20.02.2018

Verlustrisiko bei Bitcoin und Co

Ethereum-Erfinder warnt vor Kauf von Krypto-Währungen

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www.GordonWelters.com

Ethereum-Erfinder Buterin bei Vortrag in Berlin: Nur Geld investieren, dessen Verlust verkraftbar ist.

picture alliance / Christian Beu

Bitcoin ist der große Investment-Hype des Jahres 2017 - ungeachtet aller Zweifel an der Kryptowährung, die sich im Jahresverlauf (in Dollar gerechnet) um 1350 Prozent verteuerte. Der Absturz Ende Dezember von 20.000 auf 14.000 Dollar ist da schon eingerechnet. Da weltweit rund 16,8 Millionen virtuelle Münzen zirkulieren, ergab sich Zum Jahreswechsel ein "Marktwert" von 246 Milliarden Dollar. Bis Mitte Februar ist dieser allerdings auf weniger als 190 Milliarden Dollar weiter gesunken. Neben dem Bitcoin gibt es zudem mehr als 1000 Alternativen bei den Krypto-Währungen ...

AFP

Für große Furore sorgte Ethereum, dessen Gesicht Vitalik Buterin ist. Das Projekt will mit "smarten Verträgen" noch viel mehr umwälzen als nur die monetäre Wirtschaft. Ihre Währung Ether hat nach einer Hackerattacke 2016 bereits eine harte Spaltung hinter sich gebracht. Die Traditionalisten, die in dem Eingriff mit Regeländerung einen zentralistischen Verrat an der 2014 propagierten Idee "Vertrag ist Vertrag" sehen, setzen auf Ethereum Classic. Die ist mit knapp vier Milliarden Dollar Marktkapitalisierung jedoch weit abgeschlagen gegenüber dem zuletzt etwa 90 Milliarden Milliarden Dollar schweren reformierten Ethereum.

DPA

Ex-Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ließ sich 2014 als Berater für Regulierungsfragen von Ripple Labs anheuern. "Das traditionelle Zahlungssystem ist antiquiert, teuer und ineffizient", gab der CSU-Politiker den Geldrevolutionären seinen Segen. Ripple ist nach Ethereum und vor Bitcoin Cash die Nummer drei der digitalen Nebengeldwelten mit etwa 41 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung, versteht sich aber als Ergänzung und nicht als Gegenentwurf zu Bitcoin.

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Erst seit August gibt es Bitcoin Cash - das Ergebnis einer harten Spaltung der Bitcoin-Blockchain. Vorangegangen war ein Streit unter Entwicklern und Minern über die Blockgröße. Manche der großen Handelsplattformen lehnen Bitcoin Cash ab, trotzdem kam die Bitcoin-Alternative zeitweise auf 42 Milliarden Dollar Börsenwert. Aktuell liegt die Kapitalisierung bei etwa 23 Milliarden Dollar. Als Ersatz für Bargeld im alltäglichen Zahlungsverkehr taugt jedoch trotz des Namens auch sie nicht.

Litecoin wurde bereits 2011 als Bitcoin-Alternative gegründet. Die Entwickler wollen absichern, dass auch gewöhnliche Computerbesitzer Geld schöpfen können - und dass der Code einfach genug bleibt, um schnelle Transaktionen weltweit zu ermöglichen. "Leichtes" im Gegensatz zu "hartem" Geld - das Interesse der zahlreichen Nutzer hat Vorrang gegenüber der Wertsteigerung für wenige Altcoin-Superreiche. Wirklich durchgesetzt hat sich Litecoin - auch gegenüber mehreren Nachahmern - bisher nicht. Zuletzt flaute der Hype auf einen Wert von weniger als 13 Milliarden Dollar ab.

Erst, als der Bitcoin-Hype in vollem Gang war, kam auch Cardano im Oktober auf den Markt. Die Macher versprechen ein flexibles, den aktuellen Anforderungen anzupassendes System und zeigen sich offen für notwendige staatliche Regulierung. Inzwischen reicht es mit 9,5 Milliarden Dollar für Rang 6 im Ranking der Kryptowährungen laut coinmarketcap.com

imago/ZUMA Press

Von einer gemeinnützigen Stiftung in Deutschland wird Iota betrieben, immerhin fünf Milliarden Dollar schwer. Der Name trägt das "Internet of Things" in sich, und in Anlehnung an den kleinsten griechischen Buchstaben Iota auch den Vorzug für kleine, gut handelbare Einheiten. Die Währung soll als Recheneinheit für den Datentransfer zwischen vernetzten Maschinen mit Minigebühren erleichtern. Die industrielle Nutzung dieses Konzepts, das mit der Blockchain nach Bitcoin-Art nichts zu tun hat, lockt auch Konzerne wie Bosch oder Fujitsu als Investoren.

NEM stammt aus Japan, der Hochburg der Altcoin-Fans. Das Angebot des "New Economic Movement" wurde erst 2015 gestartet. Die NEM-Macher versprechen den Nutzern, Energie und Kosten zu sparen. Geld wird hier "geerntet", nicht "geschürft". Die Validierungsmethode anstelle der komplexen Bitcoin-Blockchain nennt sich "Eigentrust". NEM belohnt Nutzer, die das Geld zirkulieren lassen, anstatt es zu horten. Die Digitalwährung kommt auf einen Marktwert von 4,5 Milliarden Dollar.

