Die wichtigsten Fragen & Antworten Was Sie zu Bitcoin wissen müssen

Die Welt der Kryptowährungen scheint mysteriös. Bringen Sie Licht ins Dunkle und finden Sie hier die häufigsten Fragen und Antworten zu Bitcoin und Co.
Physisches Bitcoin-Münzgeld gibt es tatsächlich: Der Denarium-Coin funktioniert als Offline-Speichermedium für einen Schlüssel zu einem privaten Bitcoin-Wallet

Physisches Bitcoin-Münzgeld gibt es tatsächlich: Der Denarium-Coin funktioniert als Offline-Speichermedium für einen Schlüssel zu einem privaten Bitcoin-Wallet

Foto: Denarium

Was ist Bitcoin?

Bitcoin ist die älteste und bekannteste Digitalwährung. Sie gilt auch als "Bargeld für das Internet", denn Zahlungen per Bitcoin können ohne Umwege zwischen zwei Nutzern ("Peer-to-Peer") ausgetauscht werden, ohne dass Banken oder andere Clearingplattformen eingeschaltet sind.

Mit Bitcoin können digitale Überweisungen weltweit getätigt werden. Es gibt keine zentrale Stelle, die die Transaktionen steuert, überwacht und speichert. Dies übernimmt das Netzwerk aus allen Nutzern: Hier werden alle Daten dezentral überprüft und verschlüsselt abgelegt. Von anderen Digitalwährungen, die Zentralbanken und Tech-Firmen (wie z.B. Facebook mit Diem, ehemals Libra) derzeit entwickeln, unterscheidet Bitcoin sich dadurch grundlegend.

Wer hat Bitcoin entwickelt?

Bitcoin gilt als die "Mutter aller Kryptowährungen". Dahinter steckt die Idee eines transparenten Geldsystems, das mithilfe von Verschlüsselung (Kryptografie) kontrolliert wird – ein Zahlungssystem ohne Eingriff staatlicher zentraler Instanzen, das sicher, quelloffen und weltweit per Internet zugänglich ist. Verschiedene Prinzipien, wie der Schutz der Privatsphäre oder die Unumkehrbarkeit von Zahlungen, sollen Finanzkriminalität verhindern.

Das technische Konzept wurde erstmals Ende 2008 von einer bis heute unbekannten Person oder Gruppe namens "Satoshi Nakamoto" beschrieben. Dieses Paper ("Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System" ) gilt als das Gründungsdokument virtueller Währungen. Der erste Block von 50 Bitcoins, der sogenannte "Genesis-Block", wurde 2009 von Satoshi Nakamoto erzeugt. Seither arbeiten Entwickler rund um den Globus an der Entwicklung. Von ihren Wurzeln in der Gegenkultur haben sich die Kryptowährungen mittlerweile entfernt. Einige der frühen Investoren sind mit dem Kursanstieg reich geworden. Immer mehr Vermögende und einige institutionelle Investoren, besonders Hedgefonds, steigen in den Markt ein.

Wie werden Bitcoins hergestellt?

Neue digitale "Münzen" werden durch dezentrales "Mining" gewonnen. Viele Nutzer stellen dabei Rechenkapazität für die Verarbeitung von Zahlungen sowie zur Absicherung des Netzwerks zur Verfügung. Dabei treten Hochleistungscomputer in einem Wettlauf gegeneinander an: Sie prüfen Transaktionen und verpacken sie mit komplexen mathematischen Verfahren als neue Datenpakete in der "Blockchain", dem digitalen Zahlungsbuch, das verteilt auf vielen Rechner geführt wird. Als "Arbeitsnachweis" müssen die Rechner für jeden "Block" jeweils ein mathematisches "Krypto-Rätsel" lösen. Wer dies zuerst schafft, wird mit Transaktionsgebühren sowie mit neu geschöpften Bitcoins belohnt. Dieser sogenannte "Blockreward" wird jeweils nach 210.000 Transaktionen – bisher etwa alle vier Jahre – halbiert ("Halving"). Die jüngste Halbierung fand im Mai 2020 statt. Seither gibt es 6,25 neue Bitcoins für jede gelöste Aufgabe.

