf den Bitcoin-Preis setzen. Der Vorteil: Für den Kauf dieser Zertifikate benötigen Anleger nicht eigens einen Account auf Bitcoin-Marktplätzen oder -Börsen. Ein herkömmliches Wertpapierdepot reicht dafür in der Regel aus. Erhältlich sind derzeit ein Bitcoin-Zertifikat von der Schweizer Vontobel-Bank (ISIN: DE000VN5MJG9) sowie eines vom schwedischen Anbieter XBT-Provider (ISIN: SE0007525332).
  • Ausschließlich auf das Thema Bitcoins fokussierte Investmentfonds gibt es bislang nicht. Offenbar existieren aber einzelne Fonds, die zumindest einen kleinen Teil ihrer Investments in diesem Bereich tätigen. Dazu zählt beispielsweise der Acatis Datini Valueflex Fonds (ISIN: DE000A0RKXJ4 für Klasse A und DE000A1H72F1 für Klasse B) aus dem Hause Acatis, der unter anderem in ein Bitcoin-Zertifikat investiert hat. Wie Medien kürzlich berichtet haben, bereitet zudem das Schweizer Investmenthaus Crypto Fund AG noch in diesem Jahr die Auflage eines reinen Fonds für Kryptowährungen vor .