Der Name Dash ist die Kurzform für "digital cash", zielt aber kaum auf die Hauptrolle von Bargeld beim täglichen Einkauf. Früher war die Währung als "Darkcoin" bekannt und mit dem Darknet assoziiert, meist wechseln größere Summen den Besitzer. Hier liegt die Betonung vor allem auf der Anonymität der Nutzer, die größer sein soll als bei anderen Kryptowährungen, die auch immer wieder mit Betrugs- oder anderen Kriminalitätsfällen auf sich aufmerksam machen. Dash ist knapp 5,7 Milliarden Dollar schwer.

Bei Monero wird ebenfalls besonders die Anonymität der Nutzer betont. Jüngster Marktwert: 5,1 Milliarden Dollar. Dies sind nur die größten Kryptowährungen - gemessen am stark schwankenden Börsenwert. Nutzerzahlen lassen sich wegen der Anonymität nicht erheben, Daten über realweltlichen Austausch sind ebenso Mangelware.

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Im Februar berichtete Venezuelas Präsident Nicolas Maduro, sein Land habe erfolgreich den Verkauf der landeseigenen Krypto-Währung Petro gestartet. Schon am ersten Vorverkaufstag kamen demnach mehrere hundert Millionen Dollar in die Kasse. Insgesamt will Venezuela 100 Millionen digitale Münzen à 60 Dollar unter die Käufer bringen. Damit hätte der Petro zum Start eine Marktkapitalisierung von sechs Milliarden Dollar, womit er auf Platz zehn des weltweiten Krypto-Währungs-Rankings Mitte Februar stünde. .

Investmentexperten, Notenbanker, Bankenaufseher - Warnungen vor den Gefahren eines Investments in Krypto-Währungen kamen schon von beinahe jeder Adresse am Finanzmarkt. Zuletzt wurden die skeptischen Stimmen, die auf die immensen Risiken dieses weitgehend unregulierten und schwer durchschaubaren Nischengeschäfts hinwiesen, zudem tatsächlich bestätigt: Binnen weniger Wochen verloren viele Krypto-Gelder massiv an Wert.

Der viel beachtete Bitcoin etwa, nach Marktkapitalisierung wichtigste Cyber-Währung, rutschte zu Beginn dieses Jahres um deutlich mehr als 60 Prozent auf einen Wert von wenig mehr als 6000 Dollar ab. Zuvor war der Bitcoin allein im Jahr 2017 in der Spitze um etwa 1800 Prozent auf mehr als 19.000 Dollar gestiegen.

Inzwischen hat sich der Bitcoin zwar wieder auf beinahe 11.000 Dollar erholt. Ob dieses Comeback von Dauer sein wird, erscheint jedoch fraglich, schließlich dürfte der jüngste Kurssturz eine Menge Vertrauen bei den Käufern solcher Krypto-Währungen zerstört haben.

Zudem gibt es nach wie vor Fachleute, die vor dem Kauf der Cyber-Gelder warnen. Zuletzt vertrat beispielsweise die US-Bank Goldman Sachs in einem Investment-Report die Auffassung, ein Großteil der derzeit rund 1500 Krypto-Währungen werde nicht lange existieren. Vielmehr dürfte nur eine kleine Anzahl wettbewerbsfähiger Arten überleben, so Goldman-Research-Chef Steve Strongin.

"Traditionelle Geldanlagen bieten mehr Sicherheit"

Eine weitere mahnende Stimme sollten potenzielle Investoren womöglich besonders ernst nehmen - denn sie gehört einem, der selbst eine Cyber-Währung geschaffen hat und damit zum innersten Kreis der Krypto-Szene zu zählen ist.

Die Rede ist von dem 24-jährigen russisch-kanadischen Programmierer Vitalik Buterin, der 2013 die Krypto-Währung Ethereum kreierte.

Ethereum basiert wie auch die Krypto-Leitwährung Bitcoin auf der Blockchain-Technologie. Ethereum verfügt mit aktuell gut 90 Milliarden Dollar über die zweithöchste Marktkapitalisierung aller digitalen Währungen.

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Geht es um Krypto-Währungen, sollte Buterin also wissen, wovon er spricht. Umso bemerkenswerter erscheint, was der Computer-Spezialist zu dem Thema jetzt via Twitter kundtat.

"Zur Erinnerung", so Buterin auf dem Kurznachrichtendienst. "Krypto-Währungen sind immer noch eine neue und hoch-volatile Asset-Klasse, die jederzeit auf Null fallen kann." Anleger, so der Experte weiter, sollten ausschließlich jenes Geld dort hineinstecken, dessen Verlust sie gegebenenfalls verkraften könnten. Ansonsten seien für die Ersparnisse die traditionellen Geldanlagen eine sicherere Angelegenheit, schreibt Buterin.


manager magazin und Mynd erklären: So funktionieren Krypto-Währungen


Buterins Twitter-Post wurde binnen Kurzem vielfach geteilt und kommentiert. Kein Wunder: Es kommt nicht häufig vor, dass ein Player aus der Krypto-Szene vor seiner eigenen Schöpfung warnt.

Ob der Ethereum-Macher mit seinen mahnenden Worten Wirkung erzielen wird, bleibt indes abzuwarten. Am Montag jedenfalls starteten die meisten Krypto-Währungen erneut mit Kursgewinnen in die Handelswoche. Auch Ethereum legte laut Plattform Coinmarketcap.com bis zum späten Vormittag um beinahe 3 Prozent zu.

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