Das "Schürfen" des digitalen Gelds wird heute von professionellen Akteuren dominiert, die dafür spezielle Hardware einsetzen. Privatleute sind in dem Wettlauf der Hochleistungsrechner nahezu chancenlos. Aufgrund des enormen Energiebedarfs kostet die Produktion eines Bitcoins inzwischen mehrere Tausend Euro.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Bis heute wurden mehr als 18,6 Millionen Bitcoins geschaffen. Je mehr es werden, desto komplexer wird ihre Herstellung. Rund 20 Prozent der geschürften Bitcoins scheinen allerdings verloren zu sein, weil Festplatten oder Passwörter dafür zerstört oder verloren wurden, schätzt der Blockchain-Analysedienstleister Chainalysis.

Die insgesamt herstellbare Gesamtmenge ist technisch auf rund 21 Millionen Bitcoins limitiert. Die ungedeckten Währungen, die heute von den Zentralbanken ausgegeben werden, können dagegen in beliebiger Menge produziert werden: Dieses Fiatgeld stützt sich allein auf die Autorität (das "Fiat") der staatlichen Hoheitsträger. Beim Bitcoin ist eine Inflationierung aufgrund der technischen Mengenbegrenzung ausgeschlossen. Wenn eines Tages alle Bitcoins hergestellt sein sollten, erhalten Miner nur noch Transaktionsgebühren.

Welchen Wert haben Bitcoins?

Die Kryptowährung wird zwar aufwendig produziert, hat aber keinen immanenten Gegenwert. Sie ist unverzinslich und hat auch keinen Nutzwert wie Gold oder Silber, das sich etwa zu Schmuck schmieden lässt (auch wenn der Nutzwert von Gold gering ist im Vergleich zum Marktpreis, der von der Anlegernachfrage beeinflusst wird). So bildet sich der Wert von Bitcoins wie bei herkömmlichem Geld auch: durch das Vertrauen und die Akzeptanz seiner Verwender sowie durch Angebot und Nachfrage.

Zuletzt ist der Kurs regelrecht explodiert. Befeuert wird der Boom durch die extrem expansive Geld- und Finanzpolitik in der Corona-Krise. Bitcoin gilt den Befürwortern als ein neues "Krypto-Gold", das Inflationsschutz bieten kann. Auch Hedgefonds und einige wenige große Unternehmen treiben den Markt an. Die meisten institutionellen Investoren wie Family Offices, Versicherer, Publikumsfonds oder Pensionskassen haben jedoch noch nicht in Bitcoin investiert. Falls sich dies ändern sollte, würde die Nachfrage nochmals deutlich steigen. Jüngst hat Tesla dem Hype noch einmal Schub gegeben, indem die Firma stolze 1,5 Milliarden US-Dollar in die Kryptowährung investierte. 

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller nennt Bitcoin ein "ökonomisches Narrativ", eine faszinierende Geschichte, die sich wie ein Lauffeuer weiterverbreitet. Entsprechend volatil ist der Kurs. Manche Analysten halten noch weitere erhebliche Kursgewinne für möglich – Wetten darauf bleiben aber riskant.

Wo kann ich Bitcoins kaufen?

Das Internet bietet etliche Marktplätze und Börsen, auf denen Bitcoins erworben und verkauft werden können. Der größte deutsche Marktplatz ist nach eigenen Angaben bitcoin.de . Hier werden die Coins ohne Zwischenhändler verkauft und gehandelt, zur Sicherheit ist eine Verifizierung mit Handynummer und Bankkonto erforderlich.

Bei Kryptobörsen wie Bitpanda , Kraken  oder Coinbase , dem größten US-Handelsplatz für Kryptowährungen, können Bitcoins direkt gekauft und in der eigenen digitalen Geldbörse ("Wallet") aufbewahrt werden. In Deutschland gibt es zum Beispiel die Kryptobörse Digital Exchange , eine Tochter der Börse Stuttgart.

Zudem sollen Privatanleger bald auch mit einer Art von "Exchange-Traded Funds" (ETFs) in die Digi-Taler investieren können. Schon jetzt gibt es Zertifikate auf den Bitcoin-Kurs von mehreren Anbietern. Ein solches Investment hat jedoch Steuernachteile: Während beim Kauf von Bitcoin – wie bei Gold – nach einem Jahr Spekulationsfrist der Gewinn steuerfrei ist, werden die bislang verfügbaren Investmentvehikel mit der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag belegt.

Wo bewahre ich Bitcoins auf?

Bitcoins lagern nicht in der Bank, sondern werden als private Datei ("Wallet") auf Smartphones, Computern oder besonders gesicherten Speichermedien aufbewahrt. Die digitale Geldbörse wird verschlüsselt und mit einem Passwort gesichert. Wenn ein Passwort verloren geht, kann der Benutzer die Brieftasche nicht mehr öffnen.

