Finanzspekulation Wann platzt die Bitcoin-Blase?

Die Kursentwicklung des Bitcoin lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Die Kryptowährung befindet sich in einer Spekulationsblase. Die Frage ist, wie lange noch.
Heißes Ding: Der Bitcoin-Preis ist stark gestiegen - wann fällt er wieder?

Heißes Ding: Der Bitcoin-Preis ist stark gestiegen - wann fällt er wieder?

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

Die vergangenen Tage dürften vielen Investoren in Erinnerung gerufen haben, welches Rückschlagrisiko der Kurs des Bitcoins und anderer Kryptowährungen auf dem aktuellen Niveau birgt. Der Bitcoin als bedeutendste Cyberwährung hatte Mitte April ein Rekordhoch bei fast 65.000 Dollar erreicht. Dann genügten einige Spekulationen um eine mögliche Steuererhöhung, die US-Präsident Joe Biden (78) im Sinn haben könnte, und der Bitcoin-Kurs rutschte heftig ab. Binnen weniger Tage ging es auf bis zu 50.000 Dollar abwärts, was einem Minus von fast 24 Prozent entspricht. Seither ist der Bitcoin-Preis bis auf rund 54.000 Dollar wieder leicht gestiegen.

Solche Schwankungen, die am Kryptomarkt keine Seltenheit sind, sind ein Zeichen dafür, dass diese Nische des Anlagemarktes als Ort für eine solide Geldanlage nicht taugt. Das zeigt auch die langfristige Betrachtung, in der die genannten kurzfristigen Aufs und Abs keine allzu große Rolle spielen: Vor zwölf Monaten kostete ein Bitcoin noch weniger als 8000 Dollar. Der Preis ist damit bis zu seinem Rekordhoch Mitte April in der Spitze um mehr als 700 Prozent gestiegen. Die Ähnlichkeit dieser Rallye mit dem Bitcoin-Hype im Jahr 2017 ist offensichtlich. Seinerzeit stieg der Kurs von weniger als 800 Dollar zu Beginn des Jahres auf beinahe 20.000 Dollar im Dezember - um in den darauffolgenden Monaten wieder abzustürzen.

Die Preisentwicklung vor drei Jahren kann rückblickend als Musterbeispiel für eine Spekulationsblase gelten, die zunächst aufgepumpt wurde, und die dann platzte. Und vieles spricht dafür, dass sich das gleiche zurzeit am Kryptomarkt wiederholt.

Ähnliche Phänomene hat es am Finanzmarkt schon häufig gegeben. Ein prominentes Beispiel sind die Kursübertreibungen bei Internetaktien um die Jahrtausendwende ("Dot-Com-Bubble"). Der US-Tech-Index Nasdaq Composite stieg zwischen 1995 und März 2000 um rund 400 Prozent - dann ging es um fast 80 Prozent steil nach unten. Hierzulande legte etwa zur gleichen Zeit der berüchtigte Nemax 50, ein Index für die Technologieaktien am damaligen Neuen Markt der Frankfurter Börse, von zurückgerechneten 1000 Punkten im Jahr 1997 auf beinahe 10.000 Punkte im Frühjahr 2000 zu. Was dann geschah, ist bekannt: Im Herbst 2002 notierte der Nemax nur noch bei einem Wert von gut 300 Punkten.

Wo ist der substanzielle Wert eines Bitcoins?

Ein Unterschied: Hinter den Internetaktien standen vor 20 Jahren zumindest noch Unternehmen mit Geschäftsmodellen, aus denen sich mögliche operative Erfolge in der Zukunft ableiten ließen. So konnte man auch starke Kurssteigerungen zumindest theoretisch rechtfertigen.

