Bitcoin-Absturz Einmal Kryptomilliardär und zurück – die größten Verlierer

Der Kryptorausch hat einigen Investoren sagenhafte Vermögen beschert. Vor allem die Gründer diverser Handelsplattformen sind aus dem Nichts zeitweise in die Welt der Superreichen aufgestiegen. Nun crashen auch ihre Milliardenvermögen. Ein Überblick.
Comeback-Twins: Die Brüder Tyler (.). und Cameron Winklevoss feierten rieisge Bitcoin-Erfolge

Comeback-Twins: Die Brüder Tyler (.). und Cameron Winklevoss feierten rieisge Bitcoin-Erfolge

Foto: Joe Raedle / Getty Images

Der Krypto-Rausch der vergangenen Jahre hat viele Investoren reich gemacht. Einige Schlüsselfiguren wie etwa der Gründer der weltgrößten Krypto-Handelsplattform Binance, der chinesisch-kanadische Unternehmer Changpeng Zhao (44), sind sogar unermesslich reich geworden. Zwischenzeitlich soll sein Vermögen nach Berechnungen des US-Nachrichtenkonzerns Bloomberg  knapp 100 Milliarden Dollar betragen haben. Aus dem Nichts katapultierte ihn der Hype um Bitcoin, Ethereum & Co. in die Phalanx der reichsten Menschen des Planeten, auf Augenhöhe mit den Tech-Titanen.

Doch seit die US-Notenbank Fed die Zinswende eingeleitet, seit die Inflation dies- und jenseits des Atlantiks die 8-Prozent-Schwelle überschritten hat, brechen die Kurse ein. Zu Beginn dieser Woche hat der Rückzug aus den Cyberwährungen sogar panische Züge angenommen. Der Bitcoin erreicht immer neue Tiefstände. Im November hatte der globale Kryptomarkt noch ein Volumen von rund 3,2 Billionen Dollar – inzwischen ist es nicht mal mehr ein Drittel davon. Und mit dem Absturz verlor auch das Vermögen der Bitcoin-Evangelisten an Wert. Allein das der sieben größten Krypto-Milliardäre ist seit damals um mehr als 114 Milliarden Dollar geschrumpft.

Natürlich lassen sich die Echtzeit-Vermögen der Superreichen nur schätzen. Aber auf Basis der Milliardärsliste von Bloomberg  und den damit verknüpften Assetwerten lässt sich ein grober Überblick über die größten Verlierer geben: Einmal Kryptomilliardär und zurück.

Der Biggest Loser

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Am härtesten erwischte es den einst größten Profiteur: Changpeng Zhao (44), den Gründer und CEO von Binance. Sein Vermögen, in der Spitze von Bloomberg mit 96 Milliarden Dollar berechnet, ist seit dem Peak um rund 90 Prozent geschrumpft. Zhao, vor kurzem noch elftreichster Mensch der Welt, findet sich mit geschätzt 10,2 Milliarden US-Dollar Vermögen nur noch auf Rang 190. Er selbst befeuerte die Unruhe an den Märkten sogar noch. Nachdem er immer wieder Ärger mit Finanzaufsehern in den USA und Europa hatte, die vor den Risiken bei Binance warnten, musste Zhao am Montag kurzzeitig die Auszahlungen von Bitcoin unterbrechen.

Der Jung-Milliardär

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Samuel Bankman-Fried (30) wurde dank der von ihm gegründeten Kryptohandelsplattform FTX einer der reichsten Menschen unter 30. Seine Plattform hatte der Sohn zweier Stanford-Professoren erst 2019 gegründet, Motto: "from traders for traders". Im Januar 2022 war sein Unternehmen, dessen Logo auch auf den Formel-1-Wagen von Mercedes-Benz prangt, mit mehr als 40 Milliarden Dollar bewertet worden. Bankmann-Fried hat inzwischen zwei Drittel des ihm zugerechneten Vermögens verloren: Mit 8,9 Milliarden Dollar rangiert er nur noch auf Rang 224.

Der Börsen-Boss

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Brian Armstrong (39), Chef und Gründer der Kryptoplattform Coinbase, musste ebenfalls herbe Verluste hinnehmen. Im November schätzte Bloomberg das Vermögen eines der bestbezahlten CEOs der Welt (2020 erhielt er insgesamt knapp 60 Millionen Dollar) noch auf mehr als 13 Milliarden Dollar. Inzwischen dürfte es auf etwas mehr als 2 Milliarden Dollar geschmolzen sein, der Kurs seiner seit vergangenem Jahr börsennotierten Firma ist seit Jahresbeginn um fast 80 Prozent eingestürzt – sehr zum Leidwesen seiner Investoren. Und der Mitarbeiter, denn Armstrong hat angekündigt, im tiefsten "Krpyto-Winter" ein Fünftel der Jobs zu streichen. Man sei im Bullenmarkt "zu schnell" gewachsen. Seinem Co-Gründer Fred Ehrsam (34) ging es übrigens kaum besser als Armstrong, vermögensmäßig: Auch er kann "nur" noch auf rund 2 Milliarden Dollar blicken.

Der Comeback-Investor

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Ähnlich hoch wird das Vermögen von Mike Novogratz (57) geschätzt. Von seinen ehemals gut 8 Milliarden Dollar im Herbst sollen nur noch rund 2 Milliarden Dollar übrig sein. Er war einer der erfolgreichsten Wertpapierhändler bei Goldman Sachs, bis er wegen Kontroversen um sein Partyleben die Investmentbank verlassen musste. Dann leitete er die Makro-Hedgefonds des Investmenthauses Fortress, bis er 2015 mit Fehlinvestments mehrere hundert Millionen Dollar verlor. Mit Krypto schaffte er das Comeback in die Milliardärselite. Seine Galaxy Digital Holding gehört zu den größten Akteuren am Kryptomarkt; in Europa hat er mit dem deutschen Investor Christian Angermayer die börsennotierte Cryptology Asset Group gegründet. Vor etwas mehr als einem Jahr sagte er dem manager magazin in einem Interview : "Ich habe Bitcoin gekauft, als der Kurs bei 100 Dollar lag und Ethereum bei einem Dollar. Das sind ziemlich spektakuläre Gewinne. Ich war sehr zuversichtlich für Krypto, aber es hat auch mich überrascht, wie schnell alles gegangen ist."

Die Tech-Zwillinge

Foto: Joe Raedle / Getty Images

Berühmt wurden Cameron und Tyler Winklevoss (40) als ausgebootete Gegenspieler von Mark Zuckerberg (38) in den frühen Facebook-Jahren. Als Untote geisterten sie seitdem durch die Tech-Branche – und erlebten dank der von ihnen gegründeten Kryptobörse Gemini ein spektakuläres Comeback. Außerdem stehen sie hinter der NFT-Plattform Nifty Gateway. Noch im Herbst taxierte Bloomberg ihr Vermögen auf rund 3,8 Milliarden Dollar. Inzwischen ist es auf rund 3 Milliarden abgesackt – angesichts der Gesamtentwicklung fast erträglich.

lhy