Wallets können offline gespeichert werden ("Cold Storage") oder online an Kryptowährungsbörsen, an denen Bitcoins gegen traditionelle Währungen oder andere virtuelle Münzen gehandelt werden. Zu den beliebtesten Anbietern von speziellen Speichersticks für das "Cold Storage" zählen Ledger Nano S und Trezor.

Die Speicherung gilt als eine der Schwachstellen bei Bitcoin-Investments. In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Kryptobörsen Opfer von Hackern oder Betrug. Die Speicherung auf privaten Festplatten und das Vergessen von Passwörtern führten dazu, dass heute ein Fünftel aller geschürften Bitcoins als verloren gelten.

Sind Bitcoins sicher?

In puncto Fälschungssicherheit bislang ja. Ein Bitcoin ist ein Eintrag in einer dezentral verteilten Datenbank, der Blockchain. Sie ist das Herzstück des Bitcoin-Netzwerks. Hier werden alle bislang durchgeführten Transaktionen in Blöcken gespeichert und verschlossen. Jede Transaktion wird dabei durch fortschrittliche Kryptografie geschützt. Dadurch dass jede Bewegung von vielen Rechnern gleichzeitig protokolliert wird, erkennt das Netzwerk Fälschungen. Das Kopieren oder mehrfache Verwenden von Bitcoins soll dadurch ausgeschlossen werden.

Allerdings gelten Cyber-Risiken wie ein Systemzusammenbruch oder ein Hackerangriff wie bei anderen IT-Systemen als eine der größten Gefahren für die Nutzer. Ein spezielles Risiko bei vielen Kryptowährungen ist das einer sogenannten "50+1"-Attacke. Denn die Regeln des Netzwerks werden von den Bitcoin-Minern bestimmt, die Stimmrechte orientieren sich nach der aktuellen Rechenkraft im Netzwerk. Wenn ein Miner die Mehrheit der Stimmrechte erringt, könnte er das Netzwerk manipulieren und zum Beispiel die Transaktionen einzelner Nutzer ausschließen. "50+1"-Attacken sind bei mehreren anderen Kryptowährungen erfolgreich gewesen. Es gilt als große Leistung, dass Bitcoin seit 2009 diesen Risiken standgehalten hat.

Die digitalen Geldbörsen sind nicht unangreifbar. Experten empfehlen, digitales Vermögen in mehreren Wallets zu lagern, auch offline, um die Sicherheit der eigenen Anlage zu erhöhen. Verbraucherschützer weisen außerdem auf die Gefahr hin, an unseriöse oder betrügerische Anbieter rund um das Thema Bitcoin zu geraten.

Nicht zuletzt lässt der extrem schwankende Bitcoin-Kurs keine Aussage über die langfristige Kaufkraft zu. Außerdem gibt es für Kryptowährungen bislang keine Einlagensicherung, wie es sie zum Beispiel für Bankguthaben gibt. Für Privatanleger kann die Spekulation entsprechend riskant sein. Sollte zum Beispiel eine andere Kryptowährung mit besseren Eigenschaften Bitcoin ablösen, könnte der Kurs kollabieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Staaten Besitz und Handel mit Bitcoin einschränken oder verbieten könnten.

Kann ich mit Bitcoin anonym bezahlen?

Nicht wirklich. Zahlungen mit Bitcoin sind weniger anonym als solche mit Bargeld. Da jede Transaktion in der Blockchain öffentlich protokolliert wird, lässt sich jeder Bitcoin bis zu seiner Entstehung zurückverfolgen.

Da Bitcoin-Zahlungen nicht unter Klarnamen, sondern über Walletnummern stattfinden, wird allerdings die Privatsphäre der teilnehmenden User ein Stück weit geschützt. Auch schwarze Schafe können damit leichter im System untertauchen. Die staatsfreie Bitcoin-Welt ist diskret, aber skandalgeplagt. Am herkömmlichen Finanzsystem vorbei werden Kryptowährungen häufig für illegale Geschäfte genutzt, etwa für Geldwäsche oder Drogenhandel im Darknet. Die EU-Kommission plant daher eine einheitliche Regulierung von Krypto-Assets. Allerdings gibt es seit Jahren Analyseanbieter, die Walletnummern nachverfolgen und mit anderen Onlinedaten verbinden, sogar solchen aus dem Darknet. Auch Ermittlungsbehörden nutzen solche Analyseanbieter und Softwaretools.

Wo kann ich mit Bitcoin bezahlen?

Einige Händler akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel, beispielsweise Lieferando, Expedia oder Overstock. Auch Wikipedia nimmt über einen Zahlungsdienstleister Spenden in der Kryptowährung entgegen – und nun hat auch noch der Elektroautobauer Tesla angekündigt, in Zukunft Zahlungen in Bitcoin zu akzeptieren.

Eine Übersicht von Geschäften, die Kryptowährungen annehmen, zeigt coinmap.org . Produkte, die in Bitcoins und seinen kleinen Stückelungen bezahlbar sind, finden sich über die Suchmaschine spendabit.co .

Insgesamt aber fehlt es an guten Zahlungsmöglichkeiten. Für Zahlungen im Massengeschäft ist die Technik zu langsam, zu teuer und zu energieintensiv. Außerdem sind die Wertschwankungen zu groß. So bot etwa Microsoft einige Zeit lang die Option, das Konto per Bitcoin aufzuladen – aufgrund der starken Volatilität wurde diese Zahlungsoption allerdings inzwischen ausgesetzt. Im großen Stil wird Bitcoin bisher hauptsächlich zur Spekulation und als Wertaufbewahrungsmittel genutzt und kaum für Zahlungen verwendet.

Legendär ist übrigens die erste Zahlung: 2010 wurde Bitcoin von einem Programmierer aus Florida erstmals als Zahlungsmittel genutzt. Er soll 10.000 Coins, damals etwa 40 US-Dollar wert, für die Lieferung von zwei Pizzen geboten haben. Nach heutigem Kurs hätte er damit rund 375 Millionen Dollar gegen Pizza getauscht.

Finden Zahlungen sofort statt?

Nein. Da jede Transaktion in einem aufwendigen Rechenprozess von mehreren Minern bestätigt werden muss, kann es einige Minuten, Stunden oder sogar mehr als einen Tag dauern, bis eine ausgelöste Zahlung den Empfänger erreicht. Wer Überweisungen in Bitcoin tätigt, legt die Transaktionsgebühr selbst fest – die Miner priorisieren die Überprüfungen nach der Höhe der Dotierung.

Ist Bitcoin umweltschädlich?

Ja. Die Produktion von Kryptowährungen verbraucht enorme Energiemengen. Diese stammt oft aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken, weshalb Forscher vor den Folgekosten für Klima und Umwelt warnen. Nach Schätzungen der Universität Cambridge benötigt das Mining ungefähr 124 Terrawattstunden pro Jahr, was 0,57 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmacht  und etwa dem jährlichen Verbrauch Norwegens entspricht. Zum Vergleich stellen die Forscher dar, dass die Menge an Strom, die jedes Jahr von ständig eingeschalteten, aber inaktiven Heimgeräten allein in den USA verbraucht wird, das Bitcoin-Netzwerk für 1,8 Jahre am Laufen halten würde.

China, das mit einem jährlichen Stromkonsum von mehr als 5500 TWh die Weltspitze anführt, dominiert die Herstellung und den Betrieb von Spezialrechnern für das Bitcoin-Schürfen. Aufgrund des unschlagbar günstigen Stroms in manchen chinesischen Provinzen haben sich große Mining-Farmen sowohl in Gebieten mit Wasserkraftwerken als auch mit klimaschädlicher Kohle angesiedelt. Außerhalb der von Sommer bis Herbst dauernden Regenzeit in Südchina ist oft nur wenig billiger Strom aus Wasserkraft im Land verfügbar, weshalb die Schürfer dann besonders stark auf Strom aus Kohlekraftwerken zurückgreifen. Angesichts des enormen Energieverbrauchs droht Chinas Regierung immer wieder damit, ihnen den Stecker zu ziehen.

Die wichtigsten Kryptowährungen der Welt

Der Bitcoin ist die bei Weitem älteste und bekannteste Digitalwährung. Er hat zudem mit aktuell etwa 60 Prozent den größten Marktanteil unter den derzeit rund 7000 Kryptowährungen. Entstanden ist der Bitcoin zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Sein Erfinder ist bis heute nur unter einem Decknamen bekannt. Wichtigste Merkmale des Bitcoins sind seine dezentrale Organisation und die Verwendung der Datenbanktechnik "Blockchain". Beides zusammen sichert den Bitcoin-Nutzern ein hohes Maß an Anonymität: Zahlungen in Bitcoin sind praktisch nicht nachzuverfolgen.

cs, cs, mbö/dpa-afx, Reuters, AFP
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