Bei Kryptowährungen ist das anders: Selbst bei genauer Betrachtung ist dort kaum zu erkennen, wo der substanzielle Wert eines Investments liegen soll. Zwar wenden sich inzwischen verschiedene institutionelle Investoren wie Goldman Sachs oder Bank of New York Mellon dem Segment zu. Damit spiegeln sie aber vielfach nur den Trend wider, bei dem sie nicht außen vor bleiben wollen. ("Fear of Missing Out"). Auch Unternehmen der Realwirtschaft wie Paypal oder Tesla geben zu erkennen, dass sie Bitcoins ernst nehmen und als Zahlungsmittel akzeptieren wollen. Aber wer bezahlt gegenwärtig tatsächlich seine Käufe mit Bitcoins?

Fakt ist: Wer sein Geld momentan in diese Cyberdevisen steckt, tut das vor allem in der Hoffnung, dass der Preis weiter steigt - und das ist die Lehrbuchdefinition für Spekulation. Bestes Beispiel ist der Autobauer Tesla, der zu Beginn des Jahres mit seinem Milliardeninvestment in Bitcoins für Schlagzeilen sorgte. Bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen des Unternehmens vor wenigen Tagen wurde deutlich: Mit dem Wiederverkauf eines Teils dieser Bitcoins hat Tesla-Chef Elon Musk (49) den Quartalsgewinn seines Konzerns aufgebessert.

Kryptowährungen seien hochvolatil und daher zur Wertaufbewahrung nicht wirklich nützlich, zumal sie durch nichts besichert seien, sagte jüngst  auch Jerome Powell (68), Chef der US-Notenbank Fed. Das Cybergeld sei eher ein spekulatives Asset, so der Notenbanker.

Große Mehrheit der Finanzprofis glaubt an Bitcoin-Blase

Laut Bloomberg kommt die kanadische Analysefirma BCA Research zu dem gleichen Schluss . Weitere skeptische Äußerungen, die sich letztlich auch auf den Preis auswirken können, gab es zudem von anderer prominenter Seite. Auf Kritik stößt beispielsweise zunehmend, dass beim Bitcoin-Mining in Ländern wie China oder Russland verstärkt Energie aus Kohlekraft zum Einsatz kommt, was die Umwelt erheblich belastet. Facebook- und Paypal-Investor Peter Thiel (53), selbst Kryptoinvestor mit vermutlich bislang gutem Schnitt, warnte kürzlich zudem vor dem Bitcoin als möglicher "chinesischer Finanzwaffe", und forderte mehr Kontrolle über das Cybergeld.

US-Milliardär Ray Dalio (71) geht noch einen Schritt weiter. Der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates kann sich vorstellen, dass dem Bitcoin das gleiche Schicksal droht, wie es Gold bereits in den 1930er-Jahren erlebt hat. Weil Bargeld und Staatsanleihen seinerzeit unattraktiv geworden seien, seien Anleger zu anderen Assets gewechselt, so Dalio kürzlich in einem Interview . In der Folge habe der Staat durchgegriffen. "Sie verboten Gold", sagt der Profiinvestor. "Deshalb ist ein Bitcoin-Verbot gut möglich."

Platzen der Blase: Nicht ob, sondern wann

Etwas weniger radikal, aber mindestens genauso alarmierend erscheint das Ergebnis einer Umfrage, die kürzlich die Bank of America durchgeführt hat . Das Institut befragte auf dem vorläufigen Höhepunkt des Bitcoin-Kurshypes vor einigen Tagen Investmentprofis nach ihrer Einschätzung zu der Preisentwicklung. Ergebnis: 148 von 200 und damit 74 Prozent der befragten Finanzprofis gaben an, der Bitcoin befinde sich in einer Spekulationsblase.

Der Tag im Überblick

Eines haben alle Spekulationsblasen gemeinsam, ganz gleich, in welchem Markt sie auftreten: Früher oder später platzen sie, dann geht es mit Preisen oder Kursen rapide abwärts. Die Frage, wann dies im Fall der aktuellen Bitcoin-Blase passieren wird, können allerdings auch die besten Finanzexperten nicht beantworten.

(Anm d. Red.: Bei den Angaben zum Umfrageergebnis der Bank of America hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Wir haben die Passage daher nun korrigiert.